NEWS: 14.11.2016

"Kein automatischer Anspruch auf das obere Drittel"

"Kein automatischer Anspruch auf das obere Drittel"
Präsidiumsmitglied Hans Meyer

Standpunkt: Präsidiumsmitglied Hans Meyer spricht über Länderspielpausen, das erste Saisondrittel, Erwartungshaltungen, Kaderplanung und die bevorstehenden Aufgaben.

Hans Meyer, wir befinden uns gerade in der dritten Länderspielpause dieser Saison. Immer wieder wird über den Spielplan diskutiert, wenn der Ligabetrieb für zwei Wochen unterbrochen werden muss – diesmal ist Bayern-Vorstand Karlheinz Rummenigge der Wortführer. Wie sieht eigentlich ein Trainer diese Pausen?

Hans Meyer: Jeder Trainer möchte seine Mannschaft am liebsten immer um sich haben, um mit ihr arbeiten zu können. Gerade wenn man sonst nur englische Wochen hat und kaum zum Trainieren kommt, wäre es natürlich eine feine Sache, mal sieben, acht Tage am Stück sinnvoll an taktischen Dingen zu arbeiten. Wenn aber die Hälfte der Mannschaft zu Länderspielen unterwegs ist, ist das auch nur sehr eingeschränkt möglich. Uns kommt die Pause diesmal aber sicher eher gelegen. Hoffen wir, dass wir ab der kommenden Woche die meisten verletzten Spieler wieder zur Verfügung und hoffentlich auch spielfit haben.

Nach zehn Spieltagen in der Bundesliga, vier Spieltagen in der Champions League und zwei Runden im DFB-Pokal ist es nicht mehr zu früh für eine Zwischenbilanz. Ein Viertel der Saison ist gespielt. Wie fällt für Borussia das Fazit aus?

Hans Meyer: Wir überwintern im DFB-Pokal und haben die Aussicht und die Chance auf mehr. Wenn man sich ansieht, wie schwer sich viele Bundesligisten im Pokal mit den unterklassigen Gegnern tun, sollte man darauf verzichten, bei uns ein Haar in der Suppe zu suchen. Das Spiel gegen Stuttgart war aus meiner Sicht kompliziert und wir haben es recht souverän gewonnen. In der Champions League haben wir vor der Saison gesagt: Die Spiele gegen Celtic werden der Schlüssel sein, um in Europa zu überwintern. Wir haben vier Punkte geholt und damit eine sehr gute Chance, im Februar in der Europa League weiterspielen zu dürfen.

In der Bundesliga belegt die Mannschaft mit drei Siegen, drei Unentschieden und vier Niederlagen nach zehn Spielen Platz elf. Nach den letzten vier überragenden Jahren führt das nun zu kritischen Stimmen.

Hans Meyer: Wir sollten zumindest bei unserer internen Aufarbeitung nicht so engstirnig sein und nur auf Punkte und den Tabellenplatz schauen, das ist zwar üblich aber nicht zielführend. Für mich ist es logisch, dass bei der Ausgeglichenheit der Liga unter gewissen Umständen auch mal ein Tabellenplatz rauskommen kann, mit dem man nicht so glücklich ist und der den unglaublich gestiegenen Erwartungen nicht entspricht. Wir sind kein Klub mit einem automatischen Anspruch auf einen Platz im oberen Drittel. Wir können dort mit unserer Mannschaft landen, wenn bei uns alles gut läuft und es unter der Konkurrenz Teams gibt, die schwächeln. Aber es kann eben auch mal passieren, dass wir selber mit Problemen zu kämpfen haben und schwächeln und dann eben andere da sind, die sich vor uns schieben.

Was sind diese Probleme?

Hans Meyer: Ganz offensichtlich die Schwierigkeiten, die wir haben, wenn uns über einen längeren Zeitraum acht, neun Spieler, darunter vier oder fünf absolute Stammspieler, nicht zur Verfügung stehen. Wir haben zwar einen Kader, der in der Breite gut besetzt ist, können aber in den englischen Wochen die Belastung nicht mehr so gut verteilen wie man es gerne tun würde. Das geht dann irgendwann an die Substanz. Man sieht das auch bei anderen Mannschaften, die international dabei sind und ähnliche Probleme haben. Und man sieht, dass es Teams gibt, die keine englischen Wochen spielen und die es verstehen, davon optimal zu profitieren.

Was den Kader angeht, gab es zuletzt die Kritik, er sei zu klein für die Anforderungen ...

Hans Meyer: Das ist völliger Unsinn. Mit der Vielzahl von Verletzungen kann man nicht planen. Wir können uns keinen Kader mit 35 Mann zusammenstellen, das kann in der Bundesliga nur der FC Bayern.

Was wird bei der internen Aufarbeitung noch besprochen, abgesehen von Punkten und Tabellenplatz?

Hans Meyer: Max Eberl und Andre Schubert berichten regelmäßig ausführlich und detailliert über die Tagesarbeit mit der Mannschaft. Dass sie dabei die Hauptprobleme mit den schwerwiegenden Verletzungen und die Mehrfachbelastung durch die CL nicht vordergründig diskutieren, spricht eher für ihr professionelles Rangehen. Spieleinschätzungen, individuelle Leistungen, Spielsystemfragen, Erziehungsfragen oder Zusammenarbeit des Funktionsteam spielen in ihren Analysen ebenso eine Rolle wie Lösungsvorschläge bei aktuellen Problemen. Dass an dieser Stelle auch Rainer Bonhof und ich unsere Beobachtungen und unsere sachliche Meinung einbringen, braucht den Insider nicht zu überraschen. Dass es offensichtliche Argumente dafür gibt, dass wir vielleicht drei, vier Punkte zu wenig haben, ist die eine Seite. Aber das heißt ja nicht, dass wir uns zurücklehnen und darauf warten, dass sich diese Dinge von selbst lösen.

Jetzt stehen gegen Köln, Manchester City und Hoffenheim drei Heimspiele in acht Tagen an …

Hans Meyer: … und wenn wir jetzt alle meinen, dass wir da dreimal gewinnen, weil wir zuhause ja bisher so stark waren, dann haben wir wirklich ein Problem. Ich bin total zuversichtlich, dass die Mannschaft nach der Länderspielpause wieder ins Rollen kommt, aber uns sollte auch klar sein, dass das alles sehr komplizierte Spiele sind und der Weg in Tabellenregionen der letzten Jahre länger dauern kann. Wir sollten uns auch davon verabschieden, permanent zu spekulieren und zu rechnen. Wir müssen wieder ins Punkten kommen, um nichts anderes sollte es uns gehen.

Borussia hat in dieser Woche den Startschuss für den Neubau am BORUSSIA-PARK gegeben. Wie sehen sie das Projekt?

Hans Meyer: Es ist ein Stück Zukunftssicherung des Vereins und eine richtige und notwendige Investition. Ich freue mich, dass wir in einem Zug auch ein neues Internat für unser Nachwuchsleistungszentrum bauen und die Einrichtungen für die Profimannschaft ausbauen und verbessern.

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