In unserer Montags-Rubrik "Standpunkt" äußert sich Sportdirektor Max Eberl zum zurückliegenden Spiel gegen Schalke, zur Tabellensituation und zu Trainer Lucien Favre.
Max, „Die Borussen greifen nach einem Titel“, „Die Fans träumen von einem Double“ - die Medien überschlagen sich in der Bewertung von Borussias jüngsten Leistungen. Wie geht ihr mit diesen Lobeshymnen nach dem 3:0 gegen Schalke um?
Max Eberl: Von solchen Gedanken machen wir uns komplett frei. Nach 21 Spieltagen daran zu denken, was eventuell am Saisonende sein könnte, würde die Mannschaft auch nur hemmen. Natürlich dürfen die Fans von Europa träumen, aber die Saison ist noch lang.
Für viele ist Gladbach von den Mannschaften, die oben stehen, das Team, bei dem man am ehesten damit rechnet, dass sie einbrechen…
Max Eberl: Momentan ist es so, dass wir immer auf den Punkt konzentriert sind. Wir haben unsere Stärke in den ersten vier Spielen der Rückrunde bewiesen, in denen wir zehn Punkte geholt haben. Wir lassen von außen nichts an uns herantragen. Im Moment gehören wir zum Spitzenquartett der Liga, wir sind aber noch keine Spitzenmannschaft. Dazu müssten wir über Jahre dort oben mitspielen. Aber solche Gedanken haben wir nicht. Wir freuen uns, dass wir so überzeugend gegen Schalke gewonnen haben, aber in Kaiserslautern wird es wieder ein ganz anderes Spiel. Auf dem Betzenberg haben wir uns in den vergangenen Jahren immer sehr schwer getan.
Das viel zitierte „Von Spiel zu Spiel“-Denken…
Max Eberl: Ja, und das ist keine Phrase, sondern unsere Philosophie, von der wir total überzeugt sind. Als wir im vergangenen Jahr schlecht da standen, hat man es auch als Phrasen abgedroschen, wenn wir als Verein von Kontinuität gesprochen haben. Aber wenn man sich die vergangenen Monate anschaut, dann sieht man, dass es keine leeren Phrasen waren, sondern dass von dem, was wir als Verein gesagt haben, auch fast alles so eingetreten ist. Die Bundesliga ist so ausgeglichen, dass man sich immer komplett auf die nächste Aufgabe fokussieren muss. Dass uns das gut gelingt, ist auch ein Grund für unseren Erfolg.
Die Mannschaft musste noch am vergangenen Mittwoch im DFB-Pokal über 120 Minuten gehen. Hattest du Angst, dass sie gegen Schalke deswegen Probleme bekommen könnte?
Max Eberl: Die Mannschaft hat in dieser Woche bewiesen, dass sie topfit ist. Wir haben eine junge Mannschaft, die hungrig auf Erfolge ist. Die Jungs sind heiß und würden am liebsten jeden Tag vor ausverkauftem Haus spielen.
Borussia hat mit dem direkten Duell Schalke überholt und ist jetzt Dritter, mit zehn Punkten Vorsprung auf Platz fünf und zwölf Punkten auf Platz sieben…
Max Eberl: Die Tabelle ist eine schöne Momentaufnahme und ist sicherlich auch ein Resultat unserer Leistungen. Allerdings sind es noch 13 Spiele bis zum Saisonende, da kann noch viel passieren. Wir haben zehn Punkte aus vier Spielen geholt, nach einer sehr unruhigen Winterpause mit vielen negativen Schlagzeilen. Diesen Lauf der ersten vier Spiele wollen wir fortsetzen.
Franz Beckenbauer hat in einem Interview gesagt, dass Lucien Favre möglicherweise ein Trainer für die Bayern sein könnte. Wie gehst du mit einer solchen Aussage um?
Max Eberl: Es ist ja nur logisch, dass man anders in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, wenn man so erfolgreich ist. Wir haben in der vergangenen Saison ein tiefes Tal durchlaufen, deshalb freut mich jedes Kompliment, das wir bekommen. Ich bin aber auch realistisch genug, um zu wissen, dass sich das in drei Wochen wieder ändern kann. Wir lassen uns davon aber nicht beeinflussen. Wir möchten hier etwas aufbauen und wir sind dabei auf einem sehr guten Weg. Wir stehen mit Lucien Favre in sehr engem Austausch und möchten die erfolgreiche Arbeit mit ihm fortsetzen. Ich mache mir keine Gedanken darüber, dass diese Äußerungen die Vertragsverhandlungen mit Lucien Favre beeinflussen.
Am morgigen Dienstag ist Lucien Favre auf den Tag genau ein Jahr im Amt. Die Bilanz dieser zwölf Monate dürfte extrem positiv ausfallen, oder?
Max Eberl: Natürlich. Es hat sich als gute und absolut richtige Entscheidung erwiesen, Lucien Favre zu verpflichten. Ich habe seine Arbeit bei früheren Vereinen lange beobachtet und stand schon in Kontakt mit ihm als ich noch für die Nachwuchsarbeit hier bei Borussia verantwortlich war. Ich war von Anfang an der Überzeugung, dass seine Art zu arbeiten ideal zu unserer Vereinsphilosophie passt. Wir haben uns vor einem Jahr bewusst für ihn entschieden und sind kritisiert worden, weil er nicht der klassische Feuerwehrmann war, den viele in der damaligen Situation erwartet hätten. Er hat unsere Entscheidung dann mit seiner Arbeit und seinen Erfolgen mehr als bestätigt.














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Vom 18.05.2012
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