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NEWS: 04.03.2011

„Größere Verantwortung, aber mehr Einfluss“

„Größere Verantwortung, aber mehr Einfluss“
Marc Pezzaiuoli trat Anfang Januar die Nachfolge von Ralf Rangnick als Trainer bei 1899 Hoffenheim an. Es ist die erste Bundesligastation des 42-Jährigen.

Am morgigen Samstag trifft Borussia auf Hoffenheim. 1899-Chefcoach Marco Pezzaiuoli trainiert eine der jüngsten Mannschaften der Bundesliga.

Herr Pezzaiuoli, Sie sind jetzt seit rund zwei Monaten als Bundesligatrainer tätig. Wie fühlt es sich an, auf der großen Fußballbühne zu stehen?

Marco Pezzaiuoli: Die Unterschiede sind gar nicht so groß, wie viele denken. Ich arbeite genauso akribisch wie als Co-Trainer. Man fällt als Chefcoach eben selbst die Entscheidungen, ist nicht mehr der Zuarbeiter. Aber es ist nichts Neues für mich, Verantwortung zu übernehmen und in der ersten Reihe zu stehen.

Als Sie im Sommer des vergangenen Jahres das Amt des Co-Trainers unter Ralf Rangnick antraten, haben Sie nicht vermutet, dass es so schnell geht, oder?

Marco Pezzaiuoli: Nein, natürlich nicht. Ich bin im Sommer mit dem Ziel nach Hoffenheim gekommen, neue Erfahrungen zu sammeln und meine Qualitäten in das Trainerteam einzubringen. Am Ende ging alles ganz schnell.

DFB-Sportdirektor Matthias Sammer sagte bei Ihrem Amtsantritt: „Marco ist ein absoluter Fachmann, der alles für den Job mitbringt.“ Freuen Sie sich über so ein Lob und was zeichnet Sie in Ihrer Arbeit als Trainer aus?

Marco Pezzaiuoli: Es ehrt mich von so einer Persönlichkeit, die in ihrem Leben viel erreicht hat, derartige Wertschätzung entgegengebracht zu bekommen. Ich versuche, im Detail zu arbeiten und so jeden einzelnen Spieler nach vorne zu bringen. Dabei hilft eine klare Struktur und klare Kommunikation.

Wie würden Sie ihre Spielphilosophie beschreiben?

Marco Pezzaiuoli: Ich lege sehr viel Wert auf ein variables Spiel. Wir wollen kompakt stehen, stark gegen den Ball arbeiten, vorwärts verteidigen und bei eigenem wie gegnerischem Ballbesitz als Einheit funktionieren. Mit attraktivem Spiel Überzahl schaffen und über schnelles Flachspiel zum Torerfolg kommen, aber gleichzeitig auch auf stabilen Ballbesitz achten, das Spiel kontrollieren.

Sie haben in Karlsruhe und beim DFB jahrelang im Jugendbereich gearbeitet. Was hat Sie daran so besonders gereizt?

Marco Pezzaiuoli: Man muss zwischen Verein und Verband differenzieren. Beim KSC habe ich täglich mit der Mannschaft gearbeitet, beim DFB nur alle paar Monate. Außerdem war die Leistungsdichte beim DFB viel höher. Dort hat man ausschließlich mit Toptalenten zu tun, beim KSC war das Gefälle weitaus größer. Die eigentliche Arbeit, also das Training, ist im Jugendbereich nicht viel anders als bei den Profis.

Die deutsche U17-Nationalmannschaft haben Sie 2009 zum EM-Titel geführt, damals waren in Marc-André ter Stegen und Yunus Malli zwei Borussen dabei. Verfolgen Sie den Weg der beiden und was trauen Sie ihnen zu?

