NEWS: 15.11.2018

Eberl: „Platz zwei ist das Resultat unserer Leistungen“

Eberl: „Platz zwei ist das Resultat unserer Leistungen“
Sportdirektor Max Eberl

Standpunkt: Sportdirektor Max Eberl ordnet das erste Saisondrittel der Fohlen ein, spricht über die Ausgeglichenheit in der Bundesliga und äußert sich zum Thema Super League.

Max, knapp ein Drittel der Saison ist nun gespielt, wir haben von 33 möglichen Punkten 23 Zähler geholt. Wie ordnest du den Start in diese Spielzeit ein?

Max Eberl: An dieser Stelle wird oft darauf hingewiesen, dass man noch nichts erreicht hätte. Das muss ich zurückweisen. 23 Punkte nach elf Spieltagen bedeuten eine herausragende Ausgangslage, Platz zwei ist das Resultat unserer Leistungen nach fast einem Saisondrittel. Wenn man berücksichtigt, dass wir von den elf Spielen sechs auswärts und fünf zuhause hatten, ist die Leistung der Mannschaft sogar noch höher zu bewerten. Dennoch darf uns der zweite Platz den Blick nicht vernebeln. Es gilt deswegen jetzt, diese positive Stimmung beizubehalten, das Selbstvertrauen mitzunehmen, aber trotzdem immer die nächste Aufgabe mit Demut und Vorsicht anzugehen. Diese Balance ist wichtig. Ich spüre jedoch an allen Stellen – in der Mannschaft, im Trainerstab und in der Geschäftsstelle -, dass sich alle zwar sehr freuen, aber trotzdem fokussiert sind auf das, was kommt. Dieser Fokus heißt für uns immer das nächste Spiel, im Moment also Hannover.

Glaubst du, dass es in der Bundesliga bis zum Saisonende eine breite Spitze geben wird oder werden sich im Laufe der Saison bestimmte Mannschaften absetzen?

Max Eberl: Es gibt momentan eine Leistungsdichte in der Bundesliga. Wir haben in der Liga sechs Mannschaften, die sich oben ein bisschen nachhaltig formiert haben mit Borussia Dortmund als dem aktuell übermächtigen Tabellenführer. Mit Mannschaften wie Schalke und Leverkusen, die momentan noch ihren Erwartungen hinterherhinken, ist auch noch zu rechnen im weiteren Saisonverlauf. Grundsätzlich erwarte ich deshalb eine spannende und attraktive Bundesligasaison bis zum Ende.

Acht Spieler sind im Sommer zum Profikader hinzugestoßen, sechs von extern, zwei aus dem eigenen Nachwuchs. Wie bewertest du die bisherigen Leistungen der Neueinkäufe?

Max Eberl: Ich glaube, dass wir in der Kaderpolitik im Sommer alle zusammen gute Entscheidungen getroffen haben. Nach dem Abgang von Jannik Vestergaard haben wir unserem eigenen Nachwuchs in der Defensive bewusst das Vertrauen geschenkt und das Geld aus dem Transfer stattdessen in einen Stürmer gesteckt. Unser Eigengewächs Jordan Beyer stand an den ersten beiden Spieltagen in der Startelf, hat es sehr gut gemacht und den Ausfall von Michael Lang nicht nur kompensiert, sondern sich als Konkurrent positioniert. Michael Lang hat nach seiner Verletzung schnell in die Spur gefunden und hilft uns mit seiner Art, seiner Erfahrung und seinen fußballerischen Qualitäten. Florian Neuhaus und Alassane Plea haben nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ebenfalls schon ihre Qualitäten unter Beweis gestellt. Die jungen Spieler wie Keanan Bennetts, Andreas Poulsen und Torben Müsel lernen durch das Training bei den Profis jeden Tag und bekommen regelmäßig Spielzeit über die U23, was extrem wichtig ist.

Die Zahl der verletzten Spieler ist in dieser Saison deutlich reduziert worden. Dadurch ergeben sich an den Spieltagen immer wieder Härtefälle – etwas, das positiv zu bewerten ist oder etwas, das für Unruhe sorgt?

Max Eberl: Es ist momentan wohl die wichtigste Aufgabe von uns allen im sportlichen Bereich, mit dieser Situation sensibel umzugehen. Es ist schön, dass fast alle gesund sind. Das bedeutet, dass im medizinischen, physiotherapeutischen und athletischen Bereich ein richtig guter Job gemacht wird. Grundsätzlich hat jeder Spieler, der bei uns im Kader steht, die Qualität beziehungsweise das Potenzial, am Spieltag im Kader zu stehen und zu spielen. Dafür können sich die Spieler tagtäglich auf dem Trainingsplatz dem Trainer anbieten. Aber natürlich trifft der Trainer am Spieltag manchmal taktische Entscheidungen für einen bestimmten Spieler, weswegen ein anderer dann nicht spielen kann oder nicht im Kader ist. Das haben die Spieler zu akzeptieren, dennoch müssen wir behutsam damit umgehen. Bei aller Enttäuschung, die die Spieler bei einer Nichtberücksichtigung für den Kader auch haben müssen, ziehen trotzdem alle an einem Strang und glauben an den Erfolg. Es nützt auch nichts, die eigene Unzufriedenheit auf die Leistungen des Kollegen übertragen zu wollen. Denn am Erfolg partizipieren alle, aber auch am Misserfolg.

Der Vertrag mit Dieter Hecking läuft Ende der Saison aus. Du hast bereits angekündigt, noch vor Weihnachten mit dem Trainer Gespräche über eine Verlängerung führen zu wollen. Wie ist die Ausgangslage?

Max Eberl: Es tut allen gut, dass Dieter und ich die Situation gelassen sehen. Wir haben uns im Sommer dazu entschieden, die Vertragsverlängerung erst einmal aufzuschieben und uns auf die Arbeit zu konzentrieren. Das haben wir mit Erfolg getan. Nun wird es in den nächsten Wochen Gespräche mit dem Trainer über eine Vertragsverlängerung geben.

Zuletzt gab es Diskussionen um eine sogenannte Super League. Wie stehst du zu dem Thema?

Max Eberl: Wenn wir als Borussia Mönchengladbach für eine Super League angefragt würden, wäre das für uns ein absolutes No-Go. Die Bundesliga ist unser Kerngeschäft, in dem wir uns wohlfühlen und das den Fußball besonders macht. Generell ist die Diskussion um die Super League kontraproduktiv, weil die aktuelle Zeit eher nach einem sensiblen Umgang mit dem Gut Fußball verlangt. Ich appelliere an alle, unsere nationalen Wettbewerbe in ihrer jetzigen Form weiter bestehen zu lassen, weil sie den größten Reiz im Fußball bieten. Wenn sich dann über sportlichen Erfolg eine Teilnahme an internationalen Wettbewerben wie der Champions League oder Europa League ergibt, ist das schön. Aber von dem Aufbau einer europäischen Parallelliga halte ich nichts.

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