NEWS: 14.11.2011

„Freuen uns über das große Interesse der Fans“

„Freuen uns über das große Interesse der Fans“

Standpunkt: Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers über die große Kartennachfrage bei Borussia, den „Runden Tisch“ in Berlin und die Diskussionen um das Interesse anderer Clubs an Marco Reus.

Borussia hat am Wochenende mit dem Verkauf der Tageskarten für die Rückrunde und für das Pokalspiel gegen Schalke begonnen. Im Moment haben nur Vereins- und Fanprojektmitglieder Zugriff, trotzdem war der Ansturm gewaltig …

Stephan Schippers: Das stimmt, für das Pokalspiel gegen Schalke und den Rückrundenauftakt gegen den FC Bayern stehen keine Karten mehr zur Verfügung. Wir haben am Samstag innerhalb der ersten Stunden auf allen Vertriebswegen – also in den Fanhops, im Internet und über die telefonische Hotline – einen riesigen Andrang erlebt. Auch für die nächsten Heimspiele gegen Bremen und Dortmund gibt es ja keine Karten mehr. Wer Borussia in diesem Jahr noch in einem Heimspiel sehen will und noch keine Karte hat, dem bleibt also nur noch das Spiel gegen Mainz am 18. Dezember.

Der Zuschauerschnitt liegt nach den ersten sechs Heimspielen schon bei 49.700, bis zur Winterpause wird er auf über 50.000 steigen. Für Borussia bedeutet das auch höhere Einnahmen als erwartet. Und prompt wird spekuliert, was mit dem Geld gemacht wird. Was antwortet der Geschäftsführer auf solche Fragen?

Stephan Schippers: Wir freuen uns natürlich über das große Zuschauerinteresse. In erster Linie aber nicht wegen der höheren Einnahmen, sondern weil es bedeutet, dass wir sportlichen Erfolg haben und die Mannschaft die Fans begeistert. Zu der Frage nach der finanziellen Seite des momentanen Erfolgs: Letzte Saison hatten wir aufgrund der lange Zeit unbefriedigenden sportlichen Situation geringere Zuschauer- und TV-Einnahmen als erwartet. Jetzt sind wir dabei, davon etwas aufzuholen, und wenn wir das schaffen, haben wir viel erreicht.

Mit der enormen Nachfrage nach Tickets steigt leider auch die Gefahr, dass Karten zu überhöhten Preisen im Internet oder auf dem Schwarzmarkt angeboten werden. Wie geht Borussia damit um?

Stephan Schippers: Borussia verfolgt im Internet sämtliche Auktionen mit Heim- und Auswärtstickets und führt Testkäufe in den bekannten Ticketportalen durch. Wir unternehmen nichts gegen die private Weitergabe von Tickets zum regulären Preis oder „Sofort-Kauf“-Angebote, zum Beispiel bei Ebay, wenn der Originalpreis nicht deutlich überschritten wird. Wenn wir aber feststellen, dass Vereins- oder Fanprojekt-Mitglieder bevorrechtigt Tickets für die Topspiele erwerben, um hiermit auf dem Schwarzmarkt Gewinn zu erzielen, werden diese aus dem Verein ausgeschlossen.

Ein großes öffentliches Thema sind im Moment leider die Fankrawalle, die es rund um den Fußball gegeben hat. In Berlin gab es dazu heute einen „Runden Tisch“ mit Beteiligung der Innenminister, der Sicherheitsorgane, des DFB und der DFL. Beschlossen wurden unter anderem eine „Task Force Sicherheit“ und zusätzliche finanzielle Unterstützung für die sozialpädagogischen Fanprojekte. Wie ist Borussias Position zu diesem Thema?