Marco Pezzaiuoli: Marc ist eine richtige Persönlichkeit und eines der weltweit größten Torwarttalente. Ich bin mir sicher, dass er seinen Weg machen wird. Außerdem hoffe ich, dass er sich von seiner Verletzung gut erholt und wünsche ihm von hier aus gute Besserung. Yunus Malli besitzt eine hohe Spielintelligenz und bringt das nötige Talent mit. Er muss sich im Spiel gegen den Ball noch verbessern, hat aber ebenfalls durchaus das Potenzial, es ganz nach oben zu bringen. Auch Elias Kachunga, Alexander Bieler und Christopher Mandiangu sind Talente aus Gladbach, mit denen ich bereits zusammengearbeitet habe. Das sind alles vielversprechende Fußballer.

Von 2003 bis 2006 waren Sie als Co-Trainer unter dem früheren Bundesliga-Profi Bum-Kun Cha bei den Suwon Samsung Bluewings in Südkorea tätig. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?

Marco Pezzaiuoli: Das war eine sehr erfolgreiche Zeit, weil wir viele Titel errungen haben. Ich habe in der Zeit viele neue Freunde gewonnen und bezüglich der Lebensart und der Umgangsformen beim Sport viel Neues erfahren. Das Streben nach Erfolg, die Zielstrebigkeit der Menschen dort ist noch viel ausgeprägter als hier.

Kommen wir zurück zu ihrem aktuellen Job. In Hoffenheim spielen sehr viele Spieler, die erst um die 20 Jahre alt sind. Welche Besonderheiten gibt es im Umgang mit so einer jungen Mannschaft?

Marco Pezzaiuoli: Man hat eine größere Verantwortung, kann aber auch mehr Einfluss ausüben. Das Umfeld ist wichtig bei jungen Spielern. Wir haben den jüngsten Kader der Bundesliga. Da sind sowohl die sportliche Abteilung als auch der restliche Club gefordert.

Wie bewerten Sie den bisherigen Saisonverlauf Hoffenheims, speziell die Rückrunde, seitdem Sie das Ruder übernommen haben?

Marco Pezzaiuoli: Angesichts der Begleitumstände würde ich von einem soliden Start sprechen. Wir sind in der Liga noch vorne dabei, haben bis auf die Partie in München überzeugt. Leider sind wir im Pokal ausgeschieden und haben einige Punkte liegen gelassen, die wir nach dem Spielverlauf hätten holen müssen. Im Vergleich zu vergangenen Saison haben wir uns aber in etlichen Bereichen verbessern können.

Wie schwer wiegen die Abgänge in der Winterpause von Luiz Gustavo und Demba Ba?

Marco Pezzaiuoli: Mit Luiz Gustavo, Demba Ba und auch Christian Eichner haben wir Spieler abgegeben, die menschlich wie sportlich Persönlichkeiten waren. Die Neuen müssen erst in ihre Rolle im Team hineinwachsen, was sicherlich noch etwas Zeit in Anspruch nehmen wird. Es ist aber auch eine Chance für die anderen Spieler. Die Hierarchien werden neu verteilt.

In Ryan Babel haben Sie im Gegenzug einen auch von einigen Vereinen begehrten Spieler ins Kraichgau holen können. Wie haben Sie ihm einen Wechsel schmackhaft gemacht?

Marco Pezzaiuoli: Ryan wollte sich sportlich weiter entwickeln und natürlich auf mehr Einsatzzeiten als in Liverpool kommen. Beides können wir ihm hier ermöglichen. Außerdem identifiziert er sich mit unserer Philosophie und der jungen Mannschaft. In persönlichen Gesprächen konnte ich ihn glücklicherweise überzeugen.

Schielen Sie noch auf die Europa League-Plätze oder ist ein Platz im oberen Mittelfeld eine Platzierung, mit der Ihr Club am Ende gut leben kann?

Marco Pezzaiuoli: Über die internationalen Plätze brauchen wir aktuell nicht zu sprechen. Wir spielen gerade mal drei Jahre Bundesliga. Zunächst müssen wir das Fundament schaffen, das ist der Klassenerhalt. Darauf kann man dann aufbauen, eine neue Zielsetzung ausgeben. Sollten wir dann am Ende einen Europa League-Platz erreichen, würden wir den natürlich nicht ablehnen.

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