NEWS: 18.10.2015

Brutal schwer zu verteidigen

Brutal schwer zu verteidigen
Raffael (rechts) krönte seine starke Leistung mit einem Doppelpack.

Mit dem gestrigen 5:1-Sieg in Frankfurt hat Borussia ihren Aufwärtstrend fortgesetzt. Sie ließ sich auch durch einen kurzzeitigen Rückschlag nicht beirren und drehte nach der Pause mächtig auf.

Nach dem Abpfiff konfrontierten die TV-Reporter André Schubert mit jeder Menge Zahlen. Er habe mit seinem vierten Sieg im vierten Bundesligaspiel die Marke von Bundestrainer Jogi Löw eingestellt. Zum Rekord von Willi Entenmann, der einst zum Start sechsmal in Folge gewann, würden nur noch zwei Siege fehlen. Borussias Coach konnte über diese Dinge nur lächeln. „Schnurzegal“ sagte er, seien ihm diese Rekorde. „Das Einzige, was mich interessiert ist, dass wir das Spiel gewonnen haben. Nach einer Länderspielpause ist es oftmals nicht so leicht, aus den Startlöcher zu kommen, doch das haben die Jungs sehr gut hinbekommen.“

Sinnbild der Entschlossenheit

Tatsächlich war sein Team von Beginn an sehr präsent auf dem Platz und gewillt, den nächsten Dreier einzufahren. Sinnbild dieser Entschlossenheit war Granit Xhaka, der trotz eines Außenbandrisses im Sprunggelenk auf die Zähne biss. „Granit geht derzeit als Kapitän vorneweg. Seine Leistung hat gezeigt, wie wichtig er für uns ist“, sagte Sportdirektor Max Eberl. Mit einem überragenden Diagonalpass über mehr als 50 Meter auf Ibrahima Traoré leitete der Schweizer auch die Führung durch Raffael ein. Borussia schien die Partie danach im Griff zu haben, doch durch einen Strafstoß kam die Eintracht überraschend zum Ausgleich. „Vor dem Elfmeter ist Alvaros Rückpass zu kurz geraten. Ich war mir nicht sicher, ob ich zuerst an den Ball komme oder ob ich warten soll. Möglicherweise habe ich zu lange gezögert, daher muss ich das Ding auf meine Kappe nehmen“, gab Keeper Yann Sommer ehrlich zu. Dass ihn in dieser Situation die Spezialmaske, die er wegen seines Nasenbeinbruchs tragen musste behindert habe, schloss er aus: „Das Ganze wäre ohne Maske genauso passiert.“

Den Gegner überrollt

Bis zur Pause entwickelte sich eine ausgeglichene Partie. „Es war eine der wenigen Phasen des Spiels, in der wir ein paar Probleme hatten, ohne jedoch in arge Bedrängnis zu geraten“, sagte Eberl. Doch was für eine Reaktion die Mannschaft nach der Pause gezeigt habe, sei wirklich bemerkenswert gewesen. Borussia überrollte die Gastgeber jetzt förmlich und entschied das Match binnen einer Viertelstunde für sich. Dabei glänzte der Jüngste auf dem Platz am meisten: Erst traf Mahmoud Dahoud mit einem abgefälschten Schuss selbst zum 2:1, dann bereitete der 19-Jährige das 3:1 von Raffael mit einem feinen Steckpass vor. „Mo hat eine sensationelle Leistung abgeliefert. Er hat seine fußballerischen Qualitäten eingebracht, vor allem aber auch sehr gut verteidigt“, lobte Eberl, warnte aber im gleichen Atemzug davor, nun zu hohe Erwartungen an das Eigengewächs zu stellen: „Mo profitiert momentan davon, dass die gesamte Mannschaft derzeit viel Selbstvertrauen hat. Er spielt sehr konstant, aber wir müssen behutsam mit ihm umgehen. Er ist mit seinen 19 Jahren noch sehr jung, und die aktuelle Belastung für ihn ist sehr hoch.“

Raffael krönt starke Leistung

Weniger von seinem Tor als vielmehr von seinem Pass auf Raffael war Trainer Schubert angetan: „Mo hat in der richtigen Sekunde gespielt, und Raffael ist in der richtigen Sekunde gestartet, so ist ein wunderbares Tor herausgekommen.“ Für den seit Wochen brillant aufspielenden Brasilianer war es an diesem Abend Tor Nummer zwei, womit er in seinem 200. Bundesligaspiel seine starke Leistung krönte. „Raffael hat sich selbst aus seiner schwierigen Situation befreit. Er hat einen Haken an die ersten Saisonspiele gemacht und nach vorne geschaut“, sagte Schubert. „Raffa hat eine überragende Qualität, und das zeigt er jetzt. Bei ihm sieht es immer sehr locker aus, wenn er läuft, er ist aber furchtbar schnell und ist brutal schwer zu verteidigen.“ Brutal schwer zu verteidigen – das traf im zweiten Durchgang jedoch auf die gesamte Mannschaft zu. Nach Balleroberungen schaltete sie extrem schnell um und brachte die Frankfurter damit immer wieder in arge Nöte. „Die Jungs haben die Vorgaben super umgesetzt. Wir wollten nach Ballgewinnen möglichst schnell nach vorne marschieren und, wenn der Gegner noch unsortiert ist, in die Tiefe spielen – das haben wir in der zweiten Hälfte überragend gemacht“, befand Schubert. Sein Team ließ bis zum Ende nicht locker und schraubte das Ergebnis durch einen Doppelpack von André Hahn auf 5:1 in die Höhe. „Die Frankfurter spielen sehr speziell, doch wir haben ihre Konter schon im Keim erstickt und uns auch bei den Standardsituationen im Kopfballspiel sehr clever angestellt. Und dass wir vorne Qualität haben, das wissen wir“, bilanzierte Schubert.

Riesenherausforderung in Turin

Nach dem vierten Bundesliga-Sieg in Folge kann die Fohlenelf nun mit breiter Brust zum UEFA Champions League-Duell am Mittwochabend (20.45 Uhr) bei Juventus Turin reisen. „Die Jungs tanken mit jedem guten Spiel und jeder gelungenen Aktion mehr Selbstvertrauen. Sie glauben an sich, das hat man dem Spiel angemerkt“, sagte Eberl. Die Partie beim Vorjahresfinalisten der Königsklasse sei nun eine Riesenherausforderung. Eberl: „Wir wollen dort das zeigen, was wir können – und das ist derzeit sehr viel.“

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