NEWS: 20.07.2017

Der Neue für die Jungen

Der Neue für die Jungen
Anweisungen für die Talente: Otto Addo im Gespräch mit Mamadou Doucouré.

Otto Addo ist neu in Borussias Trainerteam. Der 42-Jährige bekleidet einen Posten, den es beim VfL zuvor so noch nie gegeben hat: Addo ist Trainer für den Übergangsbereich, er soll Talente zu Profis machen.

Wer wissen will, was Otto Addo eigentlich macht bei Borussia, der muss nur mal das Ende einer Trainingseinheit in Rottach-Egern abwarten. Pfeift Trainer Dieter Hecking das Trainingsspiel ab, nimmt sich Addo nämlich meist einen der jungen Spieler zur Seite, weist ihn gestenreich auf eine falsche Bewegung beim Verteidigen hin oder erklärt ihm, welcher Laufweg die Erfolgschance vor dem Tor erhöht hätte. Die individuelle Analyse, das Hinweisen auf Fehler und das Aufzeigen von Lösungen, das sind die zentralen Aufgaben von Otto Addo, der Borussia dabei helfen soll, mehr Talente zu Profis zu machen.

Addo hatte sich bei mehreren Vereinen beworben, darunter Borussia. „Ich hatte dann überraschenderweise die Wahl zwischen mehreren Vereinen. Aber Borussia war für mich die beste Option“, erklärt der Ex-Profi. Die sympathische Ausstrahlung des Vereins, die Art und Weise, wie der VfL Fußball spielen lässt, die Qualitäten der Spieler, die Qualitäten des Trainerteams, dazu noch einen „der besten Manager in Deutschland“ – all das gab den Ausschlag für Borussia. „Es ist eine große Ehre, hier zu sein“, sagt Addo.

Erste Trainererfahrungen beim HSV

Dem gebürtigen Hamburger war der VfL natürlich bereits vor seiner Bewerbung bekannt, schließlich ist Addo ein Kind der Bundesliga, spielte dort für Borussia Dortmund, den FSV Mainz 05 und den Hamburger SV. Beim HSV begann in Addo auch die Idee zu reifen, Trainer zu werden. Vorher war das für ihn eher keine Option, doch als Huub Stevens ihn schließlich von der U23 zurück in den Profikader holte, damit er sich dort um die jungen Spieler kümmern sollte, weckte das Addos Interesse am Trainerberuf. Dann kam eins zum anderen: Addo wurde Co-Trainer bei der U19 des HSV, dann deren Chefcoach. Für eine kurze Zeit war er anschließend sogar interimsmäßig im Duo mit Rodolfo Cardoso für die Profis verantwortlich, ehe er Assistent beim dänischen Erstligisten FC Nordsjælland wurde. Bei den Dänen, die mit durchschnittlich 22 Jahren eine sehr junge Mannschaft hatten, arbeitete Addo in der Folge bereits sehr individuell mit den Spielern, schnitt für sie Videos zusammen und trainierte mehrmals in der Woche mit ihnen in Kleingruppen – Dinge, die er auch bei Borussia plant.

Beim VfL ist der Pool an Spielern, die für die Arbeit mit Addo in Frage kommen, jedoch weitaus größer. Der 42-Jährige soll sich bei Borussia um die Talente aus der U17, U19 und U23 kümmern, die am nächsten am Profi-Kader sind. Addo als Bindeglied zwischen vier Mannschaften, und natürlich auch zwischen vier Cheftrainern. Grundlage, das betont Addo jedoch, sei die Philosophie von Dieter Hecking. Dieser gebe die Richtung vor, „aber das Gute ist, dass alle Trainer in dieselbe Richtung denken“. Das hat Addo bereits in Gesprächen mit U23-Trainer Arie van Lent und U19-Trainern eruiert. Und dass U17-Trainer Hagen Schmidt fußballerisch auch in diese Richtung denkt, das weiß Addo schon aus gemeinsamen Fußballlehrer-Zeiten.

Details, die entscheidend sind

Bevor Otto Addo aber mit den einzelnen Spielern spricht, wird er mit dem jeweiligen Trainer Rücksprache halten und abklopfen, ob die Meinungen deckungsgleich sind. Planmäßig läuft es dann so ab: Addo schneidet ein Video aus Spielszenen zusammen, geht diese dann gemeinsam mit dem Spieler durch und zeigt ihm ungenutzte Räume auf dem Feld auf, weist ihn auf Fehler in Abspielen oder auf falsches Timing beim Kopfball hin. Details nur, aber Details, die über den Sprung ins Profigeschäft entscheiden. Denn wie Addo sagt: „Der Herrenfußball ist körperbetonter und viel schneller als der Fußball im Nachwuchsbereich.“ Kleine Fehler werden dort sofort bestraft.

Zu gewissen Teilen leisten diese Detail-Arbeit zwar auch die Cheftrainer der jeweiligen Mannschaften. „Aber in einer Video-Besprechung kann der Trainer nicht auf jeden einzelnen eingehen. Da stehen mannschaftstaktische Dinge im Vordergrund.“ Addo soll dieses Vakuum nun füllen, damit die Chancen, Talente aus dem Fohlenstall zu Stammspielern bei den Profis zu machen, möglichst hoch sind. „Denn das Ziel sollte immer sein, so viele Eigengewächse wie möglich nach oben zu bringen. Zum einen, damit sich die Arbeit im Jugendbereich auszahlt, aber auch, weil das die Identifikation der Fans mit der Mannschaft erhöht.“

Mehrsprachigkeit hilft

Im Trainingslager am Tegernsee arbeitet Addo nun bereits darauf hin. Immer wieder ist er in intensiven Gesprächen mit Spielern wie Mamadou Doucouré, Florian Mayer, Reece Oxford oder Julio Villalba zu sehen, trainiert mit ihnen, wenn sich die Gelegenheit ergibt, auch individuell auf dem Nebenplatz. Dabei kommt dem Neuzugang in Borussias Trainerteam seine Vielsprachigkeit zu Gute: Dank seiner ghanaischen Wurzeln beherrscht er die Landessprache Twi, auch Deutsch und Englisch spricht er perfekt. Hinzu kommen sehr gute Sprachkenntnisse in Dänisch und Französisch und die wichtigsten Fußball-Vokabeln auf Spanisch.

Der Trainer für den Übergansbereich hat also bereits in Rottach-Egern viel zu tun. Wenn er zurück in Mönchengladbach ist, geht die Arbeit aber erst so richtig los. Dann gilt es für ihn, Absprachen mit den Videoanalysten zu treffen, Termine mit den teilweise schulpflichtigen Talenten zu finden, alle Spieler überhaupt erst einmal kennenzulernen. Otto Addo ist also erst am Anfang. „Ich muss mich jetzt erst einmal reinfuchsen“, sagt der Neue für die Jungen.

Weitere News

Borussia zu Gast beim FC Southampton

Borussia zu Gast beim FC Southampton 15.06.2018

Das nächste Testspiel der Vorbereitung auf die kommende Saison steht fest: Am Samstag, 4. August, gastiert die FohlenElf um 15 Uhr Ortszeit beim englischen Premier League-Klub FC Southampton.

Böklunder