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Borussia News

NEWS: 22.08.2011

„Wir müssen weiter um jeden Punkt kämpfen“

„Wir müssen weiter um jeden Punkt kämpfen“

Standpunkt: Sportdirektor Max Eberl über die Tabellenführung, die Gründe für den guten Start und die Debatte um die Führungsspieler.

Max, Borussia ist tatsächlich auch heute, nach dem kompletten dritten Spieltag, Tabellenführer. Hättest du das am Freitagabend gedacht?

Max Eberl: Nein, ich habe eigentlich damit gerechnet, dass uns mindestens einer der drei (Stuttgart, Mainz, Hannover) noch mit einem Sieg überholt. Aber natürlich habe ich mich darüber gefreut.

Was bedeutet dir die Tabellenführung?

Max Eberl: Sie hat nach dem dritten Spieltag noch keine große Bedeutung, das ist klar. Aber sie spiegelt wider, dass wir gut in die Saison gekommen sind. Wichtiger als Platz eins ist für mich, dass wir nach diesem schwierigen Auftaktprogramm jetzt schon sieben Punkte auf dem Konto haben.

Die Berichte in den Zeitungen sind voll von Zahlen, die Borussias guten Start unterstreichen: Lucien Favre hat den besten Punkteschnitt aller Trainer der Vereinsgeschichte, noch nie hatte Borussia eine Serie von 13 Bundesligaspielen mit maximal einem Gegentor und so weiter. Was ist für dich persönlich im Moment der stärkste Eindruck?

Max Eberl: Es ist beeindruckend, dass die Mannschaft praktisch nahtlos an der guten Rückrunde der letzten Saison anknüpft. Als wir uns im Februar für Lucien Favre entschieden haben, hatten wir den Klassenerhalt und die Weiterentwicklung der Mannschaft im Kopf. Den Klassenerhalt haben wir geschafft, nun sind wir bei der Entwicklung der Mannschaft auf einem guten Weg. Es gab ja vor dem Saisonstart durchaus Bedenken, weil wir keinen sogenannten „Kracher“ verpflichtet haben – jetzt scheint sich zu zeigen, dass der bewusst eingeschlagene Weg, alle Kraft zu investieren, um die Mannschaft zusammenzuhalten, richtig war. Wir profitieren in dieser frühen Phase der Saison davon, dass die Mannschaft im Gegensatz zu anderen Teams eingespielt ist. Ich will aber auch nicht zu früh urteilen, wir haben erst drei Spiele hinter uns. Frühestens nach dem zehnten, elften Spieltag lässt sich eine wirkliche Tendenz erkennen, wohin in dieser Saison die Reise gehen kann.

Für viele, auch für den Trainer, überraschend, hat Raul Bobadilla gegen Wolfsburg ein richtig gutes Spiel gezeigt. Es gab ja auch Bedenken, dass es richtig war, ihn zurückzuholen.

Max Eberl: Raul hat unzweifelhaft viel Potenzial, leider hat er es bisher bei uns zu selten richtig abgerufen. Solche Spiele wie am Freitag wollen wir von ihm häufiger sehen, so ist er für die Mannschaft wertvoll. Wir glauben an ihn und ich hoffe, dass die Erfahrungen aus dem letzten halben Jahr ihm helfen, sich zu einem verlässlichen, guten Bundesligaprofi zu entwickeln. Was er kann, hat er gegen Wolfsburg gezeigt.

In der Bundesliga gibt es in diesen Tagen mal wieder eine laute Debatte um die sogenannten Führungsspieler. Was hältst du davon und hat Borussia Führungsspieler?

Max Eberl: Man sollte erst einmal definieren, was ein Führungsspieler ist. Ist es einer, der auffällt, weil er in der Öffentlichkeit den Mund aufmacht oder auf dem Platz seine Mitspieler anschreit? Ich bin auch der Meinung, dass eine Mannschaft eine Hierarchie braucht und Typen, an denen sie sich orientieren kann. Aber ich glaube, dass das nicht mehr die Typen sind, wie wir sie aus den 80er und 90er Jahren kennen. Ein Führungsspieler fällt durch Leistung auf dem Platz auf, und in der Kabine durch seine Autorität. Am besten ist es, wenn man in der Mannschaft viele Spieler hat, die auf ihre Weise Führungsaufgaben übernehmen. Und ich denke, dass wir diese Spieler haben. Spieler mit unterschiedlichen Eigenschaften, mit positiver Ausstrahlung und Selbstbewusstsein, mit Ruhe und natürlicher Autorität, mit fußballerischer Klasse, mit Siegeswillen. An solchen Charakteren können sich die Mitspieler orientieren.

Wie viel Selbstbewusstsein steckt zurzeit in der Mannschaft? Ist sie so gefestigt, dass sie am Sonntag nach Schalke fährt, um dort zu gewinnen?

Max Eberl: Wir wissen, dass das ein sehr schwieriges Spiel wird und dass Schalke über ganz andere Möglichkeiten verfügt als wir. Aber wir haben – auch dank der Erfahrungen aus den letzten Wochen der vergangenen Saison – inzwischen in der Mannschaft das Bewusstsein, dass sie jedes Spiel mit der Absicht angehen kann, es zu gewinnen. Das wird nicht immer klappen, aber es lohnt sich, es so anzugehen. Der Trainer wird ab morgen mit den Jungs auf dieses Spiel zuarbeiten, und spätestens da ist die Tabellenführung wieder aus den Köpfen. Ich sehe es wie der Trainer: Wir müssen weiter um jeden Punkt kämpfen.

In neun Tagen, am 31. August, endet die Transferperiode für diesen Sommer. Werden Tobias Levels, Mo Idrissou und Michael Bradley danach noch bei Borussia sein?

Max Eberl: Es war in den letzten Jahren immer so, dass in den letzten Tagen noch einmal viel Bewegung in den Markt kommt. Auch weil die Vereine auf die Eindrücke aus den ersten Saisonspielen reagieren. Ich bin sicher, dass sich auch bei den dreien etwas tun wird. Wenn nicht, bleiben sie hier, aber sie wissen, dass ihre sportlichen Perspektiven bei uns nicht gut sind.

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