NEWS: 09.10.2019

Eberl: „Unser neuer Ansatz ist fast immer erkennbar“

Eberl: „Unser neuer Ansatz ist fast immer erkennbar“
Sportdirektor Max Eberl

Standpunkt: Sportdirektor Max Eberl spricht über Borussias Tabellenführung, die bisherige Arbeit von Cheftrainer Marco Rose und die aktuelle personelle Situation.

Max, Borussia steht nach sieben Spieltagen auf Platz eins. Was empfindest du beim Blick auf die aktuelle Bundesliga-Tabelle?

Eberl: Die Tabellenführung ist eine schöne Momentaufnahme, über die wir uns sehr freuen. Viel wichtiger sind aber die 16 Punkte, die wir in den ersten sieben Spielen bereits gesammelt haben. Wir haben uns vor der Saison dazu entschieden, unserem Spielstil einen neuen Ansatz hinzuzufügen. Auf diesem neuen Weg tut gerade zu Beginn jeder Zähler gut. Wir wissen, dass unsere Leistungen noch nicht durchgehend sehr gut waren. Aber am Sonntag gegen Augsburg war schon sehr viel von dem Fußball zu erkennen, den wir uns vorstellen.

Marco Rose ist seit rund 100 Tagen im Amt. Wie bewertest du seine bisherige Arbeit als Chefcoach der Fohlen?

Eberl: Die erste Zwischenbilanz seiner Arbeit fällt sehr positiv aus. Die Mannschaft setzt schon sehr viel von dem Fußball, den sich Marco vorstellt, um. Wenn man allein die physischen Werte wie intensive Läufe, Sprints oder Zweikämpfe betrachtet, haben sich unter ihm bereits gravierende Dinge geändert. Auch wenn die Mannschaft den Ansatz noch nicht immer zu 100 Prozent auf den Platz bekommt, ist er in fast jedem Spiel erkennbar. Darüber hinaus harmoniert Marco als Mensch – gemeinsam mit seinem Trainerstab, den er mitgebracht hat – hervorragend mit Borussia. Er ist super hier angekommen und repräsentiert den Klub großartig.

Marco Rose verweist immer wieder auf den Prozess, in dem sich die Mannschaft befindet. Sind die beiden jüngsten Spiele – das herausragende gegen Augsburg und zuvor das weniger gute in Istanbul – der beste Beweis dafür?

Eberl: Es ist so, dass wir noch schwankend in unseren Leistungen sind und noch nicht alles funktioniert, aber es ist immer zu sehen, was wir wollen. Und das Schöne ist, dass wir, obwohl wir manchmal nicht gut spielen, dennoch recht konstant punkten. Ich verstehe auch, dass das Spiel in Istanbul als nicht so gut gesehen wurde. Für die zweite Hälfte gilt das auch, dennoch haben wir am Ende einen Punkt beim türkischen Vizemeister des Vorjahres geholt – das darf man bei aller Kritik nicht vergessen. Das ist auch eine Qualität der Mannschaft hat, die Marco hereingebracht hat. Die Jungs stecken nie auf und glauben immer daran, noch etwas erreichen zu können.

In Matthias Ginter und Stefan Lainer haben sich gegen Augsburg zwei wichtige Spieler verletzt. Macht die aktuell lange Ausfallliste mit Blick auf die vielen bevorstehenden Englischen Wochen Sorge?

Eberl: Es ist sehr schade für uns. Wir mussten zuletzt auf Grund verschiedener Blessuren oder Verletzungen ohnehin schon auf Jonas Hofmann, Lars Stindl, Tobias Strobl, Jordan Beyer, Fabian Johnson und Ibrahima Traoré verzichten. Jetzt kommen noch Matze und Stevie dazu. Das ist nicht schön, denn in den kommenden Wochen warten viele große Herausforderungen auf uns. In dieser Phase hätten wir gerne den gesamten Kader zur Verfügung gehabt. Wir hoffen, dass es bei Stefan Lainer nicht ganz so schlimm ist. Bei Matthias Ginter ist zum Glück auch keine Operation notwendig. Seine Schulter kann konservativ behandelt werden, was seine Ausfallzeit verkürzt. Unsere medizinische Abteilung tut auf jeden Fall alles dafür, dass alle Jungs so schnell wie möglich zurückkommen.

Mamadou Doucouré stand zuletzt zum ersten Mal seit seinem Wechsel im Sommer 2016 im Profikader. Wie sehr freust du dich für ihn und wann ist er für seinen ersten Einsatz bereit?

Eberl: Die Leidenszeit von Mamadou war sehr lange – und ich sage bewusst: war. Denn seit der Sommervorbereitung ist er komplett mit dabei. Natürlich, was das Training betrifft, ab und an mit individueller Steuerung. Mamadou ist aber seit drei Monaten beschwerdefrei und hat es entsprechend zuletzt in Istanbul und gegen Augsburg in den Kader geschafft. Das freut uns alle sehr, denn Mamadou ist ein großartiger Mensch und sehr guter Fußballer. Er hatte schon mehrere Einsätze in der Regionalliga und wird am Samstag auch wieder bei der U23 zum Einsatz kommen, um weitere Spielpraxis zu bekommen. So rückt er weiter Schritt für Schritt heran und wird hoffentlich bald auch sein Bundesliga-Debüt für uns geben.

In der Bundesliga geht es momentan so eng zu wie schon lange nicht mehr. Die ersