NEWS: 03.03.2018

Herzlichen Glückwunsch, Jörg Stiel!

Herzlichen Glückwunsch, Jörg Stiel!
Ex-Borussia-Keeper Jörg Stiel wird heute 50 Jahre alt. Fotos: Wiechmann/imago

Jörg Stiel wird am heutigen Samstag 50 Jahre alt. Borussia wünscht dem ehemaligen Kultkeeper des VfL auf diesem Wege alles Gute zum Geburtstag!

Dass es eine Mischung aus purem Zufall, ansprechender Torhüter-Qualität und einer Notlüge war, die Stiel 2001 zu Borussias erster aus dem Ausland importierten Nummer eins machte, passt zur Laufbahn des Torhüters. Die war nicht immer geradeaus, sondern kurvig wie die Serpentinenstraßen in den Schweizer Bergen. 89 Bundesligaspiele machte Stiel für Borussia zwischen 2001 und 2004 – und hinterließ in dieser Zeit viele Spuren.

Stiel begann seine Karriere 1986 beim FC Wettingen. 1990 wechselte Stiel zum FC St. Gallen. Nach drei durchwachsenen Jahren stieg er 1993 mit St. Gallen aus der Nationalliga A ab. In seiner Heimat wurde er als „arroganter Fliegenfänger“ beschimpft. Deshalb flüchtete Stiel nach Mexiko zu Erstliga-Aufsteiger Toros Neza. Für den Keeper eine wichtige Erfahrung: „Ich habe vieles relativiert und vor allem gelernt, mich weniger wichtig zu nehmen. In Mexiko gibt es andere Probleme als in der Schweiz.“

Von der Arbeitslosigkeit zum Meistertitel

Nach einem Jahr ging Stiel wieder in die Schweiz, scheiterte aber zunächst beim FC Zürich. Der Spaß am Fußball kam ihm abhanden, er war plötzlich arbeitslos, jobbte im Büro bei einer Fensterfirma. „Da war ich noch schlechter, als ich als Torwart war“, gestand Stiel später. Er schwor, die Chance zu nutzen, so sie noch einmal kommen würde. Sie kam. Stiel kehrte 1996 zum FC St. Gallen zurück. „Das war einer der wichtigsten Momente in meinem Leben“, sagte Stiel. In der Ostschweiz wurde der früher Verpönte zur Kultfigur und 2000 überraschend mit St. Gallen Meister. Der Spaß war wieder da, vor allem die Lockerheit. Die war es schließlich, die ihm den Traumjob in der Bundesliga einbrachte.

Borussias damaliger Sportdirektor Christian Hochstätter und Trainer Hans Meyer schauten sich ein Spiel des FC St. Gallen an, eigentlich, weil sie einen Verteidiger beobachten wollten. Doch dann war da dieser Torwart, der an der Strafraumgrenze mit einer Hand einen Ball abfing: Jörg Stiel. Ein bisschen kleiner („Ich habe das einfach immer so gesagt: 1,80 Meter, 80 Kilo, aber ich gehe mehr in Richtung 1,77 Meter“) war er als erhofft. Doch mit Einlagen, die ihn ein paar Zentimeter dem Himmel näher brachten, wurde das geregelt. „Es geht nicht darum, dass man lang ist, sondern, dass man zum richtigen Zeitpunkt springt. Dafür muss man ein Spiel lesen können und den Ball berechnen und richtig sehen“, sagte Stiel.

Von der Notlösung zum Glücksfall

Für Borussia wurde die Notlösung zum Glücksfall. Nicht, weil Steil der beste aller Torhüter war, aber ein Mann mit viel Charisma, der seinen Job sehr offensiv interpretierte und daher durch gewieftes Stellungsspiel viele Gefahren schon entschärfte, bevor sie richtig gefährlich wurden. In seinem ersten Spiel gab es ein 1:0 gegen den FC Bayern. Stiel war sofort angekommen, gehörte zu jener Achse, die Borussia nach dem ersten Aufstieg 2001 stabilisierte: Der Schweizer Nationaltorwart wurde schnell Publikumsliebling. Drei Jahre lang war er ein sicherer Rückhalt seines Teams, übernahm in den 89 Bundesligaspielen, die er für die Fohlenelf bestritt, stets Verantwortung – auf und neben dem Platz.

Nach der EM 2004 war Schluss mit der aktiven Karriere. Stiel versuchte sich in einigen Dingen. Unter anderem als Verwaltungsratsmitglied beim FC St. Gallen (2005), Torwarttrainer beim österreichischen Erstligisten SC Rheindorf Altach (2006), Mitglied der Schweizer Beachsoccer-Nationalmannschaft, er organisierte Events wie die Schneefußball-WM in Arosa (2012). Zudem ist Stiel Generalvertreter der Firma Reusch in der Schweiz (seit 2007). Und er hatte eine eigene Fußball-Sendung im Schweizer Fernsehen: „Kick it“, heißt die Talkshow.

2009 holte ihn Max Eberl für 18 Monate als Dolmetscher für die spanische Fraktion zurück zu Borussia. Heute lehrt Stiel die Nachwuchstorleute des Schweizer Meisters FC Basel die Kunst des Tore-Verhinderns. Mit diesem Job (für Reusch arbeitet er weiterhin) hat er zugleich zurück zu sich selbst gefunden. „Ich wollte nach der Karriere nicht mehr auf dem Platz stehen, habe versucht, den Fußball zu ersetzen. Ich habe ein paar Jahre verschenkt. Jetzt weiß ich aber, dass ich hierher gehöre“, sagt Stiel.

Der Text ist ein Auszug aus der Ausgabe 45 des "FohlenEcho - das Magazin für Mitglieder von Borussia Mönchengladbach"

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