NEWS: 10.11.2014

"Irgendwie symptomatisch"

"Irgendwie symptomatisch"
André Hahn nahm Christoph Kramer nach dessen Eigentor tröstend in den Arm. Foto: Verheyen

Die erste Saison-Niederlage der Fohlenelf resultierte ausgerechnet aus einem kuriosen Eigentor. Dass der gestrige 1:0-Sieg für den BVB dennoch verdient war, darin waren sich im VfL-Lager alle einig.

Nach seinem Missgeschick eilte BVB-Routinier Sebastian Kehl als erster Spieler zu Christoph Kramer und nahm ihn tröstend in den Arm. „Obwohl ich mich gefreut habe, habe ich mit ihm gefühlt“, sagte der Dortmunder Mittelfeldspieler nach dem wohl kuriosesten Eigentor des Jahres. Im ausverkauften Signal Iduna Park lief die 58. Spielminute, als Kramer am Mittelkreis den Ball von Tony Jantschke erhielt. Der Weltmeister wollte ihn direkt zurück zum an der Strafraumgrenze postierten Yann Sommer passen, doch dieser Versuch misslang gründlich. Kramer chippte den Ball aus fast 45 Metern über seinen Keeper hinweg ins eigene Tor. „Als der Ball den Fuß verlassen hat, dachte ich schon: Scheiße. Als ich dann gesehen habe, dass Yann weit draußen steht und der Ball über ihn fliegt, war es noch schlimmer“, beschreibt Kramer die Szene des Spiels. „Die Dortmunder können sich bei mir bedanken, und ich muss mich bei den Gladbachern entschuldigen. Ich weiß nicht, ob schon mal jemand so ein Eigentor geschossen hat. Das sollte nicht, aber kann passieren. Das ist menschlich."

Keine Schuldzweisung

Schuldzuweisungen seitens seiner Mitspieler gab es nicht. „Niemand von uns macht Christoph einen Vorwurf. Wir haben heute alle schlecht gespielt, und dieses Tor war irgendwie symptomatisch für unsere gesamte Leistung“, befand André Hahn. Tatsächlich konnte die Fohlenelf gestern zu keiner Phase des Spiels das abrufen, was sie in den ersten 18 Pflichtspielen dieser Saison ausgezeichnet hatte. Defensiv offenbarte sie ungewohnte Lücken und vorne kam sie nie dazu, ihre schnellen Angriffe vorzutragen. „Wir haben es nicht geschafft, unser Spiel, das wir in den letzten Monaten auf den Platz gebracht haben, auch nur ansatzweise durchzubringen. Wir haben wenig Fußball gespielt, hatten wenig Ballkontrolle und kaum Torschüsse“, monierte Sportdirektor Max Eberl. Ganz anders präsentierte sich der BVB, der keinesfalls wie ein Tabellen-Schlusslicht auftrat. Das Team von Trainer Jürgen Klopp setzte die Fohlenelf mit seinem Pressing früh unter Druck und erspielte sich reihenweise Torchancen. „Auch wenn die Dortmunder zuletzt in der Bundesliga einen schlechten Lauf hatten, darf man nicht vergessen, dass sie immer noch die zweitbeste Mannschaft in Deutschland und die vielleicht fünftbeste in Europa sind“, sagte Eberl.

Einzig die mangelhafte Chancenverwertung ließ erahnen, wieso die Hausherren sich momentan in der unteren Tabellenregion wiederfinden. Entweder scheiterten sie am glänzend aufgelegten Sommer oder am eigenen Unvermögen. So durfte die Fohlenelf trotz ihrer „miserablen Leistung“ (Hahn) auch nach dem Eigentor zumindest noch auf einen Zähler hoffen. In der Schlussphase schaffte sie es endlich, auch mal bis zum Strafraum der Schwarz-Gelben durchzukommen, doch der letzte Pass kam nicht an.Eine Viertelstunde mitzuspielen reicht eben nicht, um in Dortmund etwas mitzunehmen. Es war ein hochverdienter Sieg für den BVB, da gibt es keine zweite Meinung“, räumte Eberl ein. Im 19. Pflichtspiel ist die famose Erfolgsserie der Mannschaft von Trainer Lucien Favre damit gerissen. Dass die erste Saison-Niederlage sie nachhaltig aus dem Tritt bringen könnte, glaubt Eberl nicht: „Wir werden deswegen nicht alles überdenken, denn bislang haben wir vieles richtig gemacht und stehen deshalb verdient auf Platz drei. Nichtsdestotrotz hat das Spiel hat gezeigt, dass wir jedes Mal aufs Neue frisch im Kopf und in den Beinen sein müssen.“

Zehn Nationalspieler weg

Zwei Wochen haben die Borussen nun Zeit, um die Akkus wieder aufzuladen – wobei auch das nur die für Hälfte der Mannschaft gilt, denn in Christoph Kramer, Max Kruse (beide Deutschland), Branimir Hrgota, Oscar Wendt (beide Schweden), Yann Sommer (Schweiz), Havard Nordtveit (Norwegen), Ibrahima Traoré (Guinea), Fabian Johnson (USA), Julian Korb (U21/Deutschland) und Mahmoud Dahoud (U19/Deutschland) sind heute gleich zehn VfL-Profis zu ihren jeweiligen Nationalteams aufgebrochen. Alle übrigen Borussen können nun erst einmal zwei Tage durchschnaufen, ehe es am Donnerstag (10 Uhr) das nächste Mal auf den Trainingsplatz geht. Am Freitag (14 Uhr) steht dann auf dem Fohlenplatz ein Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern auf dem Plan. Acht Tage später, am Samstag, 22. November (15.30 Uhr), gastiert Eintracht Frankfurt zum nächsten Meisterschaftsspiel im BORUSSIA-PARK.

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