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NEWS: 21.10.2011

Keine Stars gekauft

Keine Stars gekauft
TSG-Stadionsprecher und VfL-Fan: Mike Diehl.

Er ist Leiter der Fanbetreuung bei der TSG 1899 Hoffenheim, er ist Charity-Leiter und Stadionsprecher - und er war in den 1970er Jahren glühender Borussen-Fan. Und da Mike Diehl auch heute noch VfL-Sympathisant ist, haben wir aus aktuellem Anlass mit ihm gesprochen.

Mike, erkläre uns bitte vorab deine Verbindung zu Borussia?

Mike Diehl: Ich komme aus dem Odenwald in Hessen und bin 1963er Baujahr. Bei uns konntest du im Ort nur Fan von Darmstadt 98, Bayern oder Borussia werden. In meiner Schulklasse waren viele Bayernfans, und da ich den schnellen Fußball immer schon geliebt habe, bin ich Borussenfan geworden. Ich war immer sehr stolz darauf und freue mich auch heute noch sehr über VfL-Siege – nur nicht gegen Hoffenheim.

Wenn du so offen mit deiner Sympathie für Borussia umgehst, erntest du in euren Fankreisen nicht die entsprechenden Sprüche?

Mike Diehl: Doch, natürlich, die kriege ich. Leider ist es auch so, dass einige wenige der sehr vielen VfL-Fans, die immer zu den Auswärtsspielen hier bei uns im Kraichgau sind, sich schlecht benommen haben in der Vergangenheit. Da wundern sich viele Leute über mich, dass ich den VfL mag. Leider schaffen es wenige Menschen, den Ruf eines ganzen Clubs mit einer unglaublichen Tradition zu schädigen. Ich selbst habe mich dabei ertappt, mich dafür zu schämen!

Wie steht es um die Fankultur der TSG 1899?

Mike Diehl: Ich habe im Jahr 2000 hier angefangen, damals standen in der Oberliga 50 Mann hinter dem Tor. Logischerweise sind wir auch heute noch nicht soweit, mit tausenden Fans zu den Auswärtsspielen zu fahren, so wie es beim VfL der Fall ist. Unsere Fans kommen aus der direkten Umgebung von Hoffenheim, aber es entwickelt sich, das hat man in den letzten Jahren schon deutlich gespürt.

Trotzdem hat 1899 nicht zuletzt wegen der finanziellen Möglichkeiten nicht das beste Image bei den gegnerischen Fans.

Mike Diehl: Klar, aber du solltest nicht vergessen, dass wir immer in unbekannte und unerfahrene Leute investiert haben, die sich bei uns zu gestandenen Profis entwickeln sollen. Wir haben das Geld noch nie benutzt, um Stars einzukaufen, das wird auch nicht passieren.

Wie passt euer neuer Trainer Holger Stanislawski zur TSG?

Mike Diehl: Ich glaube, das Bild von Hoffenheim ist in der Öffentlichkeit etwas verzeichnet. „Stani“ kommt zwar aus einer Weltstadt von einem Kultclub, aber er fühlt sich sehr, sehr wohl bei uns, genießt die Landschaft und kann in Ruhe arbeiten ohne den großen Druck der Medien. Auch er ist vielleicht anders, als man denken mag – das passt.

Nach unserem gemeinsamen Bundesligaaufstieg hat 1899 ein furioses Halbjahr hingelegt, damals wurde der Fußball der TSG mit dem der legendären Fohlen verglichen. Das müsste dir gefallen haben?

Mike Diehl: Das war schon paradox für mich, die Borussen in der Zweiten Liga erstmalig zu treffen. Was die Vergleiche mit den Fohlen aus den 1970ern mit unserem Team angeht, das hat mir natürlich sehr gut getan, das war `ne schöne Sache.

Was glaubst du ist für beide Teams in dieser Saison möglich?

Mike Diehl: Wir haben die jüngste Mannschaft der Bundesliga, die noch viel lernen und Konstanz rein bringen muss. Wir sollten nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen, das wäre prima, ein einstelliger Platz so von sieben bis neun wäre ein Traum. Und Borussia? Nach den zehn Punkten in der letzten Winterpause habe ich das Schlimmste befürchtet, jetzt läuft es umso besser. Dennoch denke ich, das Umfeld und die Fans sollten den Ball flach halten, die Ruhe bewahren und keinen unnötigen Druck aufbauen – so wie es der Verein vorlebt. Vielleicht kann man dann schon bald etwas nach oben blicken, wobei der VfL sicher nicht in Gefahr gerät in dieser Saison.

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