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Borussia News

NEWS: 10.05.2011

"Angst ist ein schlechter Begleiter"

"Angst ist ein schlechter Begleiter"
VfL-Sportdirektor Max Eberl

Standpunkt: Sportdirektor Max Eberl spricht über Borussias 2:0 gegen Freiburg, die Lage des VfL im Abstiegskampf und das spannende Saisonfinale in der Bundesliga.

Max, der 2:0-Sieg gegen Freiburg war hart erkämpft. Wie hast du das Spiel auf der Bank erlebt?

Eberl: Die Gefühlswelt ist in so einem Spiel natürlich sehr extrem. Wir haben die Zwischenergebnisse der anderen Partien mitbekommen und gewusst, dass wir im Falle eines eigenen Sieges einen großen Schritt machen können. Aber Freiburg hat es uns enorm schwer gemacht, sie standen nicht umsonst auf Rang sieben. Natürlich hat auch der Druck eine Rolle gespielt, denn die Spiele werden immer weniger und die Jungs wussten, sie haben nur noch zwei Chancen, um das Ding zu drehen. Der Mannschaft war anzumerken, dass sie im Kopf nicht ganz frei war. Trotz dieser Stresssituation hat sie den Sieg mit großer Bereitschaft und großem Willen erzwungen. Hinzu kam, dass wir diesmal auch das nötige Quäntchen Glück auf unserer Seite hatten.

Mike Hanke hat sein erstes Tor für Borussia erzielt. Hast du dich besonders für ihn gefreut?

Eberl: Mike hat seit er in der Winterpause bei uns ist, immer den Kopf oben gehabt, und hat bereits in der gesamten Rückrunde – beginnend mit der Torvorbereitung in Nürnberg, weiterführend mit drei Assists gegen Köln, nachgewiesen – wie wichtig er für uns ist. Aber für einen Stürmer zählen selbstverständlich auch Tore, deshalb ist es schön für ihn, dass er nun auch selbst einmal getroffen hat. Dass er in dieser Situation auf die Chance gelauert und sie dann mit einem trockenen Schuss aus spitzem Winkel genutzt hat, zeigt seine große Erfahrung und Qualität.

Jetzt steht Borussia zum ersten Mal seit November 2010 auf dem Relegationsplatz. Wie fühlt sich das an?

Eberl: Es ist eine Momentaufnahme – so wie in den vergangenen Wochen zuvor auch. Jetzt kommt es am letzten Spieltag in Hamburg zum Showdown. Wir haben es dort in eigener Hand, zumindest den Relegationsplatz zu sichern. Wir haben aber auch noch die Möglichkeit, den Klassenerhalt direkt zu schaffen. Genauso gibt es aber auch noch die Option, direkt abzusteigen. Das ist eine höchst prekäre Lage, aber wir haben in den letzten Wochen durch unsere Aufholjagd eine positive Stimmung erzeugt – und die müssen wir auch mit in das Spiel in Hamburg nehmen. Wir wollen dort mit einem weiteren Erfolgserlebnis den nächsten großen Schritt machen, natürlich am liebsten zum direkten Klassenverbleib.

Allerdings hat Borussia nun erstmals etwas zu verlieren. Glaubst du, dass der Druck dadurch noch größer ist?

Eberl: Großen Druck haben alle drei Mannschaften, die noch in den Abstiegskampf verwickelt sind. Wir haben von diesem Trio die positivste Tendenz, trotzdem ist der letzte Spieltag noch einmal etwas Besonderes, weil man genau weiß, dass man danach in zwei von drei Fällen nichts mehr richten kann. Es wird allen Beteiligten an die Nerven gehen, sowohl den Spielern, Verantwortlichen als auch den Fans. Aber wir müssen versuchen, uns unsere positive Stimmung vor Augen zu führen, denn wir haben zuletzt dreimal in Folge zu Null gespielt, das sollte den Jungs viel Selbstvertrauen geben. Sie sollten sich nicht von Angst leiten lassen, denn Angst oder Sorge ist ein schlechter Begleiter. Man muss versuchen, das Positive herauszukehren und da haben wir zuletzt eine Menge vorzuweisen – das müssen wir am Samstag erneut zeigen, dann haben wir eine große Chance.

Wie schätzt du den Hamburger SV ein?

Eberl: Die Hamburger hatten andere Ziele diese Saison, die sie aus unterschiedlichsten Gründen nicht erreicht haben. Dennoch haben sie eine enorm hohe Qualität im Kader – allein der Angriff mit Mladen Petric, Ruud van Nistelrooy und Paolo Guerrero ist hochkarätig besetzt. Der HSV wird sicherlich alles versuchen, um seinen Fans einen positiven Saisonausklang zu bereiten – und da liegt es an uns, es am besten so wie in der vergangenen Saison zu machen, denn da haben wir in Hamburg das Spiel gedreht und 3:2 gewonnen.

Borussias direkte Konkurrenten treffen ebenfalls auf Gegner, für die es um nichts mehr geht. Wolfsburg spielt in Hoffenheim, Frankfurt in Dortmund…

Eberl: Man hat ja am Samstag bei Freiburg gesehen, dass es durchaus auch ein Vorteil sein kann, wenn man ohne Druck aufspielen kann. Deshalb sind die Voraussetzungen für alle Teams im Abstiegskampf gleich. Ich bin sicher, dass keine Mannschaft das letzte Spiel verlieren möchte, sondern sich jeder Club mit einem positiven Erlebnis in die Sommerpause verabschieden möchte. Hoffenheim hat am Wochenende in Nürnberg gewonnen, das beweist, dass die TSG die Saison noch nicht abgehakt hat. Dortmund hat zwar in Bremen verloren, aber ich bin davon überzeugt, dass der BVB seinen Titel mit einem Sieg feiern möchte.

Werdet ihr mit einem Ohr auf den anderen Plätzen sein?

Eberl: Das lässt sich gar nicht vermeiden, schließlich will man ja auch wissen, wie es bei den anderen Teams steht. Aber ich betone noch einmal, dass wir es aus eigener Kraft schaffen können, zumindest Rang 16 zu behaupten. Trotzdem wäre es natürlich fatal, nicht zu verfolgen, was auf den anderen Plätzen passiert.

Das Saisonfinale steht natürlich im Moment im Fokus, dennoch kommt man in diesen Tagen am Thema „Initiative“ kaum vorbei. Am Samstag gab es vor dem Spiel eine Fan-Demo, wie ordnest du das ein?

Eberl: Es ist sehr schade, dass sich momentan so viele politische Dinge um ums ranken, obwohl wir sportlich etwas leisten können, womit in der Winterpause wohl niemand mehr gerechnet hätte. Und das ist auch die Thematik, mit der ich mich im Moment vordergründig befasse und der unsere ganze Kraft und Konzentration gilt. Aber natürlich verfolgt man auch die Dinge auf politischer Ebene. Ich habe es mitbekommen, dass die Fans von der Geburtsstätte Borussias in Eicken über den Bökelberg zum BORUSSIA-PARK gezogen sind und habe auch ihre Transparente und Sprüche gelesen. Ich denke, was dort zu lesen war, war ein klares Votum der Fans.

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