Nach dem 1:1 im gestrigen Bundesliga-Heimauftakt gegen den VfB Stuttgart waren sich die Borussen einig. Das Ergebnis ist gerecht und nach dem Auftaktsieg in München kann man mit dem einen Punkt ganz gut leben.
„Mit dem Unentschieden bin ich nicht unzufrieden, auch wenn es schade ist, wenn man zwischenzeitlich 1:0 in Führung liegt. Aber wenn man den gesamten Spielverlauf betrachtet, ist das 1:1 korrekt“, sagte VfL-Coach Lucien Favre. Die ganz großen Torszenen blieben mit wenigen Ausnahmen auf Seiten seines Teams aus, weil es nur selten Lücken in der kompakten VfB-Defensive fand. „Es gab zwar ein paar gute Phasen, in denen wir intelligent nach vorne gespielt haben. Zum großen Teil haben wir es aber viel zu kompliziert durch das Zentrum versucht, was zu vielen unnötigen Ballverlusten geführt hat“, analysierte Favre.
Auch der kurzfristige Ausfall von Top-Torjäger Igor de Camargo machte sich bemerkbar, obgleich sein Vertreter Raul Bobadilla sich redlich mühte, ihn zu ersetzen. „Alle waren sehr enttäuscht, als sie am Freitag gehört haben, dass Igor nicht spielen kann. Aber es bringt nichts darüber zu sprechen, ob er uns gefehlt hat, denn er ist verletzt und wir können das leider nicht ändern. Wir müssen ohne ihn auskommen und trotzdem positive Gedanken haben“, sagte Favre.
„Nicht so gut verteidigt“
Die Gäste aus Stuttgart hatten die eine oder andere gefährliche Szene mehr, doch erneut erwies sich Torwart Marc-André ter Stegen als sicherer Rückhalt seines Teams. „Wir haben nicht so gut verteidigt wie in München. Gerade auf der rechten Seite waren wir häufig in Unterzahl, das war nicht optimal“, befand Favre. Dennoch gelang es seinem Team, Mitte des zweiten Durchgangs in Führung zu gehen. Marco Reus setzte zu einem seiner unnachahmlichen Tempodribblings an und konnte von dem Dänen Wiliam Kvist im Strafraum nur noch per Foul gestoppt werden. „Wir wollten beide zum Ball, ich war aber einen Tick schneller und er hat mich weg geschoben. Man kann den Elfmeter geben, muss es aber nicht“, meinte der Gefoulte. Schiedsrichter Manuel Gräfe zeigte jedenfalls auf den Punkt, und Kapitän Filip Daems behielt einmal mehr die Nerven und traf zum 1:0.
Anders als noch vor einer Woche in München schafften es die Borussen diesmal aber nicht, die knappe Führung bis zum Schlusspfiff zu behaupten. Cacau nutzte nur vier Minuten später eine Unachtsamkeit in der VfL-Abwehr, um den Ausgleich zu erzielen. „Dem Gegentor ging ein unnötiger Ballverlust hervor. Mike Hanke hätte den Ball mit links nach vorne schießen, aber das weiß er auch. So etwas kann einmal vorkommen. Im Strafraum waren wir dann ein wenig überrascht“, sagte Favre. Mit vier Punkten aus den ersten beiden Spielen kann der VfL aber durchaus von einem positiven Auftakt sprechen. „Trotzdem wird es eine enorm schwere Saison für uns, daran ändert dieser Start nichts. Wir müssen auch weiter um jeden Zähler kämpfen“, betonte Favre.
„Harte Entscheidung“
Das zeigte sich auch gestern, als Borussia in der Schlussphase noch einmal um den Punktgewinn zittern musste. Denn in der 80. Minute schickte Gräfe Roel Brouwers nach einem Foul an Martin Harnik mit der Gelb-Roten Karte vom Platz, so dass Borussia die letzten zehn Minuten mit neun Feldspielern auskommen musste. „Solche Entscheidungen werden meistens zugunsten des Stürmers ausgelegt. Wir sind beide zum Ball gegangen, haben uns berührt, und weil mein Gegenspieler allein aufs Tor zugelaufen wäre, habe ich die zweite Gelbe erhalten. Das kann man sicherlich so vertreten, aber es war schon eine harte Entscheidung“, sagte der Niederländer. Trotz Unterzahl geriet das 1:1 aber kaum noch in Gefahr, weil Borussia vor allem auch dank des eingewechselten Mathew Leckie immer wieder für Entlastung sorgte. „Es war ein tolles Gefühl, vor so vielen Fans zu spielen“, freute sich der Australier über sein Bundesliga-Debüt.
Brouwers wird dem VfL nach seiner Ampelkarte am kommenden Freitag (20.30 Uhr) im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg fehlen. Ob Martin Stranzl, der auch gestern wegen muskulären Problemen an der Wade passen musste, bis dahin wieder fit ist, ist noch fraglich. Doch für den Fall, dass beide etatmäßigen Innenverteidiger ausfallen sollten, hat Favre schon Lösungen im Kopf: „Entweder muss Filip Daems nach innen oder Havard Nordtveit nach hinten rücken, aber wir warten jetzt erst einmal die Trainingswoche ab.“ Diese beginnt am Dienstag ab 10 Uhr mit der ersten von zwei Einheiten an diesem Tag. Zwar haben ein paar Spieler wie Dante oder Juan Arango leichte Blessuren in der gestrigen Partie erlitten, doch nach aktuellem Stand wird Favre mit Ausnahme von de Camargo und möglicherweise auch Stranzl dann alle Spieler beim Training begrüßen können.













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