NEWS: 24.02.2015

„Es soll eine Nacht werden, die wir nicht vergessen“

„Es soll eine Nacht werden, die wir nicht vergessen“
Sportdirektor Max Eberl

Standpunkt: Borussias Sportdirektor Max Eberl spricht über das späte Remis beim Hamburger SV, die Aussichten für das bevorstehende Rückspiel in der UEFA Europa League gegen den FC Sevilla und die Bedeutung der VfL-Fans für die Begegnung mit den Andalusiern.

Max, Borussia hat in Hamburg wie schon gegen Köln in der Nachspielzeit noch einen Treffer erzielt, der wichtige Punkte eingebracht hat. Was sagt das über die Mannschaft aus?

Max Eberl: Es ist einfach ein wichtiges Zeichen in einer wichtigen Phase der Saison, dass die Mannschaft bis zum Ende daran glaubt, Spiele noch gewinnen oder Niederlagen abwenden zu können. In der Vergangenheit war es so, dass wir einen Rückstand nicht mehr aufholen konnten. Jetzt versucht die Mannschaft alles, um aus solchen Spielen noch etwas mitzunehmen. Das sind womöglich genau die Punkte, die am Ende wichtig sein können. Denn in der Bundesliga, das habe ich oft genug betont, ist jedes Spiel auf des Messers Schneide.

Borussia hat durch das Tor in Hamburg in letzter Minute eine Niederlage abgewendet. Es wäre die zweite knappe Niederlage binnen vier Tagen gewesen. Wie wichtig war dieser Punkt gerade im Hinblick auf das Rückspiel in der UEFA Europa League gegen Sevilla am kommenden Donnerstag?

Max Eberl: Unglaublich wichtig. Wenn wir das Spiel in Hamburg verloren hätten, wäre es zwar auch kein Genickbruch gewesen für uns. Aber diesen Last-Minute-Punkt mitgenommen zu haben, ist insbesondere für die mentale Vorbereitung auf das Spiel am Donnerstag sehr wichtig. Wir haben in Sevilla ein sehr gutes Spiel gemacht, aber leider verloren. Das müssen wir jetzt in der zweiten Halbzeit, so nenne ich es gerne, aufholen. Davor haben wir gegen Köln gewonnen und jetzt ein Unentschieden in Hamburg geholt, was schwierig genug ist. Viele haben vielleicht gesagt: Hamburg hat 0:8 in München verloren, da gewinnt Gladbach mal eben. So einfach ist es aber nicht, das ist es nie in der Bundesliga. Wer das glaubt, der ist generell auf dem falschen Weg.

Kommen wir zur UEFA Europa League: Am Donnerstag steht das Rückspiel gegen Sevilla an. Einen Tag nach dem Hinspiel in Spanien konnte Borussia vermelden, dass es keine Karten mehr für die Partie gibt. Wie haben das Team und die Verantwortlichen diese Nachricht aufgefasst?

Max Eberl: Die Mannschaft hat es natürlich registriert, dass das Stadion ausverkauft sein wird. Das Spiel in Sevilla mag die letzten Unschlüssigen animiert haben, doch noch Karten zu kaufen. Ich denke, die Mannschaft hat es verdient, dass wir am Donnerstag alle gemeinsam versuchen, diesen Rückstand gegen eine europäische Top-Mannschaft aufzuholen. Es wird für uns ein großartiges Spiel und eine großartige Möglichkeit, sich mit einer großen Mannschaft aus Europa zu messen. Dass in solchen Partien oft eine Situation genügt, um diese Spiele zu entscheiden, haben wir im Hinspiel erlebt. Deswegen müssen wir auf der einen Seite in der Defensive höllisch aufpassen, auf der anderen Seite aber auch den Mut haben, so zu spielen wie in Sevilla und uns Chancen zu erarbeiten. Mit unseren Zuschauern im Rücken, die für uns ein wichtiger Faktor sein werden am Donnerstag, soll es eine Nacht werden, die wir nie mehr vergessen.

Du sprichst es an, dass die Zuschauer sehr wichtig sein werden. Wie kann das Publikum förderlich sein für die Mannschaft?

Max Eberl: Ich habe schon oft gesagt: Das wichtigste Spiel in der jüngsten Vereinsgeschichte war die Relegation gegen Bochum. In dem Spiel haben uns unsere Fans etwa ab der 65. Minute unglaublich unterstützt, obwohl sie gemerkt haben, dass das Spiel aus unserer Sicht etwas holprig war und Bochum stärker wurde. Ich möchte jetzt nicht unbedingt an diese Relegation erinnern, aber ich glaube, dass die Fans am Donnerstag wieder genau dieses Gespür haben werden und dass sie uns bedingungslos unterstützen, auch wenn es mal schwierig wird. Dann glaube ich, dass für uns eben mehr möglich ist, als wenn wir ohne Unterstützung spielen würden.

Die Ausgangslage nach dem 0:1 im Hinspiel ist klar. Borussia braucht mindestens ein Tor, um die Verlängerung zu erreichen. Inwieweit wird Geduld nicht nur bei der Mannschaft, sondern auch bei den Fans von Nöten sein?

Max Eberl: Natürlich wollen wir das Spiel am liebsten in der regulären Spielzeit entscheiden. Aber wir müssen erst einmal nur ein Tor aufholen. Da würde es nichts bringen, naiv in Konter zu laufen und ein Gegentor zu riskieren. Dann müssten wir schon drei Tore schießen. Dementsprechend wird es ein Geduldspiel werden, und da bedarf es wirklich tatkräftiger Unterstützung verbaler Art von den Rängen. Wenn es im Spiel dann etwas ruhiger wird, heißt das nicht, dass wir auch ruhig Fußball spielen. Wir wollen das Tor machen, aber den passenden Moment dafür erwischen. Das wird am Donnerstag eine wirklich große Herausforderung für unsere Mannschaft und für uns als Verein.

Vor dem Hinspiel war viel davon zu lesen, dass die Mannschaft in Sevilla ein wahrer Hexenkessel erwarten würde. Das Stadion dort war aber nicht mal ansatzweise ausverkauft. Werden die Spieler von Sevilla am Donnerstag im BORUSSIA-PARK einen echten Hexenkessel erleben?

Max Eberl: Ich hoffe es doch sehr. Sevilla hat im Europapokal in dieser Saison auswärts noch nicht gewonnen. Und wenn sie eben merken, was bei uns im Stadion los ist, kann sie das womöglich beeindrucken. Man hat es im Hinspiel gesehen, dass unsere Mannschaft in den ersten Minuten und kurz nach dem Gegentor auch etwas beeindruckt war von der Atmosphäre. Sie hat die Stimmung durch eine gute Leistung aber schnell entkräften können. Jetzt wünsche ich mir, dass wir den Jungs aus Sevilla zeigen, wie die deutsche Mentalität im Stadion ist und was es in Deutschland bedeutet, sein Team bedingungslos zu unterstützen. Wir brauchen das Publikum und müssen den Rückhalt spüren, gerade auch in Phasen, in denen es vielleicht etwas hakt oder in denen unser Spiel etwas stockt.

Die Zuschauer in Sevilla haben die Borussen in jeder Szene gnadenlos ausgepfiffen und mitunter sehr heftig reklamiert, wenn es strittige Szenen gab. Kann so etwas nicht nur Einfluss auf die gegnerische Mannschaft, sondern auch auf den Schiedsrichter haben?

Max Eberl: Ich glaube schon, dass auch die Schiedsrichter ein Stück weit beeindruckt sind von einer großen Kulisse. Der Schiedsrichter im Hinspiel hat zwar keine entscheidende Situation falsch gepfiffen, er hat aber sehr schnell Gelbe Karten gegen unsere Spieler verteilt. Natürlich ist es schwieriger gegen 44.000 Menschen zu pfeifen als für 44.000. Das ist diese Heimatatmosphäre, die wir am Donnerstag schaffen wollen. Von der jeder infiziert sein soll, die dem Gegner Respekt einflößt und die unsere Mannschaft pusht.

Vor zweieinhalb Jahren gab es das Champions League-Qualifikationsspiel gegen Dynamo Kiew. Die Stimmung im BORUSSIA-PARK war unglaublich, die Mannschaft hat beflügelt davon eine sehr starke Anfangsphase gespielt und ist früh in Führung gegangen. Danach hat man aber etwas zu viel gewollt und ist von gnadenloser Effizienz auf Seiten der Ukrainer geschlagen worden. Besteht bei großer Euphorie im Stadion womöglich auch die Gefahr, etwas übermotiviert zu sein?

Max Eberl: Zunächst einmal habe ich das Gefühl, dass die Mannschaft im Vergleich zu damals reifer geworden ist. Wir haben mittlerweile alle mehr Erfahrung sammeln können auf diesem internationalen Niveau. Die Jungs sind alle zwei Jahre weiter. Gegen Kiew haben wir im Hinspiel zu Hause geführt und geglaubt, wir müssten dieses Resultat noch weiter verbessern. Die Voraussetzung mit der Niederlage im Hinspiel ist jetzt etwas anders, deshalb ist das nicht zu vergleichen. Wenn wir gegen Sevilla in Führung gehen sollten, werden wir sicherlich auch versuchen, das zweite Tor zu machen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Aber man darf dabei eben nicht naiv sein und ein Gegentor bekommen. Ich halte Sevilla für abgezockt genug, dass sie eine gnadenlose Effizienz an den Tag legen und aus einer einzigen Aktion ein Tor machen können. Davor sollten wir uns hüten. Ich glaube aber wie gesagt, dass wir als Mannschaft und als Verein reifer sind als noch vor zwei Jahren und diese Situation besser einschätzen können.

Zum Abschluss noch ein ganz anderes Thema: Die WM 2022 in Katar wird aller Voraussicht nach auf die Wintermonate verlegt. Das hat die Task Force der Fifa auf ihrer Sitzung in Doha empfohlen. Was sagst du dazu?

Max Eberl: Diese Empfehlung ist nicht im Sinne der DFL-Klubs. Eine WM im November/Dezember würde bedeuten, dass der Spielbetrieb in der Liga schon im Oktober unterbrochen werden muss und dass es frühestens Mitte Januar weitergehen kann. Dieser WM-Termin würde den Bundesliga-Terminkalender von mindestens zwei, wahrscheinlich sogar drei Spielzeiten massiv beeinflussen. Ganz zu schweigen davon, dass die Verein einen Zeitraum von mehr als drei Monaten ohne Zuschauereinnahmen überbrücken müssten. Es ist schade und geradezu fahrlässig, dass man sich über diese Probleme bei der FIFA nicht schon vor der Vergabe der WM 2022 an Katar Gedanken gemacht hat.

Hinweis: Das Spiel am Donnerstag (19 Uhr) wird nicht im frei empfangbaren TV zu sehen sein. Der Bezahlsender Sky überträgt das Spiel live. Karten gibt es für VfL-Fans lediglich noch im Businessbereich: im VIP-Club Bökelberg (175 Euro zuzüglich Umsatzsteuer) sowie für die Business-Lounge (275 Euro zuzüglich Umsatzsteuer) -buchbar nur per Mail an: vip-tickets( at )borussia.de (Bitte Kontaktdaten angeben)

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