NEWS: 09.10.2018

„Den Sieg genießen, aber nicht zu hoch hängen“

„Den Sieg genießen, aber nicht zu hoch hängen“
Vizepräsident Rainer Bonhof

Standpunkt: Vizepräsident Rainer Bonhof spricht über den historischen Sieg bei den Bayern, ordnet den guten Saisonstart der Fohlen ein, spricht über das Comeback von Lars Stindl und den Lauf von Torjäger Alassane Plea.

Herr Bonhof, Borussia hat am Samstag den höchsten Sieg gegen die Bayern in ihrer langen Vereinsgeschichte gelandet. Was hat Sie bei dem 3:0-Erfolg am meisten beeindruckt?

Bonhof: Die geschlossene Defensivarbeit. Wir sind defensiv richtig gut gestanden und haben so gut wie nichts zugelassen. Und wenn die Bayern doch mal durchkamen, war Yann Sommer auf seinem Posten. Natürlich haben uns die beiden frühen Tore in die Karten gespielt, denn dadurch haben wir die Verunsicherung bei den Bayern hervorrufen können. Doch das war nur möglich, weil das Trainerteam der Mannschaft das richtige Konzept an die Hand gegeben hat, nämlich aus einer sicheren Defensive heraus gefährliche Konter zu fahren. Und anders als in Wolfsburg haben wir es dieses Mal dem Gegner nicht ermöglicht, nach dem Führungstreffer noch einmal ins Spiel zurückzukommen. Das zeigt, dass die Dinge aufgearbeitet und am Wochenende besser umgesetzt wurden.

Lars Stindl hat nach monatelanger Verletzungspause sein Comeback gegeben. Wie bewerten Sie seine Leistung und wie wichtig ist der Kapitän für die FohlenElf?

Bonhof: Mich freut es sehr für ihn, dass er nach so langer Zeit wieder zurück ist. Grundsätzlich ist ein Schiff mit Kapitän immer besser als ohne Kapitän. Lars ist der verlängerte Arm des Trainers auf dem Platz, das ist natürlich sehr wichtig für die Mannschaft. Er hat am Samstagabend, so lange es seine Kräfte zugelassen haben, alles getan, um der Mannschaft zu helfen. Und dabei spreche ich weniger von seinem Tor als vielmehr von seiner Arbeit in der Defensive. Er hat sich hervorragend um Thiago gekümmert und ihn kaum zur Entfaltung kommen lassen, zudem hat Lars viele Bälle gut verteilt. Es war ein mehr als gelungenes Comeback.

Alassane Plea hat bislang in jedem Auswärtsspiel für Borussia getroffen. Insgesamt stehen für ihn schon acht Pflichtspieltreffer zu Buche. Hätten Sie gedacht, dass der Franzose so gut einschlägt?

Bonhof: Natürlich haben wir uns das erhofft, aber damit rechnen konnte man sicherlich nicht. Normalerweise benötigt ein Spieler, der aus dem Ausland kommt, eine gewisse Eingewöhnungszeit, um sich an den neuen Klub, das neue Umfeld und die neue Liga zu gewöhnen. Wir haben Alassane oft genug beobachtet und kannten seine Qualitäten. Doch dass er diese so schnell hier bei Borussia einbringt, das ist schon außergewöhnlich. Er hat sich klasse in die Mannschaft eingefügt, macht vorne die Bälle fest, verteilt sie und ist darüber hinaus selbst brandgefährlich. Seine Waffe ist, aus dem Nichts Tore zu erzielen. Das ist eine Qualität, die unserer Mannschaft natürlich enorm gut tut.

Nach sieben Spieltagen steht Borussia in der Tabelle auf Rang drei. Wie ordnen Sie die aktuelle Platzierung ein?

Bonhof: Für mich ist es noch etwas zu früh, das Ganze einzuordnen. Wir haben einen guten Start hingelegt, aber ich habe immer betont, dass man erst nach zehn Spieltagen weiß, wohin die Reise in einer Saison gehen wird. Wir freuen uns über die aktuelle Platzierung, aber mehr auch nicht. Ich möchte nicht auf die Euphoriebremse treten, aber die Spiele in Berlin oder Wolfsburg haben gezeigt, dass auch noch Luft nach oben ist. Und wer glaubt, dass man nach einem 3:0 in München nun andere Teams im Vorbeigehen schlägt, der sei gewarnt. In der Bundesliga muss man an jedem Wochenende aufs Neue 100 Prozent bringen, sonst wird es gegen jeden Gegner schwer. Deshalb tun wir gut daran, weiter nur von Spiel zu Spiel zu denken. Man kann den Sieg bei den Bayern sicher ein paar Tage genießen, sollte ihn aber auch nicht zu hoch hängen, und dann auch schnell wieder den Fokus auf das kommende Heimspiel gegen Mainz legen.

Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für den guten Saisonstart?

Bonhof: Im Vergleich zur Vorsaison wirkt die Mannschaft stabiler. Für mich ist ein wesentlicher Faktor, dass wir einen Kader haben, bei dem fast jede Position doppelt gleichwertig besetzt ist. Der Konkurrenzkampf ist auf allen Positionen spürbar, das wirkt sich positiv auf die gesamte Mannschaftsleistung aus. Auch das neue Spielsystem setzt das Team bislang hervorragend um. Ganz egal, wer neu in die Startelf rückt oder im Laufe des Spiels eingewechselt wird, jeder Spieler fügt sich gut in das System ein. Wir wünschen uns, dass es so positiv weitergeht.

Die Bayern liegen nicht zuletzt durch die Niederlage gegen Borussia aktuell nur noch auf Platz sechs. Glauben Sie, dass das Meisterschaftsrennen in dieser Saison spannender wird als in den vergangenen Jahren?

Bonhof: Wenn die Bayern ihr Potenzial abrufen, wird auch in dieser Saison kein Weg an ihnen vorbeiführen. Nach zwei Niederlagen und zwei Unentschieden aus den letzten vier Pflichtspielen sind sie derzeit etwas verunsichert. Es zeigt, dass auch sie anfällig sein können, wenn es die anderen Mannschaften erzwingen. Die Bayern haben aber auch schon andere schwierige Phasen überstanden, und ich bin sicher, dass sie auch aus dieser misslichen Lage befreien und sich bis zur Winterpause wieder oben festsetzen werden.