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NEWS: 27.04.2012

„Europapokal ist eine neue Dimension“

„Europapokal ist eine neue Dimension“
Geschäftsführer Stephan Schippers

Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers über die wirtschaftliche Situation des Clubs, die Transferpolitik für den Sommer 2012, die Bedeutung des neuen Fernsehvertrags für Borussia und die bevorstehende Europapokal-Teilnahme.

Mit dem Heimspiel gegen Augsburg und dem Auswärtsspiel in Mainz am kommenden Samstag geht für Borussia eine außergewöhnlich gute Saison zu Ende. Schlägt sich das auch in Borussias Finanzen nieder?

Stephan Schippers: Ich verstehe ja, dass man, wenn man mit mir über diese Saison spricht, zuerst nach dem Geld fragt. Aber bei mir kommt an erster Stelle die Freude über das grandiose sportliche Abschneiden in dieser Spielzeit. Das Team um Sportdirektor Max Eberl, unser Cheftrainer Lucien Favre mit seiner Crew und unsere Spieler haben einen fantastischen Job gemacht und etwas erreicht, womit wir alle vor dem Saisonstart nicht gerechnet hätten. Borussia Mönchengladbach wird in der kommenden Spielzeit im Europapokal spielen, zum ersten Mal seit 16 Jahren. Und das macht uns sehr, sehr stolz.

Und das Herz des Kaufmanns lacht dabei auch, oder?

Stephan Schippers: Wir sind ein Fußballclub und wir spielen Fußball, um so erfolgreich wie möglich zu sein, nicht primär um Geld zu verdienen. Das Geld, das wir verdienen, stecken wir zu hundert Prozent in den Verein und damit in die Mannschaft, damit wir die Wahrscheinlichkeit, Erfolg zu haben, wieder ein Stückchen erhöhen. Nur darum geht es. Wenn man unbedingt will, dann lacht mein Herz, wenn wir viel Geld verdienen, ja. Aber es lacht, weil ich weiß, dass unsere Möglichkeiten, uns sportlich zu stabilisieren, damit besser werden.

Am kommenden Dienstag, dem 1. Mai, hat Borussia Jahreshauptversammlung. Dann wird den Mitgliedern auch die Bilanz des Geschäftsjahrs 2011 präsentiert. Können Sie da schon vorgreifen?

Stephan Schippers: Das könnte ich, aber ich möchte es nicht, denn es steht den Mitgliedern zu, dies als erste zu erfahren. Aber ohne zu viel vorweg zu nehmen, kann man natürlich sagen, dass das Jahr 2011 auch wirtschaftlich schwieriger war als es das Jahr 2012 werden wird. Denn es ist doch ganz klar, dass das sportliche Abschneiden den wirtschaftlichen Erfolg beeinflusst. Wenn es gut läuft, kommen mehr Zuschauer, man verkauft mehr Fanartikel und hat höhere TV-Einnahmen.

Bekannt ist, dass Borussia im Sommer durch die Abgänge von Marco Reus und Dante Transfereinnahmen in einer Größenordnung erzielen wird, die es vorher hier noch nie gab …

Stephan Schippers: „Erzielen“ hört sich so an, als hätten wir uns darum bemüht, Spieler abzugeben. So ist es ja nicht. Dass sich Marco Reus und Dante entschieden haben, den Schritt zu Borussia Dortmund bzw. Bayern München zu gehen, kann uns nicht gefallen, aber wir müssen es akzeptieren. Und wir haben nun die Aufgabe, das Geld, das wir für sie bekommen, sinnvoll einzusetzen.

Es ist von 22 Millionen Euro die Rede, die Borussia für diese Spieler bekommt. Kann das Geld komplett in die Mannschaft investiert werden?

Stephan Schippers: Ja. Aber wenn wir beispielsweise über diese 22 Millionen Euro an Ablöse sprechen, heißt das nicht, dass wir für 22 Millionen Euro Spieler kaufen können. So einfach ist es nicht, auch wenn das hier und da in den Medien so vereinfacht dargestellt wird.

