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NEWS: 19.10.2011

„Es muss nicht Inter Mailand sein“

„Es muss nicht Inter Mailand sein“
Manager Helmut Grashoff (links) und Trainer Hennes Weisweiler hatten sich Inter Mailand bei der Auslosung nicht gewünscht.

In dieser Woche erinnern wir an das legendäre 7:1 im Europapokal gegen Inter Mailand vor vierzig Jahren. Noch mehr "Büchsenwurf" gibt es am Ende des Textes über den Link.

„Es braucht zu Beginn nicht unbedingt Inter Mailand zu sein“, sagt Hennes Weisweiler im Juli 1971 vor der Auslosung der Spielpaarungen für die erste Runde im Europapokal der Landesmeister. Zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte ist Borussia Mönchengladbach für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert und die Gladbacher wollen weiter kommen als 1960 (Aus in der ersten Runde gegen die Glasgow Rangers) und 1970 (Aus in der zweiten Runde gegen den FC Everton). Der VfL-Trainer reist persönlich aus dem Urlaub zur Auslosung nach Genf und ist erst einmal beruhigt. Den Borussen wird der irische Meister Cork Hibernians zugelost – „eine lösbare Aufgabe“, wie Weisweiler findet.

Tatsächlich haben Netzer, Heynckes und Co. mit den Iren auch wenige Probleme. Das Hinspiel in Cork gewinnen sie locker mit 5:0 und machen dabei viel Eindruck auf den Spielertrainer der Hibernians, Dave Bacuzzi: „Das ist die beste Mannschaft, die ich je gesehen habe.“ Im Rückspiel am Bökelberg ist nur noch eine anonyme Bombendrohung aufregend, die vor dem Spiel bei der Polizei eingeht, sich aber als blinder Alarm erweist. Weisweilers Mannschaft begnügt sich diesmal mit einem 2:1, „Borussia ließ die Zügel schleifen“, schreibt die Rheinische Post am nächsten Morgen.

„So ein Mist“

Vor der Auslosung für die zweite Runde, die von der UEFA in Belgrad vorgenommen wird, wünscht sich Weisweiler eine Mannschaft aus dem Süden, „ausgenommen Inter Mailand“. Manager Helmut Grashoff denkt noch nicht wirtschaftlich, sondern sportlich: „Wir wollen noch eine Runde weiterkommen, sonst müsste ich mir Arsenal London oder Inter Mailand wünschen.“ Zum Verdruss der Borussen wird es dann aber genau der Gegner, den man noch nicht haben wollte. „So ein Mist“, sagen die Spieler, als sie von dem Los Inter Mailand erfahren. Aber nicht alle sind pessimistisch. „Warum sollen wir sie nicht schlagen?“, fragt Berti Vogts, „ich hoffe nur, dass meine Fußverletzung bis dahin verheilt ist“.

Eine Stehplatzkarte kostet 10,- und eine Sitzgelegenheit 30,- D-Mark.

Am Bökelberg beginnen sofort die Vorbereitungen für dieses Topspiel. Die Verantwortlichen entscheiden sich schnell dafür, nicht in ein anderes Stadion in einer anderen Stadt umzuziehen, obwohl der Bökelberg gerade umgebaut wird und nur 25.000 Zuschauer fasst. „100.000 Karten könnten wir verkaufen, wenn wir nur ein Stadion dafür hätten“, sagt Grashoff. Doch man setzt auf die Unterstützung der heimischen Fans, die allerdings tiefer in die Tasche greifen müssen als bei einem normalen Bundesligaspiel. 10 Mark kostet die Stehplatzkarte, 30 Mark ein Sitzplatzticket.

Um sich ein Bild vom Gegner zu machen, reist Hennes Weisweiler nach Italien und schaut sich dort Inters Heimspiel gegen Atalanta Bergamo an. 2:0 gewinnt Borussias Gegner, doch furchteinflößend ist das Spiel des italienischen Meisters nicht. „Auch Inter ist zu packen“, stellt Weisweiler jedenfalls nach seiner Rückkehr fest. „Das Spiel der Mailänder ist typisch italienisch, zögernd und langsam im Mittelfeld, aber dann am Strafraum schnell und gefährlich, vor allem mit dem Mittelstürmer Boninsegna und dem aufrückenden Mittelfeldspieler Mazzola. Ich glaube, dass wir gegen ihre Abwehr etwas ausrichten können.“

Netzer, Vogts und Sieloff sind angeschlagen

Sorgen bereitet Borussias Trainer in den Tagen vor dem Spiel allerdings die Tatsache, dass in Spielmacher Günter Netzer, Rechtsverteidiger Berti Vogts und Libero Klaus-Dieter Sieloff gleich drei Stammspieler angeschlagen sind. Beim 6:2-Sieg im Bundesligaspiel gegen Eintracht Frankfurt eine Woche vor dem Spiel gegen Inter sitzen alle drei verletzt auf der Tribüne. Netzer trägt wegen einer Innenbanddehnung eine Gipsmanschette am Knie, Vogts plagt eine Fußgelenkstauchung, Sieloff hat eine Prellung an der Wade. Doch im Abschlusstraining am Dienstag gibt es Entwarnung, alle drei sind bei der letzten Übungseinheit vor dem großen Spiel dabei und signalisieren, dass sie sich fit fühlen.

Inter kann kommen und Hennes Weisweiler lässt sich von den Journalisten ein Wunschergebnis entlocken. „Ich möchte ein 1:0! Wenn auch ein 2:0 natürlich noch günstiger wäre, aber das ist nur ein Wunschtraum. Die Hauptsache ist, dass wir kein Gegentor kassieren.“

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