Aus seiner Verbundenheit zu den Fohlen hat Claus Reitmaier nie einen Hehl gemacht – auch nicht, als er für den VfL Wolfsburg fünf Jahre lang das Tor hütete. Vor der morgigen Partie gegen die Wölfe (Anstoß: 20.30 Uhr) sprachen wir mit dem ehemaligen Borussen und Wolfsburger über den Bundesligastart, Bus-Rückfahrten vom Bökelberg und die Erfahrung mit der Tabellenführung.
Hallo Claus, darf man fragen, wo man dich gerade antrifft? Während der Saisonvorbereitung hat man dich sogar mal als Trainingskiebitz hier im BORUSSIA-PARK gesehen …
Claus Reitmaier: Das stimmt, und das mache ich derzeit öfter mal. Aktuell bin ich in Hamburg, dort lebe ich derzeit auch. Der HSV war ja auch meine letzte Station im Profifußball. Dort lief mein Vertrag als Torwart-Trainer aber vor einem Jahr aus und seitdem trainiere ich hier junge Torwarttalente und halte mich natürlich auf dem Laufenden.
Am morgigen Freitag treffen in Borussia und Wolfsburg zwei ehemalige Clubs von dir aufeinander, wirst du dir das Spiel live anschauen?
Claus Reitmaier: Im Stadion werde ich zwar nicht sein, aber ich werde es mir mit Sicherheit mit meinem Sohn dann im TV anschauen. Der ist nämlich in Gladbach geboren und großer Borussen-Fan.
Das hat er dann wohl vom Vater geerbt. Du hast nie einen Hehl daraus gemacht, dass du für Gladbach schwärmst. Ist dir das jemals zum Nachteil geworden?
Claus Reitmaier: Wenn man so will schon. Jeder wusste, dass Borussia meine "alte Liebe" ist und immer, wenn es gegen den VfL ging, haben alle genau auf mich geschaut. Jeder noch so kleine Fehler hätte sofort zu Spekulationen geführt. Daher waren das immer die schwersten Spiele – gerade auf dem Bökelberg.
Aber an den Bökelberg hast du doch insgesamt eher gute Erinnerungen, oder?
Claus Reitmaier: Absolut, als ich mit Wolfsburg in Gladbach gespielt habe, hat mich Diego Klimowicz auf der Rückfahrt nach Wolfsburg gefragt, wie lange ich denn in Gladbach gespielt habe, weil die Borussen-Fans so gejubelt haben. Als ich ihm sagte, dass ich noch nie dort gespielt habe, wollte er das gar nicht glauben.
Sie sprechen die Wölfe an, haben Sie noch Kontakt zum VfL?
Claus Reitmaier: Releativ wenig, die Mannschaft hat in den letzten Jahren ja des Öfteren ein ganz neues Gesicht bekommen. Da ist die Handschrift von Felix Magath schon leicht zu erkennen (lacht). Von den Spielern kenne ich nur Marcel Schäfer, aber auch nur, weil ich mit seinem Vater mal zusammengespielt habe.
Die Wolfsburger sind mit einem klaren 3:0-Auswärtssieg in die Bundesligasaison gestartet, der Erfolg gegen die Kölner war schon ein Ausrufezeichen.
Claus Reitmaier: Stimmt, aber nur zum Teil. Die Wolfsburger haben es insgesamt clever runtergespielt, aber die Kölner haben sich im eigenen Stadion auch nicht wirklich schlau angestellt. Ich bin mir sicher, dass Borussia zuhause so nicht auftritt.
Beim 0:1 gegen die Bayern am vergangenen Wochenende haben die Wolfsburger aber erneut gezeigt, dass sie über ein großes Potenzial verfügen.
Claus Reitmaier: Das tun sie ohne jeden Zweifel. Die Qualität der einzelnen Akteure ist ohne Frage sehr groß. Die Frage ist eher, wie schnell die Mannschaft als Team zusammenfindet. Ein Spiel gegen Bayern ist aber generell kein Maßstab, das war schon immer so. Aber so eine gute Leistung gegen den Meisterschaftfavoriten bringt Selbstvertrauen, auch wenn man nachher ohne Punkte darsteht.
Hast du erwartet, dass Wolfsburg nach dem überraschenden Pokal-Aus in der ersten Runde gegen RB Leipzig einen Fehlstart in der Liga verhindern wird?
Claus Reitmaier: Ich denke, dass Felix Magath ein Coach ist, der seine Spieler sehr schnell, sehr fit bekommt. Wenn man sieht, wie die Jungs rennen und Gas geben, da weiß man, wie viel die Spieler in der Vorbereitung schwitzen mussten. Die Wolfsburger sind topfit und das schon jetzt, zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison. So mancher Akteur braucht immer ein paar Saisonspiele, um wieder richtig spielfit zu sein. Die Wolfsburger sind es schon jetzt.
Was für ein Spiel erwartest du morgen?
Claus Reitmaier: Man sollte sich auf jeden Fall davon freimachen, dass man unter Umständen Tabellenführer werden kann. Ich war mal mit dem Karlsruher SC nach dem dritten Spieltag Tabellenführer und am Ende sind wir abgestiegen, weil alle bis zur Mitte der Saison vom UEFA-Cup geredet haben. Wenn Borussia die Partie so konzentriert wie die letzten Spiele angeht, hat man auch gegen Wolfsburg eine gute Chance, zu punkten.














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Borussia bestreitet zwei Testspiele: am 11. Juli (18.30 Uhr) in Velbert und am 15. Juli (16 Uhr) in Alstätte gegen Preußen Münster.
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