Stephan Schippers: Wir haben in Mönchengladbach eine Sonderrolle, denn das Mönchengladbacher Fanprojekt wird nicht von der öffentlichen Hand unterstützt, sondern finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge. Die Jugend- und Sozialarbeit leistet der Fanprojekt e.V. in Eigeninitiative. Die Arbeit, die dort und bei uns von unseren Fanbeauftragten gemacht wird, ist sehr wertvoll und obendrein erfolgreich. Ich glaube sagen zu dürfen, dass wir hier ganz nah dran sind an den Fans. Wir suchen den Dialog, auch in schwierigen Situationen. Wo es sein muss, zeigen wir aber auch, dass wir mit aller Deutlichkeit und Konsequenz durchgreifen. Ich finde es richtig, dass man sich des Themas auf höchster Ebene annimmt, hätte mir aber bei dem „Runden Tisch“ in Berlin eine Einbeziehung von Fan-Vertretern gewünscht. Aber wie zu hören ist, soll das in der „Task Force Sicherheit“ ja nun geschehen.

Als Geschäftsführer äußern Sie sich ungern zu sportlichen Themen, weil für diesen Bereich Sportdirektor Max Eberl verantwortlich ist. Dennoch eine Frage, die den Sport zumindest teilweise betrifft: Fast täglich ist zu lesen, welche Vereine Interesse an Marco Reus bekunden und für welche Summen er Borussia verlassen könnte. Wie ist die wirtschaftliche Komponente aus Borussias Sicht zu diesem Thema?

Stephan Schippers: Der große Rummel um Marco Reus ist eine Anerkennung für seine Leistung, aber auch für die der ganzen Mannschaft. Ein Spieler alleine gewinnt keine Spiele, das sagt ja Marco Reus selber auch immer. Sportlicher Erfolg bringt es leider mit sich, dass über die Spieler spekuliert wird, das geht ja auch anderen Vereinen so. Fakt ist aber, dass wir die Mannschaft weiterentwickeln wollen, das setzt einen Zusammenhalt der Mannschaft voraus. Dafür haben wir ja auch im Sommer unsere Kräfte gebündelt. Darüber hinaus gibt es bei uns keine wirtschaftliche Notwendigkeit, Marco Reus oder einen anderen Spieler zu verkaufen.

Beim 1. FC Köln gab es gestern eine turbulente Mitgliederversammlung und den Rücktritt von Präsident Wolfgang Overath. In den Verwaltungsrat wurde ein FC-Sponsor gewählt, der behauptet hat, dass unter anderem Borussia bei ihm angefragt habe, sich hier an Investitions-Modellen zu beteiligen. Was ist da dran?

Stephan Schippers: Ich kenne den Mann nicht. Falls er das gesagt hat, ist es die Unwahrheit. Es gibt bei Borussia keine Investitions-Modelle und es wird keine geben. Mit der Lockerung der 50+1-Regel hat die DFL solche Modelle zwar grundsätzlich ermöglicht, dies hat aber keinen Einfluss auf unsere Strategie und unsere Unternehmenskultur.

Als Aufsichtsratsmitglied der DFL und Vorstandsmitglied des DFB sind Sie in den Gremien der Liga und des Verbands vertreten. Wie wird Borussias guter Saisonstart dort wahrgenommen?

Stephan Schippers: Er wird wahrgenommen. Von dem einen etwas ungläubig, von dem anderen respektvoll, hier und da wohl auch ganz ehrlich anerkennend. Insgesamt tun wir aber gut daran, uns nicht zu viel auf die Schultern klopfen zu lassen sondern weiter daran zu arbeiten, etwas auf den Weg zu bringen, was wir nachhaltig genießen können.

Weitere News

FohlenSportsbar: WDR 5 Stadtgespräch mit Eberl und Schippers

FohlenSportsbar: WDR 5 Stadtgespräch mit Eberl und Schippers 15.01.2019

Das „WDR 5 Stadtgespräch“ zum Thema „Geld oder Liebe – Wofür steht der Fußball heute?“ findet am kommenden Donnerstag, 17. Januar, ab 20 Uhr in der FohlenSportsbar statt. Zu Gast sind unter anderem Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers und Sportdirektor Max Eberl.