Vor dem Spiel am Samstag beim HSV sprachen wir mit dem früheren Borussen und ehemaligen Hamburger, Marcel Ketelaer.
Marcel, fangen wir mit deiner persönlichen Situation an. Wo spielst du gerade Fußball?
Ketelaer: Nachdem sich nach meiner Zeit bei Rapid Wien nichts mehr in der Ersten Liga in Österreich ergeben hat, bin ich im Sommer 2010 zum FC Pasching zurück gekehrt, wo ich beim Aufbau einer neuen Mannschaft mithelfen sollte. Wir sind dort auch Meister geworden, durften aber aus regeltechnischen Gründen nicht aufsteigen. Im Winter wollte sich der Club dann verjüngen und hat mir einen Vereinswechsel nahe gelegt. In Österreich dürfen nur sechs und in der Zweiten Liga sogar nur drei Ausländer eingesetzt werden, was meine Suche zusätzlich erschwert hat. So hat sich leider nichts mehr ergeben und meine Karriere hat sich dem Ende geneigt.
Gab es denn Überlegungen, nach Deutschland zurückzukehren?
Ketelaer: Da muss ich ganz realistisch sein, das würde doch kein deutscher Verein machen. Die fragen sich doch auch, wenn es in Österreich nicht funktioniert, wieso dann bei uns? Da brauche ich mir wirklich keine Illusionen zu machen.
Das heißt, du bist gerade in einer neuen beruflichen Orientierungsphase?
Ketelaer: Ja, genau, ich schaue gerade, in welche Richtung es mich zieht. Ich würde dem Fußball gerne erhalten bleiben. Wenn man so lange in diesem Geschäft tätig war, ist es ja auch ein wenig problematisch, etwas Anderes zu machen. Ich habe im letzten Jahr für das Management eines Bekannten Spiele und Spieler beobachtet. Das hat mir recht gut gefallen, nur muss man natürlich auch den richtigen Zugang finden und irgendwo herein rutschen, denn die Vereine sind ja in diesen Bereichen meist schon besetzt.
Kommen wir zu Borussia, wo du damals deine aktive Karriere begonnen hast. Welche Gründe gibt es deiner Meinung nach für den guten Saisonstart?
Ketelaer: Der Grundstein des Erfolgs liegt in der funktionierenden Mannschaft. Man ja hat bereits in den letzten Spielen der vergangenen Saison gesehen, dass sie funktioniert – und auch in der Saison davor unter Michael Frontzeck. Zum Anfang der letzten Saison war es nicht so, weil einige wichtige Spieler wie Dante über einen längeren Zeitraum ausgefallen sind oder Spieler wie Juan Arango nicht in der Form wie jetzt waren. Kaum waren alle wichtigen Spieler wieder zurück, hat auch das Kollektiv wieder funktioniert. Unter Lucien Favre hat die Mannschaft hervorragend mitgezogen, und das setzt sich jetzt in der neuen Saison so fort.
Wie groß ist der Anteil von Lucien Favre?
Ketelaer: Er hatte klare Vorstellungen von seinem Konzept und hat dieses hervorragend umgesetzt. Lucien Favre hat es verstanden, den Spielern sein System schnell begreiflich zu machen und sie so hingebogen, dass sie gut in seinem Konzept funktionieren.
Freust du dich über den aktuellen Erfolg?
Ketelaer: Total! Ich habe ja schon immer betont, zuhause ist zuhause – und das bleibt es auch, egal wo man auf der Welt ist. Wie es am Ende bei Borussia für mich gelaufen ist, mache ich an Personen und nicht am Verein fest. Dennoch wird Mönchengladbach immer meine Heimat und Borussia immer der Verein bleiben, an dem mein Herz hängt. Ich habe auch immer noch Kontakt zu Max Eberl, Steffen Korell und einigen aus dem Jugendbereich.
Kommen wir zu einem anderen Ex-Verein von dir, dem Hamburger SV, bei dem Borussia am Samstag gastiert. Hättest du mit diesem mäßigen Saisonstart gerechnet?
Ketelaer: Wenn ich mich jetzt hinstelle und sage, ich hätte damit gerechnet, wäre das leicht. Aber es ist nun mal so, dass Umbrüche, wie ihn der HSV vor dieser Saison eingeleitet hat, immer auch Durststrecken beinhalten können. Wenn man so einen Neuanfang startet, muss man auch in Kauf nehmen, dass er nicht auf Anhieb funktioniert. Denn da fehlt anfangs das von mir schon angesprochene, eingespielte Kollektiv. In Hamburg gab es in den letzten Jahren mehrere Umbrüche, aber es fehlt im Umfeld einfach die Geduld. Beim HSV hat man nicht lange Zeit, dann haut die Presselandschaft drauf. Deswegen ist es schwierig, dort etwas in Ruhe wachsen zu lassen.
Was glaubst du, wie das Spiel am Samstag ausgeht?
Ketealer: Es wird viel davon abhängen, wie die Gladbacher in das Spiel gehen. Wenn sie dominant auftreten und ihr Spiel so durchzudrücken wie zuletzt, und Juan Arango und Marco Reus an ihre starken Auftritte anknüpfen, glaube ich schon, dass Borussia gute Chancen hat, einen oder sogar drei Punkte zu holen.














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