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NEWS: 24.11.2011

„Völlig offener Ausgang“

„Völlig offener Ausgang“
Thomas Broich hat das Derby auf beiden Seiten erlebt. Beim 2:0-Sieg gegen Köln am 18. Februar 2006 bereitete er beide Treffer vor.

Insgesamt zweieinhalb Jahre schnürte Thomas Broich seine Schuhe für Borussia, in der Folge sogar drei Spielzeiten für den 1. FC Köln. Vor dem Derby der beiden Teams am morgigen Freitag (Anstoß: 20.30 Uhr) sprachen wir mit dem filigranen Mittelfeldmann, der mittlerweile in Australien seinem Beruf nachgeht, über die Partie.

Hallo Thomas, am Freitag steht mal wieder das Derby zwischen Borussia und dem 1. FC Köln an. Du hast das Aufeinandertreffen der Vereine auf beiden Seiten erlebt. Was sind die Unterschiede?

Thomas Broich: Beide Seiten nehmen sich nicht wirklich viel. Die letzten Jahre waren für den FC wie für die Borussia ein ewiges Auf und Ab. Alles im und um die Vereine dürstet nach besseren Zeiten.

Was erwartest du vom morgigen Derby?

Thomas Broich: Ich denke, wie in der Vergangenheit auch, es wird ein hitziges, emotional aufgeladenes Spiel mit völlig offenem Ausgang.

Was fällt dir ein, wenn du an deine Zeit in Köln zurück denkst?

Thomas Broich: Turbulenzen noch und nöcher. In Köln vergehen keine zwei ruhigen Wochen am Stück. Köln ist eine hoch emotionale Stadt, im Guten wie im Schlechten. Das Prädikat Karnevalsverein verdient sich der Club wirklich redlich. Auch wenn es sportlich viele Tiefen und leider nur wenige Höhen gab, privat habe ich an das Leben in der Domstadt die besten Erinnerungen.

Was traust du dem 1. FC Köln in dieser Saison zu?

Thomas Broich: Dummerweise sind meine Bundesliga-Internetquellen versiegt. Das hat den Vorteil, dass ich nächtens mehr schlafe, andererseits habe ich seit Monaten kein Bundesligaspiel mehr über 90 Minuten verfolgen können. Deshalb muss ich bei dieser Frage leider passen.

Köln-Trainer Stale Solbakken versucht seine Spielphilosophie dem Verein und dem Kölner Publikum näher zu bringen. Wie findest du seinen Stil, grundsätzlich müsste ein solcher Trainer dir doch eher gefallen, oder?

Thomas Broich: Im Grunde gilt hier genau das Gleiche wie oben. Zwar habe ich viel Gutes über ihn gehört, was Führungsstil und Spielauffassung betrifft, aber ich kann es eben nicht aus erster Hand beurteilen. Einer unserer Jungs hier in Brisbane hat jahrelang in Norwegen gespielt, der jedenfalls singt das Hohelied auf Solbakken.

Hast du noch Kontakt nach Köln oder Mönchengladbach?

Thomas Broich: Kaum mehr, in diesem Geschäft verliert man sich generell schnell aus den Augen. Und dass ich jetzt am anderen Ende der Welt lebe, macht es nicht einfacher. Allerdings waren zur Filmpremiere ein paar alte Bekannte anwesend, wie zum Beispiel Horst Köppel, Mattes Scherz und Steffen Korell. Das hat mich sehr gefreut.

Du sprichst es an, seit 2010 spielst du nun in Australien und das sehr erfolgreich. Wie unterscheidet sich die australische Liga von der deutschen?

Thomas Broich: Fußballerisch geht es deutlich rustikaler zu. Technik und Tempo bewegen sich auf mittlerem Zweitliganiveau. Und der Fußball genießt natürlich bei weitem nicht den Stellenwert wie in Deutschland.

Die Filmpremiere hast du ebenfalls auch schon erwähnt, in diesem Jahr kam die Dokumentation "Tom meets Zizou - kein Sommermärchen", ein Film über dich und deine Karriere in die Kinos. Wie war es für dich, über acht Jahre hinweg immer wieder von einer Kamera begleitet zu werden?

Thomas Broich: Es war nicht immer ganz einfach, derart offen Rede und Antwort zu stehen. Aljoscha (Aljoscha Pause, Autor des Films, Anm. d. Red.) war ja bekanntlich mehr als einmal gezwungen, den Finger in offene Wunden zu legen. Andererseits war es eben auch eine einmalige Gelegenheit, sich in einem derartigen Vertrauensverhältnis und jenseits jeglicher Tagesaktualität über das Fußballgeschäft im Allgemeinen und so wie ich es erlebt habe, zu äußern.

Wie gefällt dir der Film?

Thomas Broich: Mit dem Endprodukt bin ich sehr zufrieden. Ich denke, dass meine fußballerische und menschliche Reise in schönen Bildern erzählt wird und ein nicht alltäglicher Blick hinter die Kulissen gewährt wird. Irgendwie ist es auch ganz witzig, dass die Veröffentlichung des Films auf DVD jetzt ausgerechnet mit dem Derby der beiden Vereine, die mein Leben maßgeblich geprägt haben, zusammenfällt.

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