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Borussia News

NEWS: 08.03.2016

"Zu viel Schwarz und Weiß"

"Zu viel Schwarz und Weiß"
Sportdirektor Max Eberl

Standpunkt: Sportdirektor Max Eberl spricht über die jüngste Auswärtsbilanz der Fohlenelf, den Kampf um die internationalen Plätze und das bevorstehende Spiel gegen Eintracht Frankfurt.

Max, Borussia hat in der Rückrunde bislang zehn Punkte eingefahren, davon neun im BORUSSIA-PARK, aber nur einen auswärts. Wie erklärst du dir die Diskrepanz zwischen den Auftritten zuhause und auswärts?

Eberl: Ich habe eigentlich nicht den Eindruck, dass unsere Leistungen auswärts deutlich schlechter sind als zuhause. Abgesehen vom Spiel in Hamburg haben wir kein wirklich schlechtes Spiel dabei gehabt, in dem wir total verdient verloren haben. Leider fehlen uns auswärts derzeit die Ergebnisse und die Punkte. Im Moment ist es einfach so, dass wir zuhause unsere Spiele leichter durchbringen. Daran müssen wir arbeiten, wir müssen auch auswärts in der Arbeit gegen den Ball die totale Bereitschaft und Konzentration zeigen, so wie uns das in den Heimspielen zuletzt gelungen ist.

Hast Du Verständnis für die zum Teil recht scharfe Kritik, wenn es auswärts wieder nicht mit einem Sieg geklappt hat?

Eberl: Für sachliche Kritik bin ich immer offen. Wir hinterfragen uns ja selbst ständig, was wir verbessern können. Was mir aber nicht gefällt, ist dieses Hin und Her zwischen den Extremen. Nach dem 4:0 gegen Stuttgart wurde André Schubert gefeiert, weil er die Mannschaft mit einem Plan ins Spiel geschickt hat, der zu hundert Prozent gepasst hat. Vier Tage später, nach einem 1:2 in Wolfsburg, wird in Frage gestellt, ob der Trainer nachhaltig mit der Mannschaft arbeiten kann. Das ist mir viel zu sehr schwarz und weiß. Da wünsche ich mir manchmal mehr den Blick für das große Ganze und der besagt, dass wir in 20 Spielen unter Andrés Regie 39 Punkte geholt haben.

Man könnte dagegenhalten, dass Borussia in der Rückrundentabelle „nur“ Neunter ist…

Eberl: Dem könnte ich entgegenhalten, dass wir in der Hinrunde nach acht Spielen nur 13. waren, oder dass André Schubert nach fünf Spieltagen mit null Punkten hier eingestiegen ist… Wie gesagt, wir tun gut daran, unsere Bewertung nicht jede Woche vom jeweils letzten Spiel abhängig zu machen. Man sollte auch nicht vergessen, dass sich mit dem Wechsel zu André Schubert unsere Spielanlage verändert hat. So etwas braucht Zeit. Vielleicht hat die unglaubliche Siegesserie in der Hinrunde etwas darüber hinweggetäuscht, dass es einen Umbruch gegeben hat, der nicht von heute auf morgen reibungslos funktioniert.

Der Kampf um die internationalen Plätze ist spannend wie selten zuvor. Zwischen Platz drei und acht liegen gerade einmal sechs Zähler. Neben den „üblichen Verdächtigen“ mischen auch Hertha BSC und Mainz 05 im oberen Tabellendrittel mit. Was sagt das über die Bundesliga aus?

Eberl: Dass Mannschaften wie Mainz und Hertha um die internationalen Startplätze mitspielen, unterstreicht die unglaubliche Ausgeglichenheit der Bundesliga. Diese Entwicklung ist für mich aber keinesfalls überraschend. Es gibt in jeder Saison Überraschungsteams, die plötzlich im oberen Tabellendrittel auftauchen. Vor vier Jahren waren wir es selbst, als wir nach Jahren im Abstiegskampf Vierter geworden sind. Danach waren es Vereine wie der SC Freiburg, der FC Augsburg oder jetzt eben Mainz und Berlin. Und auch uns zähle ich heute noch zu diesen Überraschungen, obwohl wir uns zuletzt in der oberen Tabellenhälfte festbeißen konnten und dreimal in den Europapokal eingezogen sind. Bei der Vielzahl an Vereinen, die um die wenigen Startplätze für das internationale Geschäft kämpfen, ist das keine Selbstverständlichkeit.

…weshalb du auch nicht davon abrückst, dass nach wie vor ein einstelliger Tabellenplatz das Saisonziel bleibt…

Eberl: Wir formulieren unsere Saisonziele ja nicht anders, weil uns nichts Besseres einfällt, sondern weil wir die Situation realistisch einschätzen. Die Bundesliga ist eine total ausgeglichene und damit höchstattraktive Liga, die vom ersten bis zum letzten Spieltag spannend ist. Man muss in jedem Spiel ans Limit gehen, um erfolgreich zu sein. Nicht nur Vereine wie Wolfsburg, Leverkusen und Schalke sind große Konkurrenten in der oberen Tabellenhälfte, sondern eben auch Überraschungsmannschaften wie jetzt Mainz und Berlin. Und je mehr Teams oben mit dabei sind, desto schwieriger wird es natürlich am Ende unter den ersten Sechs zu landen. Wir wollen bis zum Ende um einen dieser Plätze mitspielen, genau das ist unsere Zielstellung.

Worauf wird es im Saisonfinale ankommen?

Eberl: Wir werden alles dafür geben, den größtmöglichen Erfolg für Borussia zu erreichen. Wenn wir uns vor den letzten Spieltagen der Saison in eine Ausgangslage gebracht haben, die es uns ermöglicht, wieder etwas Außergewöhnliches – und damit meine ich die erneute Qualifikation für das internationale Geschäft, ganz gleich für welchen der beiden Wettbewerbe – zu erreichen, dann werden wir diesen Traum auch in Angriff nehmen und alles dafür in die Waagschale werfen. Wir bewegen uns momentan in den Tabellenregionen, die wir im Sommer anvisiert haben. Jetzt gilt es einfach, weiter dran zu bleiben und in Ruhe die nötigen Punkte zu sammeln.

Nun kommt am Samstag Eintracht Frankfurt in den BORUSSIA-PARK – mit einem neuen Trainer. Wäre es Dir lieber gewesen, wenn die Eintracht nicht ausgerechnet jetzt den Trainerwechsel vorgenommen hätte?

Eberl: Es macht die Vorbereitung nicht unbedingt einfacher, denn ein neuer Trainer nimmt fast immer die eine oder andere Veränderung vor, in der Aufstellung oder auch in der Spielanlage. Das ändert aber nichts an unserem Anspruch, dieses Spiel gewinnen zu wollen. Und ich bin sicher, dass uns das auch gelingt, wenn wir an die Leistung aus unseren letzten Spielen anknüpfen.

Patrick Herrmann hat nach langer Verletzungspause sein Comeback gegeben, auch André Hahn steht kurz vor der Rückkehr in den Kader. Zusammen mit Thorgan Hazard, Ibrahima Traoré, Fabian Johnson und Jonas Hofmann werden Borussia damit sechs Flügelspieler zur Verfügung stehen. Ist es ein Vorteil, im Saisonfinale auf so viele Alternativen bauen zu können?

Eberl: Es ist auf jeden Fall nicht schlecht, einen gewissen Konkurrenzdruck im Kader zu haben. Auf den offensiven Außenbahnen ist das bei uns ganz klar der Fall. Natürlich sind Spieler wie Ibo Traoré, der jetzt zweimal nicht zum Zuge gekommen ist, nicht glücklich, wenn sie nicht spielen. Aber damit müssen sie professionell umgehen und es dem Trainer so schwer wie möglich machen. Wir legen bei unseren Transfers immer großen Wert darauf, dass die Spieler flexibel einsetzbar sind. Das gilt auch für die genannten Spieler. Sie können durchaus auch auf anderen Positionen zum Einsatz kommen, so wie es bei Fabian, Thorgan, Patrick und André in dieser Saison ja auch schon der Fall war. Ich möchte sie also nicht auf die Außenbahnen reduzieren.

Die Regelhüter des Fußball-Weltverbands FIFA haben am Wochenende einer Testphase für den Videobeweis zugestimmt. Damit wird die technische Unterstützung für die Schiedsrichter mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in der Bundesliga erprobt werden. Was sagst Du zu dieser Entscheidung?

Eberl: Die Technologien werden immer besser und wenn es einen guten Ansatz gibt, den Videobeweis sinnvoll in das Spiel einzubauen, bin ich der Letzte, der sich dagegen aussprechen würde. Allerdings ist es mir wichtig, dass der Charakter des Fußballspiels nicht verändert wird. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es noch wenig Erfahrungswerte, auf die man zurückgreifen kann. Es gibt viele gute Vorschläge, die diskutiert werden, aber für mich sind die alle noch nicht ausgereift. Die Einführung der Torlinientechnik zu Beginn dieser Saison war eine sinnvolle Unterstützung für die Schiedsrichter. Was darüber hinaus eingebunden werden könnte, wird sich zeigen. Deshalb finde ich es positiv, dass man nun zwei Jahre Zeit hat, um in der Testphase zu erproben, was sinnvoll ist und was nicht.

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