NEWS: 07.02.2015

Direkt auf Betriebstemperatur

Direkt auf Betriebstemperatur
Ibrahima Traoré im Duell mit Schalkes Matija Nastasic.

Vom 30 Grad warmen Afrika ins eiskalte Deutschland - Ibrahima Traoré hatte nach seiner Rückkehr vom Afrika-Cup mit einem enormen Temperaturunterschied zu kämpfen. Nach seiner Einwechslung beim Gastspiel auf Schalke war er dennoch sofort im Spiel und zeigte sich äußerst agil.

Als er da am späten Abend im Bauch der Schalker Arena stand, rieb sich Ibrahima Traoré immer wieder die Augen. Die Strapazen der vergangenen Wochen waren dem 26-Jährigen anzusehen. „Ich bin noch immer etwas müde“, sagte der Mittelfeldspieler, als er über die 0:1-Niederlage bei den Gelenkirchenern sprach. Am frühen Dienstagmorgen kam er vom Afrika-Cup zurück, am Donnerstag trainierte er erstmals wieder mit der Mannschaft, gestern Abend kam er zu einem rund halbstündigen Einsatz. Einen Monat harte Vorbereitung auf die kontinentale Meisterschaft in Afrika, drei Gruppenspiele sowie das Viertelfinale hatte der Guineer in den Knochen. Doch das größte Problem nach der Rückkehr an den Niederrhein war der gewaltige Temperaturunterschied. 30 Grad und mehr in Äquatorialguinea, Temperaturen um den Gefrierpunkt in Deutschland. „Das war schon ein Schock“, gestand Traoré. „Aber ich habe keine andere Wahl, als mich daran zu gewöhnen.“

"Es war nicht einfach"

In der knappen halben Stunde, die der Flügelflitzer gegen Schalke auf dem Platz stand, war er aber sofort auf Betriebstemperatur. Agil und spielfreudig zeigte sich Traoré, gewillt, mit schnellen und dynamischen Aktionen, die Schalker Defensive zu knacken. „Als ich reinkam, habe ich versucht, noch etwas zu bewegen. Leider hat es nicht ganz funktioniert“, sagte er. Kurz nach seiner Einwechslung bediente ihn Roel Brouwers in abseitsverdächtiger Position mit einem Lupfer, Traorés Direktabnahme lenkte der Schalker Torhüter Wellenreuther aber zur Seite ab. Mit Dribblings und Flanken von beiden Seiten versuchte der Guineer im Anschluss Torgefahr zu erzeugen. Wie seine Mitspieler blieb aber auch er zu oft im Defensivverbund der Königsblauen hängen. „Es war nicht einfach gegen acht Defensivspieler. Schalke ist in Führung gegangen. Danach konnte man nicht mehr viel von ihnen erwarten. Sie haben auf Konter gespielt, viele lange Bälle geschlagen und ansonsten gut verteidigt. Dass sie das können, hat man gesehen.“

Es heißt gerne, dass Spieler wie Traoré, die Eins-zu-Eins-Situationen suchen, gerade gegen derart defensiv eingestellte Teams, besonders wirkungsvoll sind. „Das stimmt auch“, sagte Traoré mit einem verzweifelten Lächeln. „Aber es war gegen Schalke im Prinzip nie Eins gegen Eins, sondern immer Eins gegen Zwei oder sogar Eins gegen Drei. Wenn man an einem vorbei war, war sofort der nächste da. Thorgan und Patrick haben es auch immer wieder versucht, aber Schalke hat einfach gut verteidigt und stand sehr tief.“ Trotzdem, so Traoré, habe man es bis zum Schlusspfiff immer wieder versuchen müssen, um eine mögliche Unordnung beim Gegner zu provozieren. Das blieb an diesem Abend leider erfolglos, könnte aber schon im nächsten Ligaspiel erneut gefordert sein. „Köln wird bestimmt ähnlich spielen“, vermutete Traoré. „Aber sie werden auch unbedingt gegen uns punkten wollen, schließlich ist es ein Derby. Da sind viele Emotionen im Spiel.“ Und auch wenn es erst das zweite Rheinderby für den Neuzugang sein wird, hat er die Bedeutung der Partie insbesondere für den VfL-Anhang längst erkannt. „Wir werden uns gut auf Köln vorbereiten, sie genau analysieren und bereit sein. Wir werden alles dafür tun, um dieses wichtige Spiel zu gewinnen – vor allem für unsere Fans.“

Voll auf Borussia konzentrieren

Seine Müdigkeit wird er bis dahin auch endgültig überwunden haben. „Definitiv. Wir haben jetzt zwei Tage frei, da werde ich mich erholen“, kündigte Traoré an. Zudem will sich der Nationalspieler künftig voll und ganz auf Borussia konzentrieren. Für die Nationalmannschaft Guineas steht der Kapitän, der beim Afrika-Cup in der Vorrunde zweimal zum „Man oft he Match“ gewählt wurde, vorerst nicht mehr zur Verfügung. „Ich bin einfach müde vom vielen Reisen und brauche etwas Ruhe“, begründete der Mittelfeldspieler seine Entscheidung. Ein Rücktritt sei das aber (noch) nicht. „Ich werde sehen, wie sich das entwickelt. Ich möchte bei Borussia noch mehr Einsatzzeit bekommen als bislang. Da waren die Nationalmannschafsteinsätze eher ein Nachteil für mich. Wenn es bei mir im Verein ohne die Nationalmannschaft besser läuft, kann es sein, dass ich gar nicht mehr für Guinea spiele. Aber momentan ist es erst einmal nur eine Pause. Es liegen für Guinea ohnehin nicht sehr viele Spiele in nächster Zeit an.“ Dass seine Entscheidung in seinem Heimatland keine Begeisterungsstürme ausgelöst hat, sei verständlich. „Aber ich muss auch mal an mich denken und mich auf meine Aufgabe bei Borussia konzentrieren.“

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