NEWS: 27.02.2015

Ein Fußballspektakel ohne Happy End

Ein Fußballspektakel ohne Happy End
Trotz des Ausscheidens gegen den FC Sevilla feierten die VfL-Fans ihre Mannschaft.

Eine „unvergessliche Nacht“ hatte sich Sportdirektor Max Eberl im Vorfeld des Rückspiels gegen den FC Sevilla gewünscht. Eine denkwürdige Partie wurde es gestern tatsächlich, allerdings aus Borussias Sicht mit dem falschen Ausgang.

In der Schlussphase schwenkten Borussias Fans ihre Fahnen, reckten stolz ihre Schals in die Höhe und intonierten „Die Seele brennt“. Nach dem Abpfiff ließen sie die Fohlenelf hochleben und bedankten sich für das erneute Abenteuer Europa. „Ein Riesen-Kompliment und Dank an unsere Fans, die uns fantastisch unterstützt und für einen Hexenkessel gesorgt haben“, sagte Tony Jantschke stellvertretend für die gesamte Mannschaft. Ein Fußball-Laie hätte vermuten können, dass gestern nicht der FC Sevilla, sondern Borussia in das Achtelfinale der UEFA Europa League eingezogen ist. Die VfL-Anhänger bewiesen wieder einmal ihr gutes Gespür dafür, einen aufopferungsvollen Kampf des VfL zu honorieren. 90 Minuten lang hatte die Mannschaft von Trainer Lucien Favre alles gegeben, sich auch von einem zweimaligen Rückstand nicht beirren lassen. Doch all das reichte nicht, um den Titelverteidiger in die Knie zu zwingen. „Wir waren in beiden Partien die spielerisch bessere Mannschaft“ unterstrich Favre. „Aber wenn man solche Gegentore bekommt, ist es gegen so einen Gegner enorm schwierig.“

Zwei Rückschläge weggesteckt

Zweimal kamen die Gäste in der ersten Hälfte gefährlich vor das Gladbacher Tor – und beide Male schlugen sie eiskalt zu. Nach einer Flanke von Aleix Vidal bugsierte Abwehrchef Martin Stranzl den Ball bereits in der achten Minute gemeinsam mit Carlos Bacca ins eigene Tor, die UEFA sprach das Tor letztlich dem Kolumbianer zu. In der 26. Minute nutzte Vitolo den nächsten Konter zum zweiten Treffer. "Wenn man so hoch verteidigt, darf man nicht so einfach in Konter laufen. Daran müssen wir arbeiten“, so Stranzl. Doch weder von der frühen kalten Dusche noch von dem zweiten Rückschlag ließen sich die Borussen aus dem Konzept bringen. Sie ließen den Ball gegen die tiefstehenden Spanier um den Strafraum herum durch die eigenen Reihen laufen und suchten geduldig nach der Lücke. Diese fand Granit Xhaka nach feinem Doppelpass mit Patrick Herrmann und traf zum 1:1. Nach dem erneuten Rückstand setzte Raffael mit einem Diagonalpass Thorgan Hazard in Szene, und der Belgier ließ mit dem 2:2 die Hoffnungen aufs Weiterkommen wieder aufkeimen.

In der zweiten Hälfte zog sich Sevilla noch weiter zurück und überließ den Borussen nahezu komplett die Spielkontrolle. Angetrieben von ihren Fans warf die Fohlenelf alles in die Waagschale, um das Abwehrbollwerk der Spanier zu knacken. Es entwickelte sich ein Dauer-Sturmlauf des VfL, der teilweise das Tor der Gäste belagerte. „Wir haben viel nach vorne gespielt, sehr viel Risiko genommen und mehrere Torchancen kreiert“, sagte Favre. „Ich war überzeugt, dass alles möglich war. Wenn wir das 3:2 machen, bin ich mir sicher, dass wir es geschafft hätten.“ Die Möglichkeiten dazu waren da, ein Schuss von Max Kruse touchierte die Latte, einen Flachschuss von Xhaka fischte Sevillas Keeper Sergio Rico aus dem Eck. Zudem hätte Schiedsrichter Marijo Strahonja zweimal auf Handelfmeter entscheiden können.

Stattdessen aber fällte der Kroate in der 70. Minute eine andere, folgenschwere Entscheidung. Nach einem Foul von Xhaka an der Außenlinie schickte er den Schweizer mit Gelb-Rot vom Platz. „Es war schon mit Elf gegen Elf unheimlich schwierig. In Unterzahl war es dann noch schwieriger“, sagte Favre. Dennoch versuchten seine Schützlinge weiter alles, waren aber nicht mit dem Glück im Bunde. Hazard fehlten nur Zentimeter, der Ball landete am Innenpfosten statt im Netz. Als Favre dann mit zwei offensiven Wechseln die Schlussoffensive einläuten wollte, setzte Sevilla in Person von Vitolo den entscheidenden Konter zum 2:3-Endstand. So endete das Fußballspektakel aus Gladbacher Sicht ohne Happy End. „Wir sind enorm viel gelaufen, hatten fast 75 Prozent Ballbesitz gegen Sevilla – insgesamt war das sehr positiv“, lobte Favre, legte im gleichen Atemzug auch den Finger in die Wunde: „Wir müssen lernen, die Konzentration über das ganze Spiel halten zu können. Das ist ein Qualitätsmerkmal, das uns der Gegner voraus hatte. Trotzdem haben wir eine gute Europa League-Saison gespielt und brauchen uns nicht zu verstecken.“

Weiter Schlag auf Schlag

Für die Fohlenelf gilt es nun, den Schalter schnell wieder umzulegen. Lange Zeit, sich mit dem bitteren Aus zu beschäftigen, haben sie ohnehin nicht. Am Sonntag (15.30 Uhr) wartet mit dem Heimspiel gegen den SC Paderborn die nächste Aufgabe in der Bundesliga auf sie, am kommenden Mittwoch (20.30 Uhr) dann bei Kickers Offenbach die nächste Hürde im DFB-Pokal. „Es geht weiter Schlag auf Schlag, weshalb wir die Partie gegen Sevilla schnell abhaken müssen. Wir haben noch große Ziele, und auf die müssen wir uns nun konzentrieren“, sagte Stranzl. Nach aktuellem Stand stehen Favre am Sonntag alle Spieler zur Verfügung. Zwar klagten Alvaro Dominguez und Patrick Herrmann heute über leichte Blessuren, ihr Einsatz gegen die Ostwestfalen ist aller Voraussicht nach aber nicht gefährdet.