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Das Kultstadion

Die Geschichte des Bökelberg

Für die Fußball-WM 1974 wurde in ganz Deutschland gebaut, nur nicht in Mönchengladbach. Für Borussias Zwecke reichte das Bökelbergstadion damals noch aus – doch nur ein paar Jahre später schwante den Verantwortlichen beim VfL, dass trotz aller Renovierungen und Umbauten ein moderneres Stadion gebraucht würde, wollte der Klub mittelfristig konkurrenzfähig bleiben. Stadionneubau war das Stichwort, das ab Anfang der 1990er Jahre die Runde machte und in den Vereinsgremien wie bei der Stadt immer intensiver diskutiert wurde.

Der nötige Standort fand sich wie von selbst, das Signal kam aus dem Ausland. Im Jahre 1994 kündigte die britische Regierung in London an, ihre Truppen in Deutschland deutlich zu reduzieren. Es sickerte durch, dass zu den betroffenen Standorten auch Mönchengladbach zählen sollte. Im Frühjahr 1996, so hieß es, solle ein rund 160 Hektar großes Militärgelände im Westen der Stadt geräumt werden. „Das ist eine Jahrhundert-Chance“, jubelten die Stadtplaner. Ihr Plan: Die Stadt erwirbt das an das Bundesvermögensamt zurück gefallene Grundstück, verkauft es weiter an Borussia und die errichtet das neue Fußballstadion, von dem inzwischen schon so lange geträumt wurde.

Multifunktional, gigantisch und nicht zu finanzieren

Bei Borussia wurden die Planungen und Hochrechnungen aufs Neue aufgenommen. Und während die Mannschaft im November 1998 das Ende der Bundesligatabelle zierte, stellte der damalige Manager Rolf Rüßmann die Pläne für die Finanzierung eines 300 Millionen Mark teuren Projekts vor.

Multifunktionalität war das neue Zauberwort, mit dem die 53.000 Zuschauer fassende Arena betrieben und finanziert werden sollte. Mit zusätzlichen, „fußballfremden“ Veranstaltungen sollten zusätzliche Einnahmen zur Refinanzierung der Baukosten erwirtschaftet werden. Man dachte dabei an Rockkonzerte, Boxkämpfe, Tennisturniere und Messen. Doch so einfach und nachvollziehbar, wie die Pläne bei ihrer Vorstellung anmuteten, war die Sache nicht.

Den entscheidenden Schritt zur Verwirklichung des jahrelang diskutierten Projekts taten im Juli 2000 drei Männer, die ein Jahr zuvor die Führung des finanziell und sportlich angeschlagenen Vereins übernommen hatten. Nachdem sie in monatelangen, zähen Verhandlungen mit der Stadt und potentiellen Investoren versucht hatten, die von ihren Vorgängern hinterbliebenen Planungen umzusetzen, entschlossen sich Präsident Dr. Adalbert Jordan und seine beiden Mitstreiter Rolf Königs und Siegfried Söllner zu einem drastischen Schnitt. Sie zäumten das Pferd von der anderen Seite auf. Zunächst die Frage: Was ist machbar, was ist für Borussia finanzierbar? Dann die Prüfung: Was bekommen wir für diesen Preis?

"Wir werden nur das bauen, was wir uns leisten können"

Exakt ein halbes Jahr später, am 30. Juli 2004, wurde der BORUSSIA-PARK dann feierlich eröffnet. Bei einem Blitzturnier mit den Gästen Bayern München und AS Monaco war Borussias neuer Fußball-Tempel erstmals bis auf den letzten Platz gefüllt.
Am 30. Januar 2004 machten sich viele VfL-Fans ein erstes Bild von ihrer neuen Heimat: Beim Richtfest.

Am 11. Juli 2000 legte der VfL-Vorstand Oberbürgermeisterin Monika Bartsch ein 15-seitiges Papier vor. Inhalt: Borussia baut mit einem Gesamtinvestment von 155 Millionen Mark ein Stadion, mit dem sich die Stadt als Austragungsort für die WM 2006 bewerben kann. „Die überregionale Bedeutung des Stadions, die das Land für seine Bürgschaft fordert, ist gewährleistet. Aber wir haben uns von den etwas träumerisch angelegten Visionen von Großveranstaltungen verabschiedet“, sagte Präsident Dr. Jordan und Vizepräsident Königs erklärte: „Wir sind in erster Linie ein Fußballverein und müssen unsere Investitionen aufs Sportliche konzentrieren. Wir werden nur das bauen, was wir uns leisten und auch in den Folgekosten tragen können.“

Neben der Walter Gruppe aus Augsburg kam ein weiterer Baukonzern, die Firma Hochtief aus Essen, ins Spiel. Diese nahm Gespräche mit den Borussen und den städtischen Bauplanern auf. Sechs Wochen wurde verhandelt, dann kam am 29. Juni 2001 endlich die für alle Parteien erlösende Nachricht: Hochtief errichtet das neue Borussen-Stadion im Nordpark – für maximal 155 Millionen Mark, so wie von Borussia gefordert. Es folgten arbeitsreiche Monate: Hochtief beauftragte die Planungsgruppe B Architekten/Stadtplaner, Dietmar Haasen und Partner, aus Düsseldorf mit der Planung des neuen Stadions. Und bei Borussia konzentrierte man sich nun darauf, die Finanzierung festzuzurren.

„Große Tage für Mönchengladbach“

Prost: Borussias Führungsriege stößt gemeinsam mit dem bauleiter von HOCHTIEF aufs neue Stadion an.
Guido Schwartz (HOCHTIEF), Rolf Königs (damals noch Vize-Präsident), Dr. Adalbert Jordan (Präsident), Vize Siegfried Söllner und VfL-Geschäftsführer Stephan Schippers nach dem 1. Spatenstich.

Am 25. Januar 2002 passierte dann das, was viele Fans schon nicht mehr glaubten: Borussia, die Stadt und Hochtief griffen zu den Füllfederhaltern und unterzeichneten die Verträge über den Stadionbau. „Ein schöner Tag“, jubelte Oberbürgermeisterin Monika Bartsch bei einer Pressekonferenz im Rathaus Abtei, „wichtig für die Menschen in der Stadt und in der Region“. Die tatsächlich letzte, noch offene Entscheidung fiel ein paar Tage später in Düsseldorf: Das Land bewilligte als Absicherung der Finanzierung eine Bürgschaft über 80 Prozent des Fremdkapitals.

Den ersten Bagger gab es auf der Baustelle am 15. März 2002 zu sehen. Ministerpräsident Wolfgang Clement nahm den ersten Spatenstich vor und Weisweiler-Witwe Gisela enthüllte das Schild der nach ihrem Mann benannten Hennes-Weisweiler-Allee. Die Bauarbeiten für das neue Stadion im BORUSSIA-PARK hatten endgültig begonnen.

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