NEWS: 12.12.2010

„Wem gehört Borussia?“

„Wem gehört Borussia?“
Das VfL-Präsidium (v.l.): Rainer Bonhof, Rolf Königs und Siegfried Söllner.

Am Dienstag wurde von einer sogenannten „Initiative Borussia“ bei einer Pressekonferenz der Antrag auf Änderung der Vereinssatzung öffentlich vorgestellt. Wir sprachen darüber mit Borussias Präsidium, Rolf Königs, Siegfried Söllner und Rainer Bonhof.

Herr Königs, es gibt einen Antrag auf Änderung der Vereinssatzung, der in Aussagen der Antragsteller damit begründet wird, dass Borussia keine zeitgemäße Satzung habe. Was gibt es dazu zu sagen?

Rolf Königs: Borussia Mönchengladbach hat eine zeitgemäße Satzung, die den Richtlinien der DFL entspricht. Borussia ist ein Traditionsverein. In den 110 Jahren des Bestehens dieses Vereins wurde die Satzung immer wieder nach den Wünschen der Mitglieder angepasst und verändert. Wer behauptet, Borussia habe eine Satzung aus dem Jahr 1900, der kennt Borussias Geschichte nicht. Möglicherweise entspricht Borussias Satzung nicht exakt der eines Wirtschaftsunternehmens, aber das ist auch richtig so. Denn wir sind ein Fußballverein, in dem die Mitglieder Einfluss nehmen können.

Wie wird Borussia mit dem Antrag auf Satzungsänderung umgehen?

Rolf Königs: So wie wir es auch in den vergangenen Jahren getan haben. Der Antrag, der bei uns am 6. Dezember von einem Rechtsanwalt abgegeben wurde, wird den Mitgliedern bei der Mitgliederversammlung zur Abstimmung vorgelegt. Daran ist nichts Besonderes. Ungewöhnlich ist allerdings, dass ein Antrag auf Satzungsänderung bei einer Pressekonferenz vorgestellt wird, bei der sich eine Gruppe der Öffentlichkeit präsentiert.

Rainer Bonhof: Und dabei wird unsere aktuelle sportliche Situation genutzt, um mit populistischen Parolen und der Verbreitung von Unwahrheiten eine möglichst große Resonanz zu erzielen und Unruhe zu stiften. Zu den Personen, die hinter dieser Kampagne stecken, werde ich mich nicht äußern. Da sollen sich unsere Fans und Mitglieder selbst eine Meinung bilden. Unsere Aufgabe ist es, jedem klarzumachen, dass es hier um die zukünftige Ausrichtung unseres Vereins geht, und diese Debatte sollte man losgelöst von den durch die sportliche Situation entstandenen Emotionen führen.

Emotionen werden momentan von außen viele herein getragen, zum Beispiel in einem Interview von Berti Vogts, der sich kritisch über Borussia geäußert hat.

Rainer Bonhof: Das hat mich von Berti sehr enttäuscht. Er kann die Dinge, über die er redet, von außen gar nicht beurteilen. Ich bin jetzt seit fast zwei Jahren hier dabei, und sehe, wie hier jeden Tag gearbeitet wird. Wir haben mit den beiden hauptamtlichen Geschäftsführern Max Eberl für den Sport und Stephan Schippers für den kaufmännischen Bereich ein professionelles Management. In der Person von Stephan Schippers sind wir auch im Aufsichtsrat der DFL und im Vorstand des DFB vertreten. Borussia hat durch die Arbeit der letzten Jahre erstmals in der Vereinsgeschichte eine eigene Infrastruktur, ein eigenes Stadion und Eigenkapital. Das gab es früher doch gar nicht. Und Borussia ist Inhaber aller Rechte. Hier wird professionell und gut gearbeitet.

Bei der Pressekonferenz teilten die Antragsteller mit, sie wollten mehr Rechte für Borussias Mitglieder. Geht das aus dem Antrag hervor?

Rolf Königs: Bei der Mitgliederversammlung 2009 haben die Vereinsmitglieder die Satzung dahingehend geändert, dass sie alle sieben Mitglieder des Aufsichtsrates wählen. Als wir im Jahr 2002 die Lizenzspielerabteilung in eine Kapitalgesellschaft, unsere GmbH, ausgegliedert haben, war es unser ausdrücklicher Wunsch, dass die von den Mitgliedern gewählten Mitglieder des Aufsichtsrats des Vereins in Personalunion auch den Aufsichtsrat der GmbH bilden. So sieht es unsere aktuelle Satzung vor und auf diesem Weg haben die Mitglieder nicht nur den direkten Zugriff auf den Verein, sondern auch auf die GmbH, also den Profibereich. Das soll nun mit dem vorgelegten Antrag geändert werden.

Siegfried Söllner: Die Antragsteller haben öffentlich erklärt, dass sie zwei getrennte Aufsichtsräte wollen. Den Aufsichtsrat für den Verein, in dem es um die Abteilungen Jugendfußball, Handball und Tischtennis geht, sollen die Mitglieder wählen. Der Aufsichtsrat für die GmbH, in der der Spielbetrieb der Bundesligamannschaft und alle dazu gehörenden Bereiche wie das Stadion liegen, sollen neben den ehrenamtlichen Präsidiumsmitgliedern Geldgeber besetzen, die Anteile von Borussia kaufen und das mit Einflussnahme verbinden. Darauf haben die Mitglieder dann keinen Einfluss mehr. Ich sehe nicht, wo darin eine Aufwertung der Mitbestimmungsmöglichkeit der Mitglieder liegen soll.

Auch das Präsidium soll dem Antrag zufolge direkt gewählt werden.

Rolf Königs: Das wäre nach den Richtlinien der DFL nur machbar, wenn die Präsidiumsmitglieder nicht mehr Geschäftsführer in der GmbH wären. Somit wäre ein direkter Einfluss der Mitglieder auf die GmbH nicht mehr gegeben.

Ein Punkt im Antrag sieht vor, dass ein Vertreter eines Fanclubs einen Sitz im Aufsichtsrat haben soll. Was halten Sie von der Idee?

Siegfried Söllner: Auch hier geht es nur um den Aufsichtsrat des Vereins, nicht der GmbH. Es liegt ein anderer Antrag auf Satzungsänderung vor, der von der Gruppe um Herrn Weigand kommt, die im vergangenen Jahr erfolgreich eine Satzungsänderung erwirkt hat. In diesem Antrag geht es darum, dass der Vorsitzende oder ein von ihm benanntes Vorstandsmitglied des Fanprojekts automatisch einen Sitz im Ehrenrat hat, also bei der Wahl des Aufsichtsrats Einfluss auf die Wahlvorschläge nehmen kann. Das Fanprojekt ist der Dachverband der Borussia-Fans mit rund 4.000 Mitgliedern. Dieser Vorschlag, den Vorsitzenden des Fanprojekts in die Vereinsgremien zu integrieren, erscheint mir daher sinnvoller.

Worauf wird das alles hinauslaufen?

Rolf Königs: Verein und GmbH sind für uns eine Einheit. Das wird besonders durch den Aufsichtsrat in Personalunion gewährleistet.

Rainer Bonhof: Letztlich geht es um die Frage: Wem gehört Borussia Mönchengladbach? Also nicht nur der Verein, sondern auch die GmbH. Gehört Borussia den Mitgliedern oder gibt man Borussia in die Hand von Geldgebern? Darüber werden unsere Mitglieder entscheiden müssen.

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