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NEWS: 05.12.2011

„Bisher das Großartigste“

„Bisher das Großartigste“

Standpunkt: Präsidiumsmitglied Hans Meyer über das Spiel gegen Dortmund, komplizierte psychologische Situationen, die Entwicklung der Mannschaft und die nächste Aufgabe in Augsburg.

Günter Netzer hat in einem Interview in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor dem Spiel gegen Dortmund gesagt, er sei gespannt darauf, ob die Gladbacher so mutig sein werden, der starken Dortmunder Mannschaft Paroli zu bieten. Das interessiere ihn mehr als das Ergebnis. Siehst du es ähnlich? Hat das Spiel einen Hinwies darauf gegeben, was die Mannschaft sich wirklich zutraut?

Hans Meyer: Günter Netzer ist ein Fachmann und ich finde es sehr interessant, was er da gesagt hat. Ich warte im Grunde auch darauf, dass die Jungs einmal mit einer Situation nicht fertig werden. Man konnte damit nach dem 5:0 gegen Bremen rechnen, nach diesem begeisternden Fußball, nach dem es eine Woche lang berechtigte Jubelarien gab. Wenn man dann nach Köln fährt, wo Borussia obendrein immer gut ausgesehen hat, macht man sich als Trainer schon Gedanken, wie die Mannschaft damit klar kommt. Und sie ist in beeindruckender Weise klar gekommen, das 3:0 in Köln war ja fast noch eindrucksvoller als das 5:0 gegen Bremen.

Und vor dem Dortmund-Spiel war die Situation ähnlich?

Hans Meyer: Ja, das war wieder eine richtige Prüfung, denn Dortmund ist seit Wochen wieder richtig gut dabei. In der ersten Halbzeit hat man gesehen, dass sie individuell und auch als Team etwas weiter sind als wir, sie haben verdient 1:0 geführt. Wie unsere Mannschaft dann aber aus der Halbzeit gekommen ist, das Spiel aufgenommen hat und sich völlig verdient das Unentschieden erspielt hat, das war für mich bisher das Großartigste, was die Jungs gezeigt haben. Wie sie als Mannschaft gezeigt haben, wie weit sie sind, wie sie dagegen gehalten haben, wie sie aufgemacht haben, ohne hinten zu viel zuzulassen, das hat mich total überzeugt.

Was auch dazu geführt hat, dass Experten wie Uli Hoeneß, Jogi Löw und Günter Netzer in ihrer Einschätzung sagen, dass Borussias Ergebnisse kein Zufallsprodukt seien und der Mannschaft Platz 5 oder 6 zuzutrauen sei …

Hans Meyer: Ich halte das nicht unbedingt für unrealistisch, wir sollten davon aber nicht so viel reden. Wenn Konkurrenten einen loben, darf man das getrost auch als Taktik sehen. Fakt ist, dass die Mannschaft nun schon zwei, drei Mal komplizierte psychologische Situationen gelöst hat und dass sie die 30 Punkte nicht unverdient gesammelt hat. Vor der Saison hätten wir alle eine solche Platzierung als sensationell angesehen, und wir tun gut daran, weiter von Spiel zu Spiel zu schauen, so wie es Lucien Favre richtiger Weise macht.

Spricht es für die Entwicklung der Mannschaft, dass in einem Moment, in dem alle den Ausfall von Marco Reus beklagen, auf einmal andere einspringen? So wie Mike Hanke mit seinen Toren in Köln und gegen Dortmund?

Hans Meyer: Erstaunlich finde ich, dass Mike Hanke mit seinen 28 Jahren auf einmal eine Rolle spielt, die ihm vorher offenbar kein Trainer zugetraut hat. Die er sich selber aber wohl auch nicht zugetraut hat. Lucien Favre hat erkannt, wie der Junge für die Mannschaft wertvoll sein kann. Ähnlich wie vielleicht bei Bastian Schweinsteiger, den van Gaal in München aus dem offensiven Mittelfeld auf die 6 zurückgezogen hat. Dort hatte er das Spiel auf einmal vor sich und konnte seine Qualitäten viel besser ausspielen. Erfolgserlebnisse und Selbstvertrauen können viel ausmachen, das sieht man momentan bei fast allen Spielern bei uns.

Nun steht das Auswärtsspiel in Augsburg an. Beim Tabellenletzten. Eine neue Herausforderung?

Hans Meyer: Ja, ein neuer psychologischer Test. Nach den komplizierten Spielen gegen Köln und Dortmund das nächste komplizierte Ding. Bremen hat sich dort beim 1:1 schwer getan, die Bayern auch bei ihrem 2:1, und letzte Woche hat Wolfsburg dort 0:2 verloren. Man muss sich immer aufs Neue vorbereiten und konzentrieren. Aber Lucien Favre ist ein erfahrener Mann, er weiß, was er der Mannschaft sagen muss und wie er bei ihr ankommt.

Seine Arbeit wird schon mit der von Hennes Weisweiler verglichen …

Hans Meyer: Seine Arbeit und die Spiele der Mannschaft haben einen positiven Sog erzeugt, von dem alle mitgerissen werden. Aber Vergleiche mit Spielen, Mannschaften oder Trainern von vor 30 oder 40 Jahren – die sollten wir weglassen.

In Augsburg trifft Borussia auf ihren Ex-Trainer Jos Luhukay. Ist so etwas eigentlich von Einfluss für die Motivation?

Hans Meyer: Jos Luhukay hatte hier eine tolle Zeit mit dem Aufstieg in die Bundesliga und ich weiß aus eigener Erfahrung, was das in Mönchengladbach bedeutet. Aber er wird seinen Spielern doch nichts anderes erzählen, nur weil er mal Trainer in Gladbach war. Er wird versuchen, mit seiner Mannschaft das Spiel zu gewinnen. So wie wir auch.

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