NEWS: 31.08.2016

„Mit so einem Start rechnet man nicht“

„Mit so einem Start rechnet man nicht“
Sportdirektor Max Eberl

Standpunkt: Sportdirektor Max Eberl spricht über Borussias gelungenen Saisonstart und die weiteren Aussichten der Fohlenelf in Bundesliga und UEFA Champions League.

Max, Borussia ist mit vier Siegen aus den ersten vier Pflichtspielen in die Saison 2016/17 gestartet. Hattest Du damit gerechnet, dass es so gut laufen würde?

Max Eberl: Nach einer sehr guten Vorbereitung wünscht man sich natürlich so einen Start, aber man kann nicht damit rechnen. Wir hatten schon Respekt vor der besonderen Situation, gleich zu Beginn drei K.o.-Spiele zu haben. Und wenn man in der Bundesliga am ersten Spieltag auf Bayer Leverkusen trifft, dann kann man auch nicht davon ausgehen, dass man mit einem Sieg beginnt. Die ersten Schritte in die Saison sind sehr gut gelungen.

Gibt das schon Aufwind für den weiteren Saisonverlauf?

Max Eberl: Damit bin ich vorsichtig. Dass wir im DFB-Pokal weitergekommen sind, war wie fast immer in der ersten Runde, eine Pflichtnummer. Gegen Bern in den Champions-League-Playoffs waren wir der Favorit und sind dieser Rolle mit sehr guten Leistungen gerecht geworden. Leverkusen war die erwartet schwere Aufgabe gegen einen richtig starken Gegner. Nochmal: Wir sind sehr zufrieden mit dem Start, wir denken aber auch nicht, dass jetzt alles ganz geschmeidig so weiter geht.

Wie das nun mal läuft, werden schon nach dem ersten Spieltag Tendenzen abgeleitet: Die Bayern werden wieder Meister, Schalke und Hamburg haben noch immer Probleme, Dortmund und Gladbach sind die Bayern-Jäger …

Max Eberl: … genau. Aber das Schöne ist ja, dass man weiß, dass nach dem zweiten Spieltag schon wieder alles anders interpretiert werden kann. Damit müssen wir leben. Wichtig ist, dass wir unser Ding durchziehen und uns nicht den Kopf verdrehen lassen. Beginnend mit dem Spiel in Freiburg am 10. September haben wir in 21 Tagen sieben Spiele, fünf in der Bundesliga, zwei in der Champions League. Das alles verbunden mit recht langen Reisen nach Freiburg, nach Manchester und nach Leipzig. Das wird an die Substanz gehen und unsere totale Konzentration erfordern. Da ist kein Platz für Träumereien, da gilt es, Spiel für Spiel zu nehmen.

Wovon die Fans seit Jahren träumen, sind Spiele gegen die ganz Großen des europäischen Fußballs. Jetzt wird der Traum wahr, jetzt kommt der FC Barcelona. Bist Du glücklich über die schwere Gruppe in der Champions League oder hättest Du dir ein etwas einfacheres Programm gewünscht?

Max Eberl: Wir hatten ja letztes Jahr schon drei ganz Große des europäischen Fußballs in der Gruppe. Aber Barcelona ist noch einmal ein Highlight. Das sind Spiele, von denen man vielleicht sein ganzes Leben lang erzählt. Ich denke, dass wir stolz sein dürfen, dass wir es geschafft haben, uns auch einmal mit einer solchen Mannschaft messen zu dürfen. Und zwar nicht in einem Freundschaftsspiel, sondern in einem Pflichtspiel in der Gruppenphase der Champions League. Ich freue mich sehr darauf, Marc-André ter Stegen im BORUSSIA-PARK spielen zu sehen. Und ich freue mich auf ‚Leo‘ Messi und die anderen Topstars und bin gespannt, wie unsere Jungs sich gegen diese Supermannschaft schlagen.

Du weist regelmäßig daraufhin, wie sich Borussias Mannschaft von Jahr zu Jahr weiterentwickelt. Jetzt ist die Mannschaft um die Erfahrung einer Saison in der Champions League reicher. Hast Du damit geliebäugelt, diesmal die Gruppenphase zu überstehen?

Max Eberl: Erstmal ist es eine unfassbare Leistung, dass wir nach dem schwierigen Start in der letzten Saison nun wieder Champions League spielen dürfen. Schon die Europa League wäre fantastisch gewesen. Schaut man sich alle Gruppen an, dann gibt es da schon die eine oder andere, bei der ich sage: Da könnten wir im Rennen um die ersten beiden Plätze ein Wörtchen mitreden. In unserer Gruppe mit Barca, Man City und Celtic wäre das ein weiteres Wunder. Aber wir haben uns vorgenommen, von Spiel zu Spiel zu denken und der große Traum wäre es, in Europa zu überwintern und auch im Frühjahr noch internationale Spiele zu haben.

Die UEFA hat am Tag nach der Auslosung in Monaco beschlossen, dass der Qualifikationsmodus für die Gruppenphase ab 2018 modifiziert wird. Künftig erhalten die besten vier Ligen, also auch die Bundesliga, vier direkte Startplätze, die Playoffs für den Vierten entfallen. Begrüßt Du diese Regelung?

Max Eberl: Für die vier Top-Ligen (Spanien, Deutschland, England, Italien) ist es auf jeden Fall eine Verbesserung. Wenn Du als Vierter nicht mehr die Ungewissheit hast, ob es die Champions oder die Europa League wird, ist das natürlich angenehmer. Umgekehrt macht es aber den Weg in die Gruppenphase für die Meister aus kleineren Ligen, wie zum Beispiel die Schweiz, schwerer. Darüber wird nicht jeder glücklich sein.

Im BORUSSIA-PARK spielt die deutsche Nationalmannschaft heute gegen Finnland. Von Borussia ist kein Spieler dabei. Hast Du gehofft, dass aufgrund des Spielorts ein Gladbacher nominiert wird?

Max Eberl: Das wünscht man sich für die Jungs ja immer. Ich glaube auch, dass Spieler wie Christoph Kramer, Lars Stindl, André Hahn, Patrick Herrmann oder Mahmoud Dahoud durchaus auf dem Zettel des Bundestrainers stehen. Das wird richtigerweise aber nicht mit dem Spielort in Verbindung gebracht, da hat man beim DFB schon andere Kriterien und das ist auch richtig so. Aber ich bin ziemlich sicher, dass im Laufe dieser Saison noch der eine oder andere von unseren Spielern in der Nationalmannschaft auftauchen wird.

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