NEWS: 16.02.2015

„Die Chaoten sind die einzig Schuldigen“

„Die Chaoten sind die einzig Schuldigen“
Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers

Standpunkt: Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers spricht über die Ausschreitungen nach dem Derby gegen den 1. FC Köln, den vereinseigenen Ordnungsdienst und die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden.

Herr Schippers, die Szenen, die sich am Samstag nach dem Abpfiff aber auch schon während des Spiels im BORUSSIA-PARK abgespielt haben, überdecken leider die Freude über den späten Derbysieg gegen den 1. FC Köln. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat am Sonntag bereits mitgeteilt, dass man Ermittlungen einleiten werde. Wie ist der aktuelle Stand?

Stephan Schippers: Wir sind Teil eines laufenden Verfahrens. Der DFB hat uns aufgefordert, eine Stellungnahme zu den Vorfällen abzugeben. Das werden wir tun, damit der DFB sich ein umfassendes Bild machen kann, was genau passiert ist. Die Aktionen gingen aus dem Kölner Fanblock aus. Trotzdem wollen wir nicht den Eindruck erwecken, als kümmere uns der ganze Vorfall nicht und betreffe uns nicht. Das wäre ein Verschließen der Augen. Auch wir müssen die Lehren aus diesen Vorfällen ziehen und überlegen, ob und wenn ja, wie man das in Zukunft vielleicht besser regeln kann.

Können Sie denn Defizite hinsichtlich der Sicherheitsvorkehrungen erkennen? Ein Vertreter der Gewerkschaft der Polizei hat in der Rheinischen Post dem Ordnungsdienst Vorwürfe gemacht.

Stephan Schippers: Der DFB hat direkt nach dem Spiel bereits einen Sonderbericht angefertigt, in dem der Einsatz unseres vereinseigenen Ordnungsdienstes sowie die Zusammenarbeit mit den Ordnern des Gastvereins und der Polizei als vorbildlich gelobt werden. Natürlich wertet der DFB weiter aus, auch wir analysieren die Geschehnisse intensiv. Dabei sind wir natürlich selbstkritisch und schauen, ob wir etwas verbessern können. Dem Ordnungsdienst sind in diesem Fall aber keine Vorwürfe zu machen.

Ein Kritikpunkt war, dass Kölner Anhänger Pyrotechnik und Knallkörper zünden konnten. Daraus wurde geschlussfolgert, dass die Einlasskontrollen nicht gut genug gewesen seien.

Stephan Schippers: Wir haben gewissenhaft und gründlich kontrolliert, aber wir stoßen an rechtliche Grenzen. Dem Ordnungsdienst ist es nicht gestattet, Personen im Intimbereich zu kontrollieren. Wenn man weiß, dass diese Chaoten und Straftäter Pyrotechnik in allen möglichen Körperöffnungen verstecken, kann man nie zu 100 Prozent ausschließen, dass Pyrotechnik ins Stadion gelangt. Das sieht man leider an fast jedem Wochenende bei irgendeinem Spiel. Beim Spiel gegen Köln haben wir extra ein Durchsuchungszelt vor dem Gästebereich eingerichtet, um gewisse Personen noch intensiver kontrollieren zu können. Dort ist im Übrigen ebenso wie in den Bussen zum Stadion auch noch reichlich Pyrotechnik entdeckt worden, die an die Polizei übergeben wurde.

Neben dem Ordnungsdienst wird auch viel über den Polizeieinsatz und die Terminierung des Spiels diskutiert. Liegen dort Versäumnisse?

Stephan Schippers: Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, die Schuldfrage hin- und herzuschieben oder verwechseln, wer Opfer und wer Täter ist. Der Spieltermin, der Ordnungsdienst oder der Polizeieinsatz – all das, worüber jetzt diskutiert wird, hat nicht zu den Vorkommnissen geführt. Die Schuldigen sind ganz allein diese Straftäter, die die Pyrotechnik mit ins Stadion geschmuggelt und den Platz gestürmt haben. Wir werden uns durch diese Chaoten auch nicht zu irgendwelchen Schuldzuweisungen hinreißen lassen. Wir arbeiten am gleichen Konzept. Wir wollen friedliche Fußballspiele haben. Wir schulen unsere Ordner, stimmen Wegeführungen zum Stadion ab für unsere Fans und für Gästefans. Auf diesen Gebieten arbeiten wir sehr gut mit der Polizei zusammen. Und durch diese Chaoten und Gewalttäter lassen wir uns jetzt nicht entzweien.

Ist solchen Chaoten als Verein überhaupt beizukommen?

Stephan Schippers: Wir wissen, dass auch wir schwarze Schafe unter unseren Anhängern haben. Wir verfolgen einen präventiven Ansatz bei unserer Fanarbeit. Das heißt, wir suchen immer wieder den direkten Dialog mit den Fans. Beim Hinspiel in Köln gab es gewalttätige Auseinandersetzungen vor dem Stadion. Danach haben wir uns beispielsweise mit den Beteiligten intensiv ausgetauscht und den Fans immer wieder auch kleinere Sanktionen erteilt, in dem wir gewisse Aktionen untersagt haben. Jetzt muss man meines Erachtens auch einmal lobend erwähnen, dass unsere Fans am Samstag trotz dieser Provokation der Kölner ruhig geblieben sind. Das hat Qualität, ist aber auch das Resultat dieses nachhaltigen Dialoges. Wären unsere Anhänger auch auf den Rasen gesprungen, hätte es womöglich eine Katastrophe gegeben.

Inwieweit trägt die Tatsache, dass Borussia seit mehr als 40 Jahren einen vereinseigenen Ordnungsdienst hat, dazu bei, manchen Fan zu beruhigen?

Stephan Schippers: Unser Konzept des Ordnungsdienstes hat unserer Ansicht nach sicherlich deeskalierende Wirkung. Wir als Verantwortliche, aber auch der Fan im Stadion, redet immer wieder mit denselben Personen. Man kennt sich mitunter seit vielen Jahren. Bei einem gewerblichen Sicherheitsdienst wechseln die Personen häufiger. Das soll aber nicht heißen, dass ich diese Firmen in irgendeiner Form kritisiere. Wir wissen, dass wir unsere Leute regelmäßig schulen und dass diese Leute in den meisten Fällen schon zehn bis 15 Jahre dabei sind, also eine Menge solcher Schulungen hinter sich haben. Sie sind dadurch für den Einsatz in einem Fußballstadion sehr gezielt geschult und verfügen über das nötige Know-How. Die IHK überprüft das regelmäßig. Bei solchen Straftaten wie am Samstag sind wir aber machtlos. Sobald eine Person eine strafrechtliche Handlung vollzieht, also etwas, das im Strafgesetzbuch als Straftat deklariert ist, müssen wir die Polizei verständigen. Und allein das Zünden von Pyrotechnik gilt schon als Körperverletzung und ist nicht etwa, wie manch einer gerne glaubt, ein Kavaliersdelikt.

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