Vor dem Bundesligaspiel Borussias gegen Bayer Leverkusen am Samstag, 15.30 Uhr im BORUSSIA-PARK sprachen wir mit Jürgen Gelsdorf, zwischen 1991 und 1992 Trainer Borussias und davor sowie danach in verschiedenen Funktionen bei Leverkusen tätig.
Herr Gelsdorf, obwohl Sie bereits bei beiden Vereinen tätig waren, brauchen wir wohl nicht zu fragen, für wen am Samstag Ihr Herz schlägt?
Jürgen Gelsdorf: So ist es – natürlich halte ich zu Leverkusen. Ich hatte bei Borussia eine nette, interessante und lehrreiche Zeit mit Höhen und Tiefen. Wir haben den Abstieg vermieden, sind ins Pokalfinale gekommen, haben dort leider gegen Hannover verloren. Eine turbulente Zeit, die ich aber nicht missen möchte.
Danach waren Sie noch viele Jahre als Trainer tätig, beim VfL Bochum, Fortuna Köln, dem KFC Uerdingen, dem FC Gütersloh, Fortuna Düsseldorf, dem VfL Osnabrück und Rot-Weiss Essen. Jetzt sind Sie im siebten Jahr in Leverkusen Leiter des Leistungszentrum, haben es also mit der Nachwuchsabteilung Ihres Clubs zu tun.
Jürgen Gelsdorf: Eigentlich war das gar nicht beabsichtigt, dass es eine so lange Tätigkeit wird. Ich wollte nach den Trainerjobs kürzer treten, habe für Bayer im Scouting gearbeitet. Dann aber hörte Ralf Minge als Leiter des Nachwuchs-Leistungszentrums auf, Rudi Völler hatte mich seinerzeit gebeten, bis zum Saisonende einzuspringen. Daraus sind nun bisher mehr als sechs Jahre geworden, und es ist ein toller Job.
Nicht nur die Ersten Mannschaften, auch unter anderem die U23, die U19 und die U17 von Borussia und Bayer stehen sich regelmäßig im Ligabetrieb einander gegenüber. Haben Sie häufig mit Handlungsträgern Borussias zu tun, etwa mit Roland Virkus, der ja bei Borussia Nachwuchsdirektor ist?
Jürgen Gelsdorf: Natürlich. Ganz witzig finde ich aber die Verbindung zu dessen Vorgänger. Max Eberl habe ich 1994 zum VfL Bochum geholt, da war er 20 Jahre alt und ich sein Trainer. So kreuzen sich manchmal die Wege, als er bei Borussia noch Direktor für Jugend und Amateure war, hatten wir viel miteinander zu tun und haben uns auch häufig über unsere Nachwuchs-Leistungszentren ausgetauscht. Für mich ist er immer ein angenehmer und kompetenter Gesprächspartner gewesen.Wenn ich heute rüber nach Mönchengladbach schaue, dann freue ich mir ein Loch in den Bauch, dass Max die vergangene Saison so sauber überstanden hat und sich seine gute Arbeit auszahlt. Ich habe großen Respekt vor dem, was Max bei Borussia leistet.
Wenn wir uns mit Ihnen über Borussia und Bayer unterhalten, dann darf dabei ein Spiel nicht fehlen: Das DFB-Pokal-Halbfinale beider Teams im Jahr 1992 …
Jürgen Gelsdorf: Nun, eigentlich wurde ja immer berichtet, ich hätte während des Elfmeterschießens großartigen Kontakt zu Uwe gehabt und hätte ihm Tipps gegeben, in welche Ecken die Bayer-Spieler schießen. Das war aber nicht so, das war insgesamt einfach eine psychologische Geschichte. Uwe befand sich einfach in einer Über-Form, er hat schon in der normalen Spielzeit sensationell gehalten und hat einen unglaublichen Tag erwischt – ohne ihn hätte es wohl gar kein Elfmeterschießen gegeben. Dann hat er natürlich alles richtig gemacht und alle vier Elfmeter gehalten. Leider konnte er das im Finale nicht wiederholen und hat "nur" einen gehalten, wir aber zwei verschossen ...
Zurück zur Aktualität: Wie geht das Spiel am Samstag aus?
Jürgen Gelsdorf: Ich denke, das wird auch jeder Gladbach-Fan verstehen: Es war, wie erwähnt, eine nette, spannende Zeit bei Borussia. Das ist aber 20 Jahre her. Ich war vor meiner Zeit bei Borussia als Spieler zehn Jahre bei Bayer, drei Jahre als Trainer und nun schon im siebten Jahr als Leiter des Leistungszentrums. Da drücke ich also nicht einen halben Daumen für Borussia oder so, sondern beide für Bayer Leverkusen. Ich habe noch Anfang der Woche mit Max Eberl telefoniert und ihm viel Glück für nächste Woche gewünscht – für nächste Woche, wohlgemerkt und nicht für diesen Samstag. Wir wollen unbedingt selber gewinnen, das wäre ein wichtiger Schritt für uns nach dem sehr guten Spiel und Sieg gegen den VfL Wolfsburg. Borussia kann dann das kommende Bundesligaspiel gerne wieder gewinnen, sie machen auf mich einen so gefestigten Eindruck in dieser Saison, dass man sich keine Sorgen machen muss.
Also, um es auf den Punkt zu bringen: Ihr Tipp?
Jürgen Gelsdorf: Es tut mir leid, aber: Beim Toto-Tipp würde ich die „2“ ankreuzen, ohne Wenn und Aber.













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