Können Sie das genauer erklären?

Stephan Schippers: Gerne. Zum einen ist Mönchengladbach nicht Monaco. Hier gibt es ein Finanzamt, an das wir Steuern zahlen müssen. Wenn wir die angesprochenen 22 Millionen nehmen, dann müssen wir davon etwa sieben Millionen Euro Steuern zahlen. Bleiben also noch 15 Millionen zum Investieren übrig.

Können Transferausgaben den Einnahmen nicht gegenübergestellt werden? Wenn man 22 Millionen Euro einnimmt und genau so viel ausgibt, bleibt doch kein Gewinn übrig, den man versteuern muss …

Stephan Schippers: Genau diese Rechnung stimmt eben so nicht, weil Ablösezahlungen, die wir tätigen, über die Vertragslaufzeit des Spielers abgeschrieben werden müssen. Die Einnahme von 22 Millionen schlägt dagegen im Jahr 2012 sofort komplett als Ertrag zu Buche. Kaufen wir beispielsweise einen Spieler für zehn Millionen und geben ihm einen Fünfjahresvertrag mit einem Gehalt von jährlich zwei Millionen, dann bedeutet das für uns im Jahr 2012, dass wir elf Millionen Euro ausgeben (Ablöse plus ein halbes Jahresgehalt), durch die Vertragslaufzeit aber im Jahr 2012 nur zwei Millionen Euro (je ein halbes Jahr Abschreibung und Gehalt) steuerlich als Aufwand geltend machen können. Bleiben von den 22 Millionen Einnahme also noch immer 20 Millionen Euro Gewinn, obwohl wir elf Millionen Euro ausgeben. Mache ich das gleiche mit einem zweiten Spieler, der auch zehn Millionen Euro kostet, dann bleibt noch immer ein Gewinn von 18 Millionen Euro, von dem wir Steuern zahlen müssen. Wir hätten dann schon 22 Millionen Euro ausgegeben, hätten dann aber schon kein Geld mehr, um die anfallenden Steuern von rund sechs Millionen Euro zu bezahlen. Das ist jetzt ein stark vereinfachtes Beispiel und ganz unfachmännisch gesprochen, ich hoffe aber, dass es ein bisschen erklärt, wie wir an die Dinge herangehen müssen.

Was bedeutet das für die Transferpolitik des Vereins im Sommer?

Stephan Schippers: Wir müssen mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln intelligente Transfers machen. Wir werden alles, was möglich und vernünftig ist, in die Mannschaft stecken. Unser Ziel muss es sein, die Qualität des Kaders so zu verbessern, dass wir die Zielsetzung gegenüber dem Vorjahr nach oben verändern können. Wir wollen in eine nachhaltige Weiterentwicklung investieren, dabei aber auf keinen Fall unsere Prinzipien über Bord werfen. Natürlich haben wir mehr Mittel zur Verfügung und können damit auch an andere Spielertypen herangehen. Aber wir werden weiter den Weg gehen, auf hungrige Spieler zu setzen. Wir werden für die nächste Saison keine Mannschaft zusammenstellen können, die um die Champions-League-Plätze mitspielen muss. Aber wir werden eine Mannschaft haben, von der wir erwarten können, dass sie sich in der oberen Tabellenhälfte festsetzt.

Sie sind nicht nur Geschäftsführer bei Borussia, sondern auch Mitglied im Aufsichtsrat der DFL. Dort gab es vor zehn Tagen bei der Vergabe der Fernsehrechte für die Jahre 2013 bis 2017 einen großen Erfolg zu vermelden. Wie beurteilen Sie den neuen Fernsehvertrag aus Borussias Sicht?

Stephan Schippers: Ich muss an erster Stelle feststellen, dass es ein tolles Ergebnis für die Fußballfans in Deutschland ist. Sie müssen sich bis mindestens 2017 auf so gut wie keine Änderungen einstellen. Die Anstoßzeiten bleiben so, wie sie sind. Sky wird weiter alle Bundesligaspiele im Pay-TV zeigen, und auch die Sportschau mit den Zusammenfassungen am Samstag und Sonntag wird es weiter geben.

