NEWS: 20.02.2015

„Wir haben uns nicht belohnt“

„Wir haben uns nicht belohnt“
Borussias Kapitän Martin Stranzl

Martin Stranzl stand beim Europapokalspiel in Sevilla wieder in der Startelf und führte die Fohlenelf als Kapitän aufs Feld. Wir haben uns mit dem Österreicher über die Leistung des VfL, die Chancen für das Rückspiel und die bevorstehende Aufgabe beim HSV unterhalten.

Martin, ihr habt das Hinspiel im Sechzehntelfinale der UEFA Europa League 0:1 beim Titelverteidiger FC Sevilla verloren. Wie ausgeprägt ist das Gefühl, dass für euch mehr drin gewesen wäre?

Stranzl: Wir haben eigentlich ein gutes Spiel gemacht, uns aber in keiner Weise dafür belohnt. Das ist etwas, was mich extrem ärgert und wenn man sich in der Kabine umgeschaut hat, hat man gesehen, dass wir uns alle darüber geärgert haben. Wir haben drei bis vier sehr gute Möglichkeiten gehabt. So viele Chancen bekommt man international normalerweise gar nicht gegen eine derart gute Mannschaft, speziell auswärts. Wenn man diese Möglichkeiten hat, muss man die Abgeklärtheit haben und zumindest eine davon nutzen. Dann hätten wir unser Auswärtstor und es uns ein Stück weit einfacher gemacht. Auf der anderen Seite hat man in diesem Spiel gesehen, dass schon ein kleiner Fehler in der Rückwärtsbewegung ausreicht, um ein Gegentor zu bekommen. Das ist der kleine, aber feine Unterschied.

Du hast vor dem Spiel gesagt, dass man im Falle eines Rückstandes unbedingt Ruhe bewahren müsse. Ist das aus deiner Sicht nach dem 0:1 gelungen?

Stranzl: Im Großen und Ganzen schon. Wir haben noch zwei Konterchancen für den Gegner zugelassen, aber eine gute Rückwärtsbewegung gehabt, so dass Sevilla nur noch eine Schusschance aus rund 20 Metern hatte. Wir sind also nicht wirklich Gefahr gelaufen, noch ein zweites Tor zu kassieren.

Ihr seid eine sehr faire Mannschaft, die in allen Wettbewerben selten Fouls begeht. Ein Blick auf die Kartenstatistik des gestrigen Abends erweckt aber den Eindruck, als läge eine sehr hitzige und harte Partie hinter euch. Wie hast du das gesehen?

Stranzl: Es ist schade. Es war eine tolle Atmosphäre im Stadion und überhaupt nicht so, dass in irgendeiner Art unfair oder überhart gespielt wurde. Der Schiedsrichter hat es aber leider so aufgefasst und bei jeder Kleinigkeit – zumindest auf unserer Seite – sofort Gelb gegeben. Das hat es uns natürlich nicht einfacher gemacht, wenn drei oder vier Defensivspieler mit Gelben Karten vorbelastet sind. Da mussten wir aufpassen und cleverer spielen. Daran hat es im Endeffekt aber nicht gelegen, dass wir das Spiel verloren haben.

Wie kompliziert macht das Hinspielergebnis die Aufgabe im Rückspiel für euch?

Stranzl: Es ist gar nicht so kompliziert. Wir müssen jetzt zu Hause gewinnen und dürfen eigentlich kein Gegentor bekommen. Sonst müssen wir schon drei Treffer erzielen. Bei einem Tor für uns gäbe es Verlängerung und Elfmeterschießen. Das ist immer Glückssache. Also müssen wir eigentlich schon auf zwei Tore spielen.

Wie groß schätzt du die Möglichkeiten ein, dass ihr ins Achtelfinale einzieht?

Stranzl: Möglichkeiten hat man immer, aber wir müssen die Tore machen. Im Fußball geht es nunmal um Tore. Wenn wir kein Tor erzielen, haben wir es auch nicht verdient weiterzukommen, auch wenn man im Endeffekt ein gutes Spiel gemacht hat. Dann kommt vielleicht nicht die bessere, sondern die cleverere Mannschaft weiter.

Inwieweit gibt euch trotz der Niederlage die gezeigte Leistung Selbstvertrauen für das Rückspiel

Stranzl: Wir können mitnehmen, dass wir sehr selbstsicher und mit viel Engagement aufgetreten sind und ein gutes Spiel gemacht haben. Mehr aber auch nicht. Wir dürfen uns auch gar nicht lange mit diesem Spiel aufhalten. Am Sonntag geht es schon in der Bundesliga nach Hamburg.

Du sprichst das Spiel an. Wie schwierig ist es, sich in so kurzer Zeit neu auf diese völlig andere Aufgabe zu fokussieren?

Stranzl: Das Wichtigste ist, dass die Enttäuschung so schnell wie möglich aus den Köpfen verschwindet. Zudem müssen wir gut regenerieren. Mehr können wir ohnehin nicht machen. Die Bundesliga ist unser tägliches Brot. Das haben wir immer wieder betont. Und wenn wir nächstes Jahr wieder international spielen möchten, sollten wir in Hamburg punkten, am besten natürlich dreifach. Dafür müssen wir wieder eine gute Leistung und mindestens ein Tor schießen.

Was für ein Spiel erwartest du beim HSV?

Stranzl: Das wird ein ganz anderes Spiel. Bundesliga und Europapokal sind nicht zu vergleichen. Wir müssen uns wie gesagt schnell erholen. Wir haben den ein oder anderen angeschlagenen Spieler, Granit ist zudem gesperrt. Wir werden sehen, welche Mannschaft am Sonntag auf dem Platz stehen wird. Hamburg wird sich sicherlich ganz anders präsentieren wollen als in München. Aber wie gesagt: Wenn wir in der Bundesliga oben dranbleiben wollen, müssen wir in Hamburg punkten.