Jetzt am Montag feiert Ex-Borusse Lorenz-Günter Köstner seinen 60. Geburtstag. Vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart, bei dem er erfolgreich als Co-Trainer tätig war, haben wir uns mit ihm unterhalten.
Herr Köstner, als Spieler haben Sie von 1973 bis 1975 ihre größten Erfolge bei Borussia erlebt. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?
Lorenz-Günther Köstner: Nur positive! Wenn man als junger Spieler ein Angebot von Borussia bekommt, mit ihrem damaligen, legendären Trainer Hennes Weisweiler, ein Probetraining zu machen, dann ist das etwas ganz Tolles. Er hatte schon damals ein großes Netz von Leuten, die in ganz Deutschland nach talentierten Spielern Ausschau gehalten haben. Und er hatte die Information erhalten, dass es im Frankenwald einen interessanten jungen Fußballer gibt. Ich weiß noch genau wie ich mit zitternden Knien nach Mönchengladbach gefahren bin, um zu trainieren. Nach dem Training ist Manager Helmut Grashoff zu mir gekommen und hat mich in sein Büro gebeten, wo er mir gemeinsam mit dem Trainer einen Vertrag angeboten hat. Ich war überglücklich und so hat sich das eigentlich über die gesamten zwei Jahre durchgezogen. In einer Mannschaft mit super Leuten wie Heynckes, Bonhof, Vogts, Köppel, der leider vor kurzem verstorbene Bernd Sieloff, Rupp, Stielike, Danner, Kulik und Kleff, dass waren alles klasse Fußballer! Als junger Kerl in diesen Kreis dazuzukommen, das war etwas ganz Besonderes und hat mich sehr geprägt. Bis heute habe ich Freunde in Mönchengladbach.
Momentan spielt der VfL auch mal wieder oben mit, wie sehen Sie den aktuellen Höhenflug?
Lorenz-Günther Köstner: Was da im letzten Jahr abgelaufen ist, nachdem die Mannschaft ja von vielen schon abgeschrieben worden ist, ist fantastisch. Aber die Gladbacher haben den Schritt gemacht und Lucien Favre verpflichtet, was sich als absoluter Glücksgriff entpuppt hat. Wenn ich sehe wie es jetzt bei diesem Traditionsverein läuft und welche Euphorie unter den vielen Fans herrscht, ist das eine wahre Freude. Ich wünsche dem Verein von ganzen Herzen, dass er es schafft so lange wie möglich oben dabei zu bleiben. Ich hoffe, dass es gelingt sich weiter zu stabilisieren und vielleicht auf Dauer in der Spitzengruppe der Bundesliga zu etablieren.
1992 wurden Sie als Co-Trainer mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister. Wie ordnen Sie diesen Erfolg in ihrer langen Karriere ein?
Lorenz-Günther Köstner: Die Meisterschaft mit Stuttgart ist ein weiteres Schlüsselerlebnis in meiner Karriere, in seiner Bedeutung vergleichbar mit meiner Zeit in Mönchengladbach. Der VfB war davor 1984 zum letzten Mal Deutscher Meister geworden. Zwar hatte er in dieser Zeit auch beachtliche Erfolge gefeiert, wie die Endspiele im DFB-Pokal 1986 gegen die Bayern und im UEFA-Cup 1989 gegen den SSC Neapel, aber den Titel zu holen war natürlich etwas ganz Besonderes. Uns hat damals vor allem die harte Arbeit ausgezeichnet. Mannschaften wie Dortmund und Frankfurt waren uns spielerisch einen Schritt voraus, aber wir haben, ähnlich wie Borussia heute, mit sehr viel Einsatz diese Defizite ausgeglichen. Natürlich war ich kein Cheftrainer, aber emotional war dieser Erfolg besonders, vor allem auch wegen des dramatischen Saisonfinals. In meiner Trainerlaufbahn waren aber die mit Unterbrechung sieben Jahre in Unterhaching mit den Aufstiegen von der Regional- bis in die Bundesliga die prägendsten.
Nach gutem Saisonstart droht der VfB nun ins Mittelfeld abzurutschen. Wie beurteilen Sie die Situation beim VfB?
Lorenz-Günther Köstner: Dort hat es ja in den letzten Jahren viele personelle Veränderungen gegeben. Trotzdem hat man es geschafft, eine deutlich stabilere Hinrunde zu spielen als in den Saisons zuvor. Seit der sensationellen Meisterschaft 2007 hat der VfB viele Ausreißer nach unten gehabt, aber dies zumeist in der Rückrunde noch ins Positive drehen können. Nun sind sie dabei mit ihrem neuen Manager Fredi Bobic und Trainer Bruno Labbadia etwas aufzubauen, was auch langfristig Erfolg bringen soll. Dass dies keine leichte Aufgabe, speziell auch in Stuttgart, ist, ist klar. Ich habe aber großes Vertrauen in die Fähigkeiten von Fredi und Bruno.
Werden Sie die Partie morgen verfolgen können?
Lorenz-Günther Köstner: Derzeit bin ich zwar noch mit meiner aktuellen Mannschaft, der U23 des VfL Wolfsburg, im Trainingslager in der Türkei. Allerdings reisen wir so zurück, dass es mir möglich sein wird, das Spiel mit meiner Frau live im Stadion zu verfolgen. Mit Fredi Bobic und seiner Frau verbindet uns seit unserer gemeinsamen Zeit bei den Stuttgarter Kickers eine echte Freundschaft und er hat uns zu dem Spiel eingeladen.
Zuletzt geriet der VfL in Stuttgart böse unter die Räder und auch im Heimspiel setzte es eine ganz bittere 2:3-Niederlage, trotz 2:0-Führung. Spielen solche Ereignisse beim Spiel am Sonntag noch eine Rolle?
Lorenz-Günther Köstner: Die letzten Ergebnisse haben gezeigt, Borussia ist unter Favre wesentlich stabiler geworden und bekommt nur noch ganz wenige Gegentore. Das liegt daran, dass die ganze Mannschaft als Einheit gegen den Ball arbeitet und sehr schnell in die Offensive umschaltet. Dazu kommt das das Selbstvertrauen der Spieler zuletzt enorm gestiegen ist und sie sich wirklich nicht so viele Gedanken machen muss. Wenn es den Fohlen am Sonntag gelingt an die zuletzt gezeigten Leistungen anzuknüpfen, haben sie gute Chancen diese Negativserie abzuschütteln.
Am Montag feiern Sie ihren 60. Geburtstag, wie werden Sie diesen Ehrentag begehen?
Lorenz-Günther Köstner: Ich glaube meine Frau hat zuhause in der Nähe von Stuttgart etwas vorbereitet. Da nach einem Trainingslager traditionell zunächst etwas frei ist, beginnt das Training in Wolfsburg erst wieder am Dienstag. Dass ist aber nicht etwa so gelegt, sondern passt ganz zufällig! (lacht) Es wird wohl nur eine kleine Feier, aber wenn ich in der Sommerpause wieder daheim bin, wird das Ganze in größerem Rahmen nachgeholt.
Seit 1973 sind Sie quasi ohne Unterbrechung im Leistungsfußball tätig. Gibt es eine Anekdote an die Sie sich besonders gerne erinnern?
Lorenz-Günther Köstner: Ich habe das Probetraining in Gladbach in der Woche vor dem legendären Pokalendspiel 1973 zwischen Borussia und dem 1. FC Köln absolviert. Hennes Weisweiler und Günter Netzer haben damals kaum ein Wort miteinander gesprochen. Ich bin zwar nochmal nach Hause gefahren, doch der Verein hat mich zum Finale nach Düsseldorf eingeladen. Ich habe also die berühmte Selbsteinwechselung von Netzer und seinen Siegtreffer in der Verlängerung live vor Ort erlebt. Anschließend war ich auch beim Siegerbankett dabei. Die Stimmung dort war so überwältigend, dass ich gleich dort, obwohl ich mir eigentlich noch Bedenkzeit erbeten hatte, meinen Vertrag unterzeichnet habe.













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Vom 18.05.2012
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