Bisher gab es für die TV-Rechte im Schnitt 412 Millionen Euro im Jahr. Mit dem neuen Vertrag werden es von 2013 bis 2017 im Schnitt 629 Millionen Euro sein. Das ist eine Steigerung um mehr als 50 Prozent. Davon werden vor allem die Clubs profitieren …

Stephan Schippers: Mit einer Steigerung der TV-Erträge in diesem Ausmaß konnten wir nicht rechnen. Das ist ein großer Erfolg für den deutschen Fußball, der damit auch gegenüber den internationalen Top-Ligen in England und Spanien viel Boden gutmacht. Die Aufgabe der DFL war es, die medialen Rechte unter vier Prämissen optimal zu vermarkten: 1. Berücksichtigung der Belange der Fans. 2. Optimale Vermarktung der Club-Rechte. 3. Positionierung eines hochwertigen Produkts am Markt. 4. Erfüllung der kartellrechtlichen Anforderungen. Insofern ist das 20-monatige Vergabefahren durch die DFL und den Ligavorstand, speziell durch Christian Seifert und seine Crew perfekt durchgeführt worden. Da ist ein herausragender Job gemacht worden.

Bedeutet der neue Vertrag, dass auch Borussia bei den TV-Geldern mit 50 Prozent mehr rechnen kann?

Stephan Schippers: Das steht noch gar nicht fest. In Bezug auf die Verteilung der TV-Gelder ab 2013 ist es jetzt die Aufgabe der DFL und damit auch der Clubs, ein intelligentes System zu finden, das zukunftsweisend und zukunftssichernd ist. Vielleicht muss man sich auch Gedanken machen, den Verteilungsschlüssel zu ändern oder anzupassen, damit die Steigerung der Einnahmen bei den Clubs nicht eins zu eins zu einer Steigerung der Ausgaben führt. Die Steigerung bei den TV-Einnahmen hat damit zu tun, dass die Bundesliga ein unglaublich attraktives Produkt ist. Daran haben alle Vereine einen Anteil, manche aber sicher mehr als andere, ich denke da vor allem an die großen Traditionsvereine. Ich halte es für denkbar, dass man solchen Vereine auch ein größeres Stück vom Kuchen der TV-Gelder zukommen lässt. Dafür muss eine entsprechende Formel gefunden werden, in die zum Beispiel der Zuschauerzuspruch in den Stadien oder die erzielten Reichweiten der Clubs bei TV-Übertragungen einfließen.

Borussia wird in der nächsten Saison im Europapokal spielen und entweder an der Gruppenphase der Champions League oder der Europa League teilnehmen. Es steht also fest, dass wir mindestens sechs Europapokalspiele sehen werden und bis Dezember auf der internationalen Bühne stehen. Welche strukturellen und organisatorischen Konsequenzen hat das für Borussia?

Stephan Schippers: Es ist für uns eine neue Dimension, ein neuer Wettbewerb und damit eine neue Herausforderung, auf die sich alle hier sehr freuen. Nicht nur auf uns, auch auf unsere Fans kommen Veränderungen zu. Zum Beispiel die Tatsache, dass wir in unserem Stadion international keine Stehplätze haben dürfen. Momentan haben wir aber schon mehr Dauerkarten auf den Stehplätzen im Unterrang der Nordkurve als wir dort Sitzplätze einrichten können. Wir müssen deshalb das Verfahren mit unseren Dauerkarten umstellen. Um die Fans darüber zu informieren, haben wir in diesen Tagen alle Dauerkarteninhaber angeschrieben.

Zwei Spiele stehen noch auf dem Programm: Hoffen Sie noch auf Platz drei, weil der die direkte Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League bedeutet?

Stephan Schippers: Ich weiß, dass unsere Spieler heiß darauf sind, so viel wie möglich zu erreichen und Schalke noch abzufangen. Aber egal ob drei oder vier: das Ergebnis wird am Ende überragend sein.

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