Olcay Sahan spielte von 2004 bis 2008 in der Jugend sowie der U23 bei Borussia. Über den MSV Duisburg fand er im Sommer den Weg in die Erste Bundesliga und steht seitdem beim 1. FC Kaiserslautern unter Vertrag. Wir sprachen mit dem Mittelfeldspieler.
Olcay, wie bewertest du rückblickend deine Zeit bei Borussia?
Olcay Sahan: Ich habe vier Jahre in Mönchengladbach gespielt, und es war eine sehr schöne Zeit. Uli Sude hat mich damals zur Borussia gelockt, und dann habe ich in der U23 unter dem früheren Trainer Horst Wohlers gespielt. Die Erfahrungen, die ich dort gesammelt habe, waren für mich persönlich sehr wichtig.
Du bist 2008 zum MSV Duisburg gewechselt. Wieso hat es damals bei Borussia nicht für den Sprung in die Profimannschaft gereicht?
Olcay Sahan: Borussia ist damals in die Erste Bundesliga aufgestiegen, und zur gleichen Zeit lief mein Vertrag aus. Ich habe ein Gespräch mit dem ehemaligen VfL-Trainer Jos Luhukay geführt, und er hat mir offen erklärt, dass es sehr schwierig für mich werden würde, ins Profiteam zu gelangen. Er riet mir, in die Zweite Liga zu wechseln, um mich dort weiter zu entwickeln. Aus diesen Gründen habe ich mich dazu entschieden, Mönchengladbach zu verlassen und nach Duisburg zu wechseln.
Im Nachhinein bereust du diese richtige Entscheidung aber sicher nicht, oder?
Olcay Sahan: Das stimmt. Es war ein großer Schritt, in die Zweite Liga zu gehen, aber im Endeffekt habe ich mich dort durchgesetzt und hatte in Duisburg eine fantastische Zeit. Höhepunkt war natürlich das DFB-Pokalfinale in der vergangenen Saison, das wir leider gegen den FC Schalke 04 verloren haben.
Im Sommer hast du dich entschieden, nach Kaiserslautern zu wechseln. Warum?
Olcay Sahan: Nach drei Jahren beim MSV wollte ich den nächsten Schritt machen und mich in der Ersten Liga beweisen. Die Zeit war gekommen, von zu Hause auszuziehen und auf eigenen Beinen zu stehen. Ich hatte mehrere Anfragen aus der Bundesliga, aber ich habe mich für den FCK entschieden, weil das Umfeld und die Fans dort einfach erstklassig sind. Zudem hat sich Trainer Marco Kurz sehr um mich bemüht und hat viel mit mir gesprochen. Ich habe einfach gespürt, dass Kaiserslautern die richtige Adresse ist, um meine Entwicklung fortzusetzen.
Was zeichnet diesen Traditionsverein aus?
Olcay Sahan: Das beste Beispiel war unser letztes Heimspiel gegen den FC Bayern München. Wir waren chancenlos und haben deutlich 0:3 verloren. Trotzdem standen die Fans das gesamte Spiel hinter uns und haben uns nach dem Abpfiff mit Applaus verabschiedet. So etwas erlebt man bei kaum einem anderen Club – diese fantastischen Anhänger zeichnen Kaiserslautern aus. Mit meiner leidenschaftlichen Spielweise passe ich meiner Meinung nach sehr gut dorthin.
Du hast eine sehr gute Vorbereitung absolviert, und in den ersten beiden Saisonspielen standest du in der Startelf. In den letzten beiden Partien dagegen nicht mehr. Wie bewertest du deine momentane Situation?
Olcay Sahan: Es war ein schönes Gefühl für mich, gleich von Beginn an auflaufen zu dürfen. Aber ich habe zuvor noch nie in der Ersten Liga gespielt und man hat gesehen, dass ich viel zu nervös war und ich Fehler gemacht habe, die mir normalerweise nie passieren. Meine Unbekümmertheit ist das, was mich stark macht und ich bin mir sicher, dass ich aus den Erfahrungen gelernt habe und ich in den kommenden Spielen zeigen werde, was ich wirklich kann.
Hast du dir ein persönliches Ziel für diese Saison gesetzt?
Olcay Sahan: Das primäre Ziel ist, dass wir als Mannschaft unser Saisonziel erreichen, nämlich den Klassenerhalt, und dass wir damit unsere Fans genauso glücklich machen wie in der vergangenen Saison. Selbstverständlich habe ich auch persönliche Ziele, die hat jeder Fußballer. Ich möchte mich auch beim FCK durchsetzen und mich in der Bundesliga etablieren.
Worin kannst du dich deiner Meinung nach noch verbessern?
Olcay Sahan: Als Fußballer kann man sich immer und in allen Bereichen verbessern. Ich muss noch viel lernen und werde dafür hart arbeiten. Die genauen Abläufe auf dem Platz muss ich noch mehr verinnerlichen, um natürlicher agieren zu können. Wenn mir das gelingt, kann ich meine Stärken voll ausschöpfen.
Obwohl der FCK zum Teil sehr ordentlich gespielt hat, steht er nach vier Spieltagen noch ohne Sieg da. Bereitet dir das ein wenig Sorgen?
Olcay Sahan: Ich sehe das nicht so dramatisch. Wir sind mit zwei Punkten in die Saison gestartet, es gibt Mannschaften, die noch schlechter abgeschnitten haben. Die Abstände sind noch so gering, dass man mit einem Sieg schon wieder in der oberen Tabellenhälfte steht. Wir befinden uns noch in der Findungsphase, aber ich bin überzeugt, dass wir in den nächsten Spielen punkten und in sicheres Fahrwasser gelangen werden.
Die nächste Partie führt dich zurück nach Mönchengladbach. Freust du dich auf das Duell gegen deinen Ex-Club?
Olcay Sahan: Natürlich ist das ein ganz besonderes Spiel für mich. Ich habe – wie schon eingangs erwähnt – vier Jahre für Borussia gespielt und habe dort noch zu vielen Leuten Kontakt. Es war immer ein Wunsch von mir, einmal vor vollem Haus im BORUSSIA-PARK aufzulaufen. Vor zwei Jahren wäre es mir beim Pokalspiel mit dem MSV Duisburg beinahe gelungen, doch damals war ich leider verletzt und konnte nicht mitspielen. Jetzt ist es endlich so weit und ich freue mich riesig auf das Spiel, zumal auch viele Freunde und Familienmitglieder im Stadion sein werden.
Mit welchen Borussen stehst du in Kontakt?
Olcay Sahan: Roman Neustädter, Marco Reus oder Tony Jantschke treffe ich manchmal zufällig in Düsseldorf. Zudem habe ich auch einen guten Draht zu Sportdirektor Max Eberl und den Betreuern der U23, und auch mit Uli Sude und Horst Wohlers stehe ich noch in Kontakt. Borussia ist mir in den vier Jahren ans Herz gewachsen.
Der VfL hat einen recht guten Saisonstart hingelegt. Was rechnest du dir für das Spiel aus?
Olcay Sahan: Ich freue mich für Borussia, dass sie so gut gestartet ist. Ich gehe davon aus, dass sie offensiv agieren werden. Wenn wir hinten kompakt stehen und vorne unsere Nadelstiche setzen, haben wir gute Chancen, dort etwas zu holen. In der vergangenen Saison hat Kaiserslautern ja auch 1:0 in Mönchengladbach gewonnen – warum sollte uns das nicht erneut gelingen?













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