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Borussia News

NEWS: 15.08.2011

„Vier Punkte – das hätte ich sofort unterschrieben“

„Vier Punkte – das hätte ich sofort unterschrieben“
Hans Meyer im BORUSSIA-PARK mit Robin Dutt (l.), Trainer von Bayer 04 Leverkusen

Standpunkt: Borussias Präsidiumsmitglied Hans Meyer über Borussias Saisonstart, seinen Eindruck von der Mannschaft, die Arbeit von Lucien Favre und Erkenntnisse nach den ersten beiden Spieltagen der Saison.

Wir fangen mit einem nicht ganz ernst gemeinten Glückwunsch an: Sie sind das einzige noch ungeschlagene Präsidiumsmitglied bei Borussia …

Hans Meyer: Danke, das empfinde ich genauso und ich weiß, dass sich das natürlich auch so bald nicht ändern wird (grinst).

Sie gehören seit Mitte Juni zu Borussias Präsidium. Bei den Spielen in München und Stuttgart haben Sie auf der Tribüne gesessen. Werden Sie bei jedem Spiel dabei sein?

Hans Meyer: Bei den Heimspielen wird das in der Regel der Fall sein. Auswärts muss ich mal sehen, das werde ich von Woche zu Woche entscheiden.

Wie sind Ihre Eindrücke aus den ersten Pflichtspielen dieser Saison? Kann man schon sagen, dass die Mannschaft an die starken letzten Wochen der vergangenen Spielzeit anknüpft?

Hans Meyer: Ich habe die Mannschaft im Trainingslager gesehen und jetzt in den ersten Spielen und muss sagen, dass sie mit der Art und Weise, wie sie bei gegnerischem Ballbesitz in der Organisation steht, in der Tat an die Rückrunde anknüpft. Ich bin auch überzeugt, dass wir Spiele wie beim FC Bayern auch in Zukunft sehr häufig positiv gestalten werden. Damit meine ich nicht zwingend, dass wir gewinnen, in München ist für mich auch ein Unentschieden ein sehr gutes Ergebnis. Zu Hause gegen Stuttgart hatten wir eine andere Ausgangslage und haben gesehen, dass wir uns in der individuellen Kreativität nicht mit Teams wie Dortmund, Bayern oder Schalke vergleichen können. Das meine ich gar nicht negativ, denn ich sage auch, dass es zehn, zwölf andere Mannschaften gibt, bei denen das ähnlich ist. Wir haben gegen den VfB etwas mehr zugelassen als Lucien Favre das gefallen haben wird, aber Stuttgart hatte trotzdem nicht mehr als drei gute Torchancen. Die hatten wir auch. Das 1:1 war für mich ein absolut korrektes Ergebnis. Dass wir aus diesen ersten beiden Spielen vier Punkte holen, hätte ich vor der Saison ganz schnell unterschrieben.

Lucien Favre hat jetzt 17 Pflichtspiele als Trainer bei Borussia hinter sich und davon nur vier verloren. Keine schlechte Bilanz, oder?

Hans Meyer: Das ist eine sensationelle Bilanz. Was er in der Gesamtheit bei Borussia gemacht hat, ist sehr beeindruckend. Er ist im Februar in einer hoch komplizierten Situation gekommen und hat mit seiner Erfahrung schnell ein gutes Gespür dafür gehabt, was im Kader zusammen passt und was nicht. Ich habe kürzlich ein Interview mit Barcelonas Trainer Pep Guardiola gehört, da hat er gesagt: „Meine Stärke ist die Klasse meiner Spieler.“ Dieser Satz hat mir sehr gefallen. Als Trainer musst du erkennen, wie du die Qualitäten der Spieler, die dir zur Verfügung stehen, am besten einsetzt. Und das macht Lucien in einer sensationellen Art und Weise.

Borussia spielt nun am Freitag wieder zu Hause, was ist gegen den VfL Wolfsburg möglich?

Hans Meyer: Ich erwarte ein ähnliches Spiel wie gegen Stuttgart. Wolfsburg ist glänzend besetzt, das wird ein schwieriges Spiel für uns. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir die guten Eindrücke der ersten Spiele bestätigen werden.

Borussia muss voraussichtlich ohne Martin Stranzl und Roel Brouwers auskommen. Es steht also nur ein gelernter Innenverteidiger zur Verfügung – Dante. Kann das zum Problem werden?

Hans Meyer: Es ist nie schön, wenn mehrere Leute gleichzeitig ausfallen, die für dieselbe Position eingeplant sind. Aber man kann einfach nicht jede Position im Kader doppelt und dreifach mit der gleichen Qualität besetzen. Das können selbst die Bayern nicht. Ich sehe in dem Fall aber nicht so ein großes Problem, denn wir haben in Havard Nordtveit einen weiteren gelernten Innenverteidiger im Kader und in Filip Daems noch einen Mann mit viel Erfahrung, der schon viele Spiele im Abwehrzentrum gemacht hat.

Mit einem Sieg am Freitagabend könnte Borussia Tabellenführer sein, zumindest für eine Nacht. Wie nervig ist es für einen Trainer, wenn vor einem Spiel – zumal am dritten Spieltag – mit solch einer Aussicht frohlockt wird?

Hans Meyer: Für einen Trainer ist das sehr, sehr nervig. So was schafft doch nur Verwirrung, das mag kein Trainer, ich jedenfalls nicht. Aber Lucien ist schlau genug, um damit richtig umzugehen. Nach dem dritten Spieltag hat die Tabelle doch noch gar keine Bedeutung.

Kann man ernsthaft nach zwei Spieltagen schon Erkenntnisse über die allgemeine Lage in der Bundesliga gewonnen haben? Oder ist das einfach noch viel zu früh?

Hans Meyer: Es ist eindeutig noch viel zu früh. Die Dortmunder sind nach dem ersten Spieltag schon zum unumstrittenen neuen Meister gekürt worden, jetzt haben sie in Hoffenheim verloren. Aber das ist doch das Schöne an der Bundesliga. Überrascht haben mich die Mainzer, ich hätte nicht unbedingt gedacht, dass sie in den ersten beiden, komplizierten Spielen schon wieder mit zwei Siegen starten. Aber mit dem allgemeinen Hochjubeln sollten wir warten, jede Mannschaft wird irgendwann auch ihren Rückschlag bekommen, auch wir, wobei ich natürlich hoffe, dass das bei uns so spät wie möglich passiert …

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