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NEWS: 21.12.2011

Den Pokal gestreichelt

Den Pokal gestreichelt
Pokalsieger 2002, Pokal-Finalist 2005: Mike Hanke.

Mike Hanke weiß als einziger Spieler im Kader, wie es sich anfühlt, den DFB-Pokal zu gewinnen. Der Angreifer holte den „Pott“ als 18-Jähriger – im Trikot von Borussias heutigem Gegner FC Schalke 04.

Mike, deine Eltern kommen aus Hamm, dein Vater Gerd war langjähriger Schichtführer auf der Zeche „Heinrich Robert“ und ist Schalke-Fan – Hand aufs Herz, zu wem hält er, wenn das Spiel Borussia gegen Schalke angepfiffen wird?

Mike Hanke: Klar, er ist von Haus aus Schalker, früher war er da aber extremer. Dadurch, dass ich aber Profi geworden bin, stand er immer zu mir und hat für den Verein gefiebert, für den ich gespielt habe. Er sitzt auch beim Pokalspiel auf der Tribüne – und ich bin mir sicher, dass er jubeln wird, sollte Borussia gewinnen.

Du hast es vor einem zurück liegenden Spiel gegen Schalke schon einmal gesagt: Mittlerweile ist es für dich nicht mehr dieses viel zitierte „besondere Spiel“ gegen deinen Ex-Club, zu oft, sagtest du, hast du mittlerweile schon wieder gegen Schalke gespielt. Deiner Zeit auf Schalke verdankst du aber deinen bislang ersten Titel: den DFB-Pokal.

Mike Hanke: Ja, das war 2002, ich stand aber nicht im Kader, sondern habe mit den anderen Spielern, die nicht im Aufgebot waren, von der Tribüne aus mitgefiebert. 4:2 hat Schalke gegen Bayer Leverkusen gewonnen, die hatten damals eine Super-Mannschaft, mit Michael Ballack, Lucio, Zé Roberto oder Olli Neuville.

Und du nur auf der Tribüne. Warst du sauer?

Mike Hanke: Ach was, ich war da gerade erst 18 Jahre alt. Ich hätte also noch in der A-Jugend spielen können, habe aber ein halbes Jahr zuvor in der Bundesliga debütiert und auch meinen ersten Profivertrag unterschrieben. Für mich war es einfach nur sensationell, überhaupt dabei sein zu dürfen und mit solchen Stars täglich zu trainieren. Ich saß zwar „nur“ auf der Tribüne – aber ich war dabei. Auch das ganze Drumherum, wie zum Beispiel das Bankett am Abend nach dem Spiel, war eine interessante Erfahrung und ganz lustig.

Und du hast, wie in diesem Jahr nach dem Klassenerhalt, „Vader Abraham“ angestimmt?

Mike Hanke: Nein, für so etwas war es noch zu früh für mich… (lacht). Ich war da noch ein kleiner Bub und habe nicht viel gesagt. Ich saß da, hab ein wenig was gegessen – das war es dann auch.

Hast du den Pokal denn auch in die Luft gereckt?

Mike Hanke: Ich habe ihn nur mal kurz gestreichelt.

Was ist deine erste Erinnerung, wenn du an jenen 11. Mai 2002 denkst?

Mike Hanke: Dass vor und nach dem Finale fünf- oder zehntausend Fans vor unserem Mannschaftshotel standen, es war einfach unfassbar. Ganz Berlin war blau und weiß und voll mit Schalkern. Überwältigend. Aber ich bin mir sicher: Sollten wir es mit Borussia einmal ins Finale nach Berlin schaffen, dann wird alles schwarz-weiß-grün sein.

Du bist gewissermaßen ein „Pokal-Experte“, denn 2005, also nur drei Jahre später, standest du wieder im Endspiel, wieder mit Schalke. Gegner diesmal: der FC Bayern München.

Mike Hanke: Wir waren gegen die Bayern eigentlich nur Außenseiter. Einen Funken Hoffnung gab es aber immer – es war ja ein Finale! Aber letztlich haben wir nicht den nötigen Druck aufbauen können, Bayern hat am Ende verdient 2:1 gewonnen.

Immerhin standest du dieses Mal mit auf dem Rasen, in der 71. Minute wurdest du für Ailton eingewechselt.

Mike Hanke: Ja, Christofer Heimeroth und ich saßen auf der Bank. Ich hätte schon gerne von Beginn an gespielt, das war die Zeit, in der wir mit Schalke im UEFA-Cup gespielt haben. Ich hatte in der Saison einige sehr gute Spiele und auf mich aufmerksam gemacht. Ich habe auch in der U21-Nationalmannschaft gespielt und mich weiterentwickelt. Ebbe Sand und Ailton standen in der Startelf. Ailton war im Jahr davor bei Werder Bremen Torschützenkönig und ist im Sommer zu uns gewechselt. Auf Schalke ist ihm zwar nicht ganz so viel gelungen wie bei Werder, trotzdem war er ziemlich oft gesetzt.

Nach den Siegen gegen Regensburg und Heidenheim steht nun ein Heimspiel gegen einen Erstligisten an. Spielst du lieber auswärts bei einem unterklassigen Gegner oder daheim in einem Topspiel?

Mike Hanke: Ich spiele lieber gegen Schalke als in Heidenheim. Es ist ein Livespiel, das Stadion ist voll, sowas macht mehr Spaß. Partien wie das in Heidenheim sind immer ganz anders als in der Bundesliga. Vielleicht kann man sich das als Außenstehender nicht vorstellen, aber es ist immer unangenehm, gegen unterklassige Mannschaften zu spielen.

Dennoch – mit einem Sieg gegen den Revierclub könntet ihr ein nahezu perfektes Fußball-Kalenderjahr krönen, oder?

Mike Hanke: Absolut. Wenn man sich dieses Jahr 2011 anschaut, ist es schon sensationell, was wir alle zusammen miteinander geleistet haben. Ich habe es ja schon oft genug erwähnt: Das letzte Jahr hat uns alle zusammen geschweißt, die Mannschaft, die Fans, die Mitarbeiter – den ganzen Verein.

Was ist dein persönliches Fazit, deine Überschrift über dein erstes Jahr bei Borussia?

Mike Hanke (überlegt lange): Im Paket ist Borussia der beste Verein für mich persönlich, für den ich bisher gespielt habe.

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