Vor der morgigen Partie gegen den 1. FC Köln (Anstoß: 15.30 Uhr) sprachen wir mit FC-Trainer Frank Schaefer über seine Arbeit als Cheftrainer, seine Ziele und das Derby gegen Borussia.
Herr Schaefer, Sie sind bereits seit 1982 beim FC tätig, waren Jugend- und Amateurtrainer. War es Ihr Traum, irgendwann mal die Profimannschaft zu trainieren?
Frank Schaefer: Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch und versuche immer, das Bestmögliche herauszuholen und mir erreichbare Ziele zu stecken. Während meiner Zeit als Jugendtrainer und auch Jugend-Manager war ich aber so sehr in meine Aufgaben eingebunden und vertieft, dass ich mich damit nicht beschäftigt habe, dass es einmal so weit kommen könnte.
Sie haben bereits mit 18 Jahren ihr erstes Traineramt in Köln übernommen. Können Sie sich noch an ihren ersten Tag als Coach erinnern?
Frank Schaefer: Ich musste meine aktive Karriere leider aufgrund einer komplizierten Verletzung beenden. Mein letzter Trainer war damals Christoph Daum und er sprach mich an, ob ich nicht Lust hätte, als Trainer zu arbeiten. Meine erste Mannschaft war damals die B3.
Wie haben Sie es im Oktober 2010 erlebt, als Sie das Amt des Cheftrainers übernahmen? Gab es viele Überraschungen oder kam alles so, wie Sie es erwarteten?
Frank Schaefer:Ich habe natürlich auch als Trainer der U23 die Entwicklung der ersten Mannschaft verfolgt und war von daher sehr schnell im Thema. Wir steckten damals in einer schwierigen Situation. Die Verantwortlichen kamen auf mich zu, und wir haben sehr gute Gespräche geführt. Es ging einzig und allein darum, den Club möglichst schnell wieder auf gesunde Beine zu stellen. Ich habe mich sehr gefreut, dass mir das notwendige Vertrauen entgegen gebracht wurde und ich diese Chance bekommen habe.
Sie haben den FC damals als Tabellenletzten übernommen, jetzt ist der Club Elfter. Was machen Sie anders als ihr Vorgänger Zvonimir Soldo?
Frank Schaefer:Die Arbeit meines Vorgängers kann ich nicht bewerten, weil ich mich damals hauptsächlich mit meiner Mannschaft beschäftigt habe. Natürlich habe ich versucht, viel mit den Spielern zu sprechen. Sportlich bestand das eigentliche Hauptthema in der Balance zwischen Angriff und Abwehr. Es fehlte die Spielentwicklung nach vorne. Gerade da haben wir den Hebel angesetzt und versucht, der Mannschaft eine andere Ausrichtung und Spielauffassung zu geben.
Seitdem Sie Trainer sind, läuft es auch zwischen Lukas Podolski und Milivoje Novakovic. Was haben Sie mit den beiden gemacht?
Frank Schaefer:Dass die beiden als Spielertypen gerade offensiv gut zusammenpassen, war mir von Anfang an klar. Es ging und geht vor allem darum, die richtige Balance zu finden. Und das geht nur, wenn wir insgesamt als Kollektiv funktionieren. Da müssen die beiden ihren Beitrag leisten. So kommen dann ihre herausragenden individuellen Qualitäten für das Team zum Tragen.
In der Rückrundetabelle ist der FC Fünfter. Warum läuft es im Vergleich zur Hinrunde jetzt so gut?
Frank Schaefer:Das Team hat durch die notwenigen Ergebnisse wieder Selbstvertrauen in die eigene Leistung gewonnen. Die zweite Halbzeit gegen Bayern München war sicherlich ein Schlüsselerlebnis. Die Faktoren Bereitschaft, Leidenschaft und Teamfähigkeit empfinde ich als unverzichtbar. Jeder muss bereit sein, auch einmal für den anderen in einen Zweikampf zugehen. Das Team muss, wie schon gesagt, als Kollektiv funktionieren.
Was für einen Anteil haben die beiden Winterneuzugänge Michael Rensing und Christian Eichner am Erfolg in der Rückrunde?
Frank Schaefer: Die beiden haben natürlich einen genauso hohen Anteil an diesem Erfolg wie alle anderen Spieler des Teams auch. Michael Rensing hat uns durch seine ausgezeichneten Paraden sehr oft im Spiel gehalten und Christian ist ein enorm wichtiger Bestandteil unserer Defensive. Er ist sehr flexibel und zeigt auf dem Platz seine Führungsqualitäten. All unsere Winter-Neuverpflichtungen bringen uns sportlich weiter, dazu zählen auch Slawomir Peszko und Tomoaki Makino.
Sie haben in der Winterpause mit Lukas Podolski auch einen neuen Kapitän ernannt. Was waren für Sie die Beweggründe, ihm die Binde zu übergeben?
Frank Schaefer: Ich war mir sicher, dass es die richtige Entscheidung für den Verein ist. Für mich ist entscheidend, dass wir geschlossen als Mannschaft auftreten und dass wir kurze Kommunikationswege haben. Deswegen war Lukas die ideale Lösung.
Noch wurde Ihr zum Saisonende auslaufender Vertrag nicht verlängert. Liegt das an Ihnen oder am Verein?
Frank Schaefer:Ich habe am 24. Oktober das Amt übernommen und den Auftrag erhalten, den 1. FC Köln in der Bundesliga zu halten. Und das in einer Situation, wo wir fünf Punkte aus neun Spielen geholt hatten. Seitdem bin ich total auf dieses eine Ziel, nämlich in der Liga zu bleiben, fokussiert. Es war so von Anfang an vereinbart und auch mein ausdrücklicher Wunsch, alle anderen Dinge nach dem Klassenerhalt zu besprechen. Daran halten wir uns und daran wird sich auch nichts ändern.
Wie lauten Ihre persönlichen Ziele für die restliche Saison?
Frank Schaefer: Wir haben uns eine gute Ausgangsposition erarbeitet, aber mehr auch noch nicht. Wenn man sich den Abstiegskamp in diesem Jahr anschaut, und sieht, welche Mannschaften davon betroffen sind, kann man nur feststellen, dass es vielleicht der härteste Abstiegskampf aller Zeiten ist. Hinter uns liegen drei Mannschaften, die in den letzten sechs Jahren Deutscher Meister geworden sind, das spricht für sich.
Am Sonntag steht das Derby bei Borussia an. Für Sie als gebürtigen Kölner mit Sicherheit ein ganz besonderes Spiel, oder?
Frank Schaefer:Spiele gegen Leverkusen oder auch Mönchengladbach sind natürlich für jeden Kölner besondere Spiele. Es sind sehr viele Emotionen im Spiel, und auch rund um das Spiel herrscht eine ganz besondere Stimmung. Für uns gilt es, diese Emotionen am Sonntag in Leistung umzusetzen.













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