NEWS: 04.02.2015

Nicht gewagt und doch gewonnen

Nicht gewagt und doch gewonnen
So bejubelten die Borussen um Branmir Hrgota den einzigen Treffer des Abends.

Mit sechs Punkten aus den ersten beiden Spielen ist Borussias Rückrundenstart geglückt. Dennoch waren sich alle Beteiligten nach dem gestrigen 1:0-Arbeitsstieg gegen Freiburg einig, dass vor allem offensiv noch etwas Luft nach oben ist.

Kurz nach dem Abpfiff schlich sich Marc-André ter Stegen durch den Hintereingang in die Borussia-Kabine. Er umarmte jeden seiner früheren Teamkollegen herzlich und gratulierte ihnen zum hart erkämpften Sieg. „Seit meinem Wechsel zum FC Barcelona war es das erste Mal, dass ich wieder bei einem Spiel hier im BORUSSIA-PARK war“, berichtete der Torwart. „Ich habe mich riesig gefreut, die Jungs alle wiederzusehen und war froh, dass sie den Sieg geholt haben. Auf Grund der Defensivleistung war dieser in meinen Augen auch verdient.“

Es war kein Fußballfest, dass die Borussen den rund 37.000 Zuschauern boten, doch am Ende landeten sie den zweiten „Dreier“ in Folge, mit dem sie ihren Platz in der Spitzengruppe behaupteten. „Zwei Spiele, sechs Punkte, das ist ein optimaler Start in die Rückrunde“, bemerkte Trainer Lucien Favre. „Aber ich weiß, dass wir uns steigern und das Spiel besser kontrollieren müssen.“ Lediglich in den Anfangsminuten dominierten seine Schützlinge die Partie und hätten durch Branimir Hrgota und Patrick Herrmann, die beide freistehend vergaben, auch in Führung gehen können. Dann aber kamen die Freiburger immer besser in die Partie. „Sie haben mit viel Mut und Engagement verteidigt und es uns damit sehr schwer gemacht, gut Fußball zu spielen“, sagte Sportdirektor Max Eberl.

Hrgota auf Herrmann

Zu selten kombinierte sich die Fohlenelf in der Folge nach vorne – mit einer Ausnahme in der 23. Minute. Über mehrere Stationen landete der Ball auf der linken Seite, von wo aus Branimir Hrgota sie nach innen flankte. Der mit ins Zentrum aufgerückte Fabian Johnson verpasste die Kugel zunächst. Da aber Oliver Sorg ein „Luftloch“ schlug, kam Herrmann am zweiten Pfosten frei zum Abschluss. Der Flügelflitzer ließ sich diese Chance nicht entgehen und jagte das Kunstleder aus acht Metern unhaltbar ins lange Eck. Schon zum dritten Mal in dieser Saison hatte Hrgota damit einen Herrmann-Treffer direkt vorbereitet. „Das ist schon etwas kurios, dass ich die Vorlagen gebe und Flaco die Tore macht. Normalerweise müsste es umgekehrt sein“, sagte Hrgota grinsend.

Nach diesem Treffer zogen sich die Borussen immer weiter zurück in die eigene Hälfte. „Wir haben nach der Führung, nicht gewagt, nach vorne zu spielen, weil wir Angst davor hatten, in einen Konter zu laufen und den Ausgleich zu kassieren“, monierte Favre. „Wir müssen dahin kommen, in solchen Situationen selbst das Spiel zu machen. Das ist eine Qualität, an der wir arbeiten müssen.“ Der Schweizer erkannte aber, dass es an diesem Abend eine zähe Angelegenheit werden würde und ordnete deshalb schon zur Halbzeit an, das Augenmerkt darauf zu legen, die knappe Führung zu verteidigen. „Ich habe mich in der Pause dazu entschieden, mehr oder weniger auf 1:0 zu spielen, weil ich das Gefühl hatte, dass es auf diesem tiefen Platz sehr schwer werden würde“, sagte Favre.

So überließ seine Mannschaft den Gästen im zweiten Durchgang weitgehend die Spielkontrolle, ohne dabei aber die defensive Stabilität zu verlieren. „Freiburg hatte in der gesamten zweiten Hälfte nur eine klare Torchance durch Jonathan Schmid. Ansonsten haben wir sehr gut verteidigt“, lobte Favre. Das reichte am Ende, um das 1:0 ins Ziel zu bringen. „Wir haben jetzt zweimal in Folge mit dem minimalen Aufwand von einem erzielten Treffer die maximale Ausbeute erreicht“, sagte Sportdirektor Eberl, warnte aber im gleichen Atemzug davor, sich auf diese Qualität zu verlassen: „Im weiteren Saisonverlauf wird es bestimmt nicht immer reichen, hinten gut zu stehen und vorne nur ein Tor zu erzielen.“

Mit Rückenwind nach Schalke

Bereits am Freitagabend (20.30 Uhr) im Spitzenspiel beim FC Schalke 04 wird diese Qualität auf die Probe gestellt. „Mit sechs Punkten haben wir einen guten Start in die Rückrunde hingelegt. Jetzt fahren wir mit entsprechendem Rückenwind nach Schalke und versuchen auch dort, etwas zu holen“, sagte Eberl. Dass in Gelsenkirchen möglicherweise zum dritten Mal in Folge die gleiche Startelf auf dem Platz steht, erscheint unwahrscheinlich. „Never change a winning team war nie mein Motto“, erklärte Favre. Nach einer Partie seien die Spieler noch nicht müde, deshalb habe er sich gestern dazu entschieden keine Wechsel vorzunehmen. „Aber es muss sich niemand Sorgen machen, die Rotation wird kommen“, kündigte der VfL-Coach augenzwinkernd an.

Zu einem Wechsel könnte Favre ohnehin gezwungen werden, denn Abwehrchef Martin Stranzl hatte Mitte der ersten Hälfte einen Ball aus kurzer Distanz mit voller Wucht ins Gesicht bekommen und musste deshalb zur Pause mit einer Schädelprellung in der Kabine bleiben. „Ich befürchte, dass es für Freitag nicht reichen wird“, sagte Eberl nach dem Spiel. Auch für André Hahn, der voraussichtlich kommende Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen wird, kommt ein Einsatz am Freitagabend noch zu früh. Marc-André ter Stegen wird der Fohlenelf dann wieder von seiner Wohnung in Barcelona aus, die Daumen drücken. „Ich verfolge jedes Spiel von Borussia im Fernsehen oder Liveticker und hoffe, dass die Saison so erfolgreich weitergeht“, so der Schlussmann.

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