Vier Jahrzehnte sind eine lange Zeit, aber seit dem 3. April 1971 musste Herbert Laumen „seine“ Geschichte unzählige Male erzählen. Für uns musste er natürlich auch noch einmal über den Pfostenbruch berichten.
Herr Laumen, es wird so viel über den Pfostenbruch gesprochen, wo sind die Bruchstücke des Pfostens?
Herbert Laumen: Ein Stück davon liegt bei Borussia im Archiv, es trägt die Originalunterschriften der damals beteiligten Borussen und noch einige mehr. Ich nehme schwer an, er wird irgendwann einmal ins Museum kommen.
Können Sie sich an die Szene von damals erinnern, haben Sie sich verletzt?
Herbert Laumen: Nein, verletzt nicht, aber als ich merkte, dass das Tor zusammenbricht, bin ich in Deckung gegangen. Ich lag im Tor und wollte mich am Netz hochziehen, dann hat es gekracht und ich bin erst einmal liegen geblieben. Als ich rausgezogen wurde, hat Günter Netzer schon auf alle eingeredet, dass das unsere Chance ist.
Es wird immer gesagt, Borussia wollte das Spiel unbedingt abbrechen lassen, damit aus dem 1:1 in der 88. Minute gegen Bremen in einem Wiederholungsspiel doch noch der ersehnte Sieg im Meisterschaftsrennen wird. War es so?
Herbert Laumen: Genau so. Der Zweikampf mit den Bayern war sehr spannend und eng, wir mussten unsere Heimspiele unbedingt gewinnen, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Und wir waren uns absolut sicher, dass es ein Wiederholungsspiel geben muss, wenn diese Partie vor dem Ende nicht mehr weitergespielt werden kann. Deswegen hat von uns auch niemand etwas unternommen oder sich wirklich bemüht, das Tor wieder hinzubekommen. Das ging aber ohnehin nicht! Nach dem Urteil aber war der FC Bayern vor uns, zum Glück haben wir das ja noch am letzten Spieltag geregelt.
Was war anschließend in der Kabine los, kollektives Aufatmen?
Herbert Laumen: Wir waren ja immer im Glauben, dass es gut war, dass der Schiedsrichter das Spiel abgebrochen hat. In der Kabine war die Hölle los, die Presse durfte früher ja auch noch mit rein. Und aus der Nordkurve war auch noch das Gelächter der Fans zu hören, irgendwie waren alle erleichtert, dass wir noch eine Chance bekommen.
Sie selbst waren zum Zeitpunkt dieses Spiels bereits mit Werder einig, dass sie nach Bremen wechseln.
Herbert Laumen: Das war klar, und am nächsten Tag habe ich Hans Wolf angerufen, den Helmut Grashoff von Werder sozusagen, und habe ihm gesagt, dass wir nicht zufrieden sind und ein Wiederholungsspiel wollen. Er war einverstanden, dass wir die Partie wiederholen. Übrigens war nicht nur ich mit Werder klar, sondern Peter Dietrich auch.
Dann aber kam das Urteil, finden Sie es heute nach 40 Jahren gerecht?
Herbert Laumen: Nein. Es war doch gar nicht machbar, innerhalb kurzer Zeit ein Ersatztor aufzubauen. Heute geht das, aber damals hätten wir das alte Tor komplett ausgraben müssen, das Neue auch, um es dann im Stadion an alter Stelle einzugraben. Zudem hätte es korrekt vermessen werden müssen, ich denke, das war schier unmöglich.
Der DFB stellte infrage, ob es überhaupt ein Ersatztor gegeben hat? Wissen Sie das?
Herbert Laumen: Ich glaube, es gab ein Ersatztor hinter dem Kabinenhaus. Aber noch einmal, das hätte erst ausgegraben werden müssen, das war nicht praktikabel.
Trotz allem, der eine sportlich erzielte Punkt war schließlich nach dem Urteil am „grünen Tisch“ auch weg.
Herbert Laumen: Wir waren schockiert über das Urteil. Kein Punkt und minus zwei Tore in der Differenz, Bayern war vorbei. Gut aber war, dass dadurch noch einmal eine jetzt-erst-Recht-Stimmung bei uns entstanden ist.
In der besagten Szene gehen Sie zum Kopfball hoch, ein „Kopfballungeheuer“ waren Sie aber nie, oder?
Herbert Laumen: Aber auch nicht so schlecht im Luftkampf. Günter Netzer und ich haben immer Flanken und Abschluss geübt, ich habe um die 30 Bundesligatore mit dem Kopf erzielt, in einer Saison von 18 Treffern sogar 9.
Aber berühmt geworden sind Sie durch den Pfostenbruch.
Herbert Laumen: Und das ärgert mich ehrlich gesagt ein bisschen, denn ich war in meinen sechs Jahren bei Borussia fünfmal bester Torschütze. Ich habe im Schnitt über 16 Tore pro Spielzeit geschossen, habe den schnellsten Hattrick gemacht.
Gegen Hannover. Mussten Sie darüber auch schon oft berichten?
Herbert Laumen: Selten, letztes Jahr war das noch einmal Thema, als wir gegen Hannover durch die Eigentore 5:3 gewonnen haben.
Und über den Pfostenbruch?
Herbert Laumen: Jedes Jahr, in diesem besonders viel.
Was war denn Ihr schönstes Erlebnis in der damaligen Zeit? Was war das schönste Tor, das Sie geschossen haben?
Herbert Laumen: Das schönste Erlebnis war unsere erste Meisterschaft. Und mein schönstes Tor wurde wegen Abseits nicht gegeben. Ich habe einen Ball aus 30 Metern in den Winkel geschossen, Horst Köppel stand aber abseits. Also wähle ich als schönstes Tor meinen Lupfer gegen Hans Tillkowksi im Spiel gegen Borussia Dortmund.














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