NEWS: 08.03.2015

Von Schlüsselszenen und Spitzenteams

Von Schlüsselszenen und Spitzenteams
Eine von zwei Schlüsselszenen: Max Kruse hat das 3:1 auf dem Fuß, trifft aber in dieser Szene nur den Innenpfosten.

Die Enttäuschung über das Remis in Mainz war angesichts des Spielverlaufs groß bei den Borussen. Sie haderten mit zwei entscheidenden Szenen, die zu ihren Ungunsten endeten.

An nächtliche Ankünfte im BORUSSIA-PARK haben sich die Borussen in dieser Woche gewöhnen müssen. Am Mittwoch, nach dem Pokalspiel in Offenbach, war der neue Tag schon fast drei Stunden alt, ehe der Mannschaftsbus die Heimat erreichte. Am Samstag nach dem Ligaauftritt im nur unwesentlich näher gelegenen Mainz war die Fohlenelf immerhin etwas früher wieder daheim, dafür aber deutlich enttäuschter als wenige Tage zuvor. „Wir haben 2:0 geführt und das Spiel eigentlich gut kontrolliert. Wenn man dann am Ende nur einen Punkt holt, ist das sehr bitter.“ Diese Sätze stammen von Ibrahima Traoré, wurden so oder so ähnlich aber von beinahe jedem Borussen gesagt, der im Bauch der Mainzer Arena vor die Fernsehkameras, Radiomikrofone oder Diktiergeräte der Journalisten trat. Sie alle sprachen über Ergebnis, das vor dem Spiel womöglich jeder zufrieden akzeptiert hätte, das nach dem Spielverlauf allerdings eher wie eine Niederlage für den VfL anmutete.

Die Fohlenelf hatte sich unter dem neuen Mainzer Trainer Martin Schmidt auf eine aggressive Heimmannschaft eingestellt und ließ die Rheinhessen in den Anfangsminuten dementsprechend erst einmal kommen. Die Gastgeber gewannen in dieser Phase mehr Zweikämpfe und hatten auch mehr Spielanteile, weil der VfL aber kompakt stand und konzentriert verteidigte, passierte zunächst auf beiden Seiten nicht viel. Und wie schon in Offenbach zeigte sich Borussia in der Offensive äußerst effektiv. Die erste Chance nutzte Raffael per Kopf gleich zur Führung für die Gäste. Bis zur Pause hätte sowohl der Ausgleich fallen können, als Okazaki die Latte traf, als auch das 2:0 für die Fohlenelf, als Max Kruse mit einem Flachschuss aus halblinker Position nur knapp das Gehäuse der Hausherren verfehlte. Auch im zweiten Abschnitt agierte die Fohlenelf zunächst souverän und abgeklärt. Mainz erhöhte zwar den Druck, war aber nicht zwingend genug oder scheiterte an der nach wie vor gut aufgestellten Defensive der Borussen. Die versuchten immer wieder das Spiel zu beruhigen, indem sie den Ball möglichst lange in den eigenen Reihen hielten und geduldig auf eine sich bietende Lücke im Defensivverbund der Mainzer warteten. In Vollendung praktizierte die Fohlenelf das vor dem 2:0, als das Spiel von der rechten auf die linke Seite verlagert wurde und mit einem Kontakt der Ball plötzlich schnell vor den Mainzer Kasten gepasst wurde, wo Raffael erneut völlig freistehend sein zweites Tor nachlegte und eine scheinbar komfortable Führung für den VfL herausschoss.

Freistoß ein "kleines Geschenk"

„Für mich war das Spiel zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht entschieden“, sagte Sportdirektor Max Eberl. „In der Bundesliga darf man nicht glauben, dass ein 2:0 in der 70. Minute automatisch zu einem Sieg führt. Gerade bei einem Auswärtsspiel kann eine Partie schnell kippen, wenn die Heimmannschaft den Anschluss erzielt.“ Was Eberl meinte, erlebten die Borussen zum Leidwesen der mitgereisten Fans schon kurz nach dem 2:0. Einen zumindest fragwürdigen Freistoß, den VfL-Trainer Lucien Favre als „kleines Geschenk“ bezeichnete, nutzten die Mainzer zum 1:2. Den Treffer aus rund 30 Metern nahm VfL-Torhüter Yann Sommer auf seine Kappe. Vorwürfe machte ihm niemand. „So etwas passiert im Fußball und Yann hat uns schon so viele Punkte gerettet“, sagte Tony Jantschke. Einig war man sich im Lager des VfL aber darüber, dass der Treffer eine von zwei Schlüsselszenen des Spiels war. „Es war klar, dass Mainz nach dem Tor mit dem Publikum im Rücken alles versuchen würde, den Ausgleich zu erzielen“, sagte Christoph Kramer. Bedauerlich, dass es nur vier Minuten dauerte, ehe den Gastgebern das gelang, als die Borussen einen langen Einwurf nur unzureichend aus der Gefahrenzone entfernten und Okazaki letztlich am langen Pfosten einnickte. Davor gab es die zweie Schlüsselszene, die zu Ungunsten der Borussen endete. Keine zwei Minuten nach dem Anschlusstreffer bediente der eingewechselte Patrick Herrmann mit einem Steilpass Max Kruse, der frei vor dem Mainzer Kasten beinahe alles richtig machte, aber nur den Innenpfosten traf. Ohne dem Torjäger einen Vorwurf machen zu wollen, stellte Sportdirektor Max Eberl hinterher klar. „Wir werden inzwischen sehr gerne als Spitzenmannschaft tituliert. Eine Spitzenmannschaft macht aber das Tor. Wir haben es nicht geschafft. Das zeigt, dass wir nach wie vor dabei sind zu lernen.“

Lucien Favre sah das genauso. Der Schweizer bemängelte zu viele leichte Ballverluste aufgrund technischer Fehler und monierte, dass bei mehreren Gegenstößen der letzte Pass nicht präzise genug gespielt wurde. „Wir hätten noch mehr Ballbesitz haben müssen“, so Favre. „Als wir geführt haben, hätten wir den Ball noch mehr in den eigenen Reihen halten und das Spiel immer wieder verlagern müssen. Dann wären wir nicht Gefahr gelaufen, dumme Konter zu bekommen.“ Angesichts des Spielverlaufs sah sich der Schweizer zudem einmal mehr darin bestätigt, dass in der Bundesliga um jeden Punkt gekämpft werden muss. „Wir haben bei beiden Gegentoren Fehler gemacht. Das gehört dazu. Ich habe aber auch viele positive Dinge gesehen. Wir haben Chancen kreiert, Fußball gespielt, nur zu wenig Ballbesitz gehabt.“

Drei freie Tage

Seit vier Bundesligapartien ist seine Mannschaft nunmehr ungeschlagen. Zu Hause gab es zwei Siege, auswärts in Hamburg und Mainz zwei Unentschieden, die unterschiedlicher kaum zu Stande kommen konnten. „Jetzt wollen wir es nächste Woche gegen Hannover wieder besser machen“, gab Ibrahima Traoré bereits die Richtung für das anstehende Heimspiel am Sonntag (17.30 Uhr, Tickets hier) vor. Erstmals seit drei Wochen steht der Fohlenelf keine Englische Woche bevor. Deshalb gab Favre seiner Mannschaft auch erst einmal bis zum kommenden Mittwoch frei, ehe mit zwei Einheiten die Vorbereitung auf die Partie gegen Hannover aufgenommen wird. Ob Martin Stranzl dann dabei sein wird, ist noch unklar. Der Innenverteidiger klagte schon in der Halbzeit über muskuläre Probleme hinten im Oberschenkel und wurde nach 70 Minuten ausgewechselt, um keine schwerwiegende Verletzung zu riskieren. „Ich hoffe, dass es nur eine Verhärtung ist“, sagte der Österreicher nach dem Spiel.

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