NEWS: 23.03.2015

Bodenhaftung trotz Bonuspunkten

Bodenhaftung trotz Bonuspunkten
Nach dem Abpfiff bejubelten die Borussen den Sieg gemeinsam mit den rund 8.000 mitgereisten VfL-Fans.

Mit großem Stolz, aber ohne Überschwang bewerteten die Borussen den gestrigen 2:0-Sieg beim FC Bayern München, mit dem sie in der Bundesliga-Tabelle den dritten Platz festigten.

Gladbach entzaubert die Bayern (Süddeutsche Zeitung), Favre trickst Guardiola aus (Bild), Raffael düpiert die Bayern (Rheinische Post) oder Gladbach zaubert in München (WAZ) – die Zeitungen überschlugen sich nach dem dritten Sieg der Fohlenelf in der Bundesligahistorie beim FC Bayern mit Lob. Überraschend ist das nicht - Borussia holte in dieser Saison vier Zähler gegen den unangefochtenen Spitzenreiter, blieb als bislang einziges Team in der Liga in beiden Spielen gegen ihn ohne Gegentreffer und schaffte es als erste Mannschaft seit fast einem Jahr wieder, in der Allianz Arena zu triumphieren. Noch dazu schob sich der VfL in der Rückrundentabelle am Rekordmeister vorbei und liegt in dieser Wertung nun punktgleich mit dem VfL Wolfsburg an der Spitze.

Wenn man diese Fakten betrachtet, wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn die Borussen nach dem 2:0-Erfolg gestern in Euphorie ausgebrochen wären. Doch das Gegenteil war der Fall. Natürlich freuten sie sich riesig über den Überraschungscoup, verloren dabei aber keineswegs die Bodenhaftung. „Im Endeffekt bringt auch dieser Sieg nur drei Punkte, aber das Spiel sollte dem einen oder anderen Spieler noch mehr Selbstvertrauen für die kommenden Aufgabe geben“, sagte Martin Stranzl. „Das sind drei Bonuspunkte, weil in München bislang keine Mannschaft außer uns gewonnen hat. Das bringt aber alles nichts, wenn wir die nächste Partie gegen Hoffenheim verlieren. Dann sind die Bonuspunkte weg“, mahnte Christoph Kramer. Etwas weniger nüchtern formulierte Patrick Herrmann seine Gefühlslage: „Man erlebt nicht alle Tage, dass man in München 2:0 gewinnt. Das ist schon ein riesiger Tag für uns.“

Überraschender Führungstreffer

In der Anfangsphase sprach nicht allzu viel dafür, dass dieser Tag so traumhaft enden würde. Der Rekordmeister schnürte die Borussen tief in die eigene Hälfte ein. Entlastung war in dieser Phase so gut wie gar nicht angesagt. „Bayern hat in den ersten 20 Minuten hervorragend gespielt. Es war schwierig für uns, weil wir kaum Ballbesitz hatten“, sagte Trainer Lucien Favre. Ab Mitte der ersten Hälfte gelang es seiner Mannschaft, sich aus der Umklammerung zu befreien. Hilfreich war da selbstverständlich der überraschende Führungstreffer durch Raffael. Nach feiner Vorarbeit von Herrmann traf der Brasilianer per Direktabnahme zum 1:0. Dass Nationaltorwart Manuel Neuer dabei keine glückliche Figur machte, interessierte Raffael weniger: „Ich habe den Ball super erwischt und er kam sehr hart auf das Tor. Für Manuel war es etwas Pech, aber ich habe mich natürlich riesig gefreut, dass er reingegangen ist.“

Die Führung gab der Fohlenelf viel Selbstvertrauen. „Je länger das Spiel gedauert hat, desto besser wurde es von uns“, befand Tony Jantschke. Vorne attackierten André Hahn und Raffael die Bayern schon früh im Aufbau. Dahinter machten zwei laufstarke und jederzeit hellwache Viererketten den Bayern das Leben schwer. Und fehlte den Borussen im ersten Durchgang noch ein wenig der Mut, nach vorne zu spielen, änderte sich das Bild nach der Pause. Nun spielten sie clever und sicher von hinten heraus, ohne dabei die Ordnung zu verlieren. „Die zweite Hälfte war viel besser. Wir haben gute Lösungen gefunden und Fußball gespielt“, lobte Favre. Während sich die Bayern an der dicht gestaffelten Abwehr die Zähne ausbissen, fuhr der VfL immer wieder gefährliche Konter. Hahn hätte mit seinem Pfostenkracher beinahe schon für die Vorentscheidung gesorgt, diese war wenige Minuten später Raffael vorbehalten, der einen Bilderbuch-Angriff vollendete. „Besser hätte es nicht laufen können. Hier in München zu gewinnen, dazu noch zwei Tore zu schießen – das ist ein unvergesslicher Tag für mich“, meinte der Doppel-Torschütze.

„Weiter wachsam sein“

Mit dem nicht eingeplanten „Dreier“ behauptete Borussia in der Tabelle ihren dritten Platz. Doch auch von derzeit acht Zählern Vorsprung vor dem fünftplatzierten FC Schalke 04 ließen sich die Spieler nicht blenden. „Acht Punkte sind ein schönes Polster, aber wir haben noch acht Spiele, da kann noch sehr, sehr viel passieren“, warnte Jantschke. Stranzl richtete den Blick bereits auf das nächste, schwere Spiel am Karsamstag (15.30 Uhr) in Hoffenheim: „Wir müssen weiter wachsam sein. Jeder weiß, dass wir dort in den letzten Jahren nicht besonders gut ausgesehen haben.“

Zunächst können die Borussen nun aber zwei freie Tage genießen. Erst am Donnerstag (15 Uhr) versammelt Favre seine Schützlinge wieder um sich. Am Samstag (14 Uhr) steht dann ein Test gegen den FC St. Pauli auf dem Programm. Neun Nationalspieler werden fehlen, sie machten sich bereits heute auf den Weg zu ihren Nationalmannschaften. Auf ihren Flügen wird der eine oder andere sicher einen Blick die Zeitung geworden haben und sich an den Schlagzeilen erfreut haben – ohne dabei den Blick aufs Wesentliche zu verlieren. „Solange Lucien Favre, Max Eberl und Rainer Bonhof bei uns im Verein sind, wird keiner auf die Idee kommen, abzuheben“, betonte Jantschke.

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