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Borussia News

NEWS: 04.04.2011

„Ein Derby ist kein alltägliches Spiel“

„Ein Derby ist kein alltägliches Spiel“
Sportdirektor Max Eberl.

Standpunkt: VfL-Sportdirektor Max Eberl spricht über das Spiel in München, das anstehende Derby gegen den 1. FC Köln, die Spruchbänder in der Allianz-Arena und Neuzugang Mathew Leckie.

Max, wie bewertest du mit zwei Tagen Abstand Borussias knappe 0:1-Niederlage beim FC Bayern?

Eberl: Wir haben, gerade was die taktische und defensive Ausrichtung angeht, ein gutes Spiel gemacht, und die Bayern so weit gebracht, dass eine enorme Unruhe im Stadion geherrscht hat. Wir haben sie vor allem vor der Pause relativ gut von unserem Tor fern gehalten, und bis auf ein, zwei Chancen kaum etwas zugelassen. Nach dem Wechsel sind wir nicht ganz so gut ins Spiel gekommen wie in der ersten Hälfte, da hat Bayern etwas mehr Druck gemacht. Ärgerlich war, dass uns in einer Phase, in der wir gespürt haben, dass wir mehr nach vorne spielen können, ein Fehler unterlaufen ist, der dann zum entscheidenden Tor geführt hat. Das war sehr ärgerlich, denn wir hätten einen Punkt aus München mitnehmen können und der wäre meiner Meinung nach auch verdient gewesen.

Viele haben Marco Reus als Schuldigen auserkoren. Trainer Lucien Favre hat ihn aber bereits in Schutz genommen. Wie hast du die Szene gesehen?

Eberl: Natürlich spielt Marco den Ball in dieser Szene dem Bayern-Spieler in den Fuß, aber er war schon recht lange am Ball und hat keine Anspielstation gefunden. Es ist auf keinen Fall so, dass Marco Reus deshalb der Schuldige für die Niederlage ist. Martin Stranzl rutscht kurz danach auch noch aus, als Franck Ribery auf ihn zugeht. Es war einfach eine ärgerliche Situation, aus der das Gegentor entstanden ist, aber es bringt nichts, einen Schuldigen herauszupicken, denn die Jungs gewinnen und verlieren immer gemeinsam.

Es sind noch sechs Spiele bis zum Saisonende, der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt fünf Punkte. Wie schätzt du Borussias Lage nach dem 28. Spieltag ein?

Eberl: Wir hätten natürlich gerne einen Zähler aus München mitgenommen, dann hätten wir auf viele der Konkurrenten einen Punkt gut gemacht. So ist der Abstand zum Relegationsplatz gleich geblieben, deswegen hat sich die tabellarische Situation nicht verändert. Wir müssen bis zum Schluss einen langen Atem haben und wollen nun unbedingt mit einem Sieg im Derby, den Rückstand aufs rettender Ufer oder den Relegationsplatz verkürzen.

Am Sonntag gastiert der 1. FC Köln im BORUSSIA-PARK. Ist es gut, dass jetzt das rheinische Derby auf dem Programm steht?

Eberl: Ein Derby ist immer ein spezielles Spiel mit vielen Emotionen. Die Bedeutung dieses Derbys ist für beide Vereine groß. In der Hinrunde hatten wir ein richtig tolles Erlebnis und nun werden wir auch zuhause mit aller Macht versuchen, erneut ein engagiertes und erfolgreiches Spiel abzuliefern. Es ist ein Derby, und damit kein alltägliches Spiel und so müssen wir es auch anpacken.

Der „FC“ gewann seine letzten sieben Heimspiele in Serie, auswärts ist er dagegen das schwächste Team der Liga. Wie ist so eine Diskrepanz zu erklären?

Eberl: Die Kölner erleben ein Stück weit das, was wir in der vergangenen Saison erlebt haben, zuhause spielen sie sehr erfolgreich und in der Fremde haben sie ihre Schwierigkeiten. Aber auch auswärts machen sie es nicht schlecht, sie sind ja selten klar unterlegen, ihnen fehlt dort häufig nur das nötige Quäntchen Glück. Ihre Spielweise ist dennoch sehr gefährlich, weil sie hinten gut stehen und vorne mit Lukas Podolski und Milivoje Novakovic zwei Stürmer haben, die immer für ein Tor gut sind.

Hast du Sorge, dass es erneut zu Ausschreitungen kommen könnte?

Eberl: Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, dass solche Derbys auch gut und rein stimmungsvoll ablaufen können, denn das Hinspiel in Köln war ein eben solches Derby. Die Fans sollen ihre Mannschaften unterstützen, mit allem was dazu gehört. Die Rivalität gehört schließlich dazu und macht das Derby auch so interessant. Aber der Kampf soll allein auf den Platz stattfinden, außerhalb appelliere ich an alle Fußballfans, dass sie sich friedlich verhalten und sich nur auf die Unterstützung ihrer Mannschaft fokussieren sollen.

Wie bewertest du die vielen Spruchbänder in der Allianz-Arena, die sich vor allem gegen Uli Hoeneß gerichtet haben?

Eberl: Ich halte solche polemischen Sprüche für sehr bedenklich. Es gibt zwei Aspekte, die man bei dieser Sache berücksichtigen muss. Zum einen den finanziellen, und da ist es nun einmal Fakt, dass wenn 1860 München Pleite gehen würde, der FC Bayern zweistellige Millionenbeträge mehr für das Stadion aufbringen müsste. Deswegen ist es für mich logisch und normal, dass sie ihren Mitstreiter versuchen zu helfen. Der andere Aspekt ist, dass doch jeder solche Derbys haben möchte. Es hat daher doch keinen Sinn, einen Verein vor die Hunde gehen zu lassen, nur weil es eine große sportliche Rivalität gibt. Natürlich hat 1860 München Fehler gemacht und man muss hinterfragen, ob alles korrekt ist, was da abläuft. Die Fanproteste, und dass eine Person, die exorbitant viele Dinge für den FC Bayern München geleistet hat und den deutschen Fußball geprägt hat, in dieser Form öffentlich kritisiert wird, kann ich aber nur mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen.

Mathew Leckie wird der erste Neuzugang für die kommende Saison sein. Wann wird er ins Training einsteigen können?

Eberl: Mathew hat einen Dreijahresvertrag bei uns unterschrieben, der ab dem 1. Juli beginnt. Sein Kontrakt in Australien endete aber bereits Ende März, so dass der Junge jetzt frei ist. Wir versuchen nun, eine Gastspielererlaubnis für ihn zu erhalten, damit er schon vorher bei uns mittrainieren und seine ersten Eindrücke in Deutschland gewinnen kann, um dann, wenn er aus dem Urlaub zurückkommt, bereits ein vollwertiges Mitglied im Kader ist und keine groß Eingewöhnungszeit mehr braucht.

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