NEWS: 24.02.2015

Schon zweimal ein 0:1 aufgeholt

Schon zweimal ein 0:1 aufgeholt
Das entscheidende 2:0 im Rückspiel: Hans-Jürgen Wittkamp (verdeckt) setzt zum Flugkopfball an. Foto: Imago

Zweimal hat Borussia in ihrer Europapokal-Historie ein Hinspiel auswärts 0:1 verloren. In beiden Fällen kam sie dennoch eine Runde weiter. Ein gutes Omen für das anstehende Rückspiel am Donnerstag gegen den FC Sevilla? Wir blicken zurück.

In der Saison 1976/77 drohte der Fohlenelf schon im Erstrundenduell des Europapokals der Landesmeister bei Austria/Wacker Wien überraschend das Aus. Berti Vogts fälschte in der 23. Minute einen Schuss von Karl Daxbacher ins eigene Tor ab und besiegelte damit die 0:1-Niederlage in der österreichischen Hauptstadt. „Borussias schwächste Leistung im Europapokal“ titelte die Rheinische Post. Der damalige Trainer Udo Lattek machte ebenfalls keinen Hehl daraus, dass sein Team einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte: „Bis auf Vogts haben alle unsere Leistungsträger versagt.“ Borussias Kapitän war es auch, der bei der einzigen Ausgleichschance in der 78. Minute an der Latte scheiterte. „Die Deutschen waren um eine Klasse schwächer als im vergangenen Jahr in Innsbruck. Gladbach erinnerte nicht an Gladbach“, lautete eine Pressestimme in Österreich.

Nach zwei Bundesliga-Erfolgen in Kaiserslautern (2:1) und gegen Essen (6:0) stieg im Gladbacher Lager jedoch die Zuversicht, die „Schmach von Wien“ im Rückspiel vergessen zu machen. „Wien war der Tiefpunkt“, sagte Vogts. Dieses schwache Spiel sei unter die Haut gegangen. Zum Glück habe es nur ein 0:1 gegeben, das sei reparabel. „Unser Ehrgeiz ist angestachelt.“ Das war den Borussen im Rückspiel auf dem Platz anzusehen, sie zeigten ein ganz anderes Gesicht als im Hinspiel und zogen durch ein 3:0 in die zweite Runde ein. „Wir haben zeitweise gut, zeitweise sehr gut und zeitweise so gespielt, wie man nicht spielen sollte“, so Lattek. Uli Stielike sorgte in der 39. Minute per Distanzschuss für das erlösende 1:0. Ein von Rainer Bonhof eiskalt verwandelter Elfmeter stieß in der 54. Minute die Tür zur zweiten Runde weit auf. Nur drei Minuten später erhöhte Heynckes nach Zuspiel von Stielike auf 3:0. Der Widerstand der Gäste war aber erst gebrochen, als Herbert Prohaska in der 71. Minute wegen Schiedsrichterbeleidigung vom Platz gestellt wurde. „Ein Wiener Treffer hätte dem Spielverlauf aber auch nicht entsprochen“, bilanzierte Lattek.

Wittkamp avanciert zum Helden

Über die Stationen AC Turin und FC Brügge zog Borussia in der gleichen Saison ins Halbfinale ein. Dort wartete der russische Meister Dynamo Kiew. Im eigenen Stadion waren die Russen eine Macht: Von 17 Europapokalspielen zu Hause hatten sie bis dato 16 gewonnen und nur einmal remis gespielt. Der VfL musste diese Heimstärke anerkennen und unterlag im Hinspiel 0:1. Der UdSSR-Meister beherrschte die Partie zwar eindeutig, doch mehr als das Kopfballtor von Wladimir Onitschenko, der Hans Klinkhammer in der 71. Minute bei einer Ecke entwischt war, sprang nicht heraus. „Das war ein dummes Tor, das zu diesem Zeitpunkt nicht zu fallen brauchte“, ärgerte sich Lattek. Sein Team hätte diesen Gegentreffer vor 100.000 Zuschauern im Zentralstadion in Kiew allerdings schon in der Anfangsphase kassieren können, in der es den Angriffswirbel der Russen nur mit viel Glück überstand. Mit zunehmender Spielzeit bekam Borussia das Spiel besser in den Griff, wenngleich Konterchancen Mangelware bleiben.

Wohl selten zuvor hat es für die Borussen eine bessere Stimmung gegeben als beim Rückspiel gegen Kiew. 70.000 VfL-Fans peitschen die Fohlenelf in Düsseldorf nach vorne. Diese großartige Unterstützung ließ die Hausherren sogar den Ausfall von Jupp Heynckes vergessen, der durch Herbert Heidenreich ersetzt wurde. In der 21. Minute war der Jubel groß: Nach einem Handspiel von Matweinko im eigenen Strafraum ließ Rainer Bonhof Dynamo-Keeper Rudskow beim Strafstoß keine Abwehrchance. „Der Torwart bot mir die linke Seite an. Wahrscheinlich glaubte er, ich würde den Ball ins Tor schieben, aber ich habe voll draufgeknallt. Damit hatte er wohl nicht gerechnet“, schilderte Bonhof seinen Treffer.

Im zweiten Durchgang riss Kiew die Initiative an sich, Vogts musste gegen Oleg Blochin Schwerstarbeit leisten. Ebenso Torwart Kneib, der mehr und mehr in den Blickpunkt geriet. Zum Helden avancierte aber Hans-Jürgen Wittkamp. Zehn Minuten vor dem Abpfiff erzielte der Libero das 2:0 und brachte Borussia damit ins Endspiel. Nach einem von Bonhof geschickt über die Mauer gelupften Freistoß, mogelte sich der Torschütze an der Mauer vorbei, nahm den Ball auf und zog ab. Die Kugel wurde zunächst abgewehrt, doch über Wimmer gelangte sie erneut zu Wittkamp, der sie per Kopf im Tor unterbrachte. „Als ich den Ball im Netz sah, wäre ich beinahe vor Freude explodiert. Dieser Treffer war der wichtigste meiner Laufbahn“, sagte Wittkamp.

Hinweis: Die Textauszüge stammen aus dem Europapokalbuch „Magische Nächte“, das zum Preis von 19,90 Euro im Online-Shop sowie allen Borussia Fan-Shops erhältlich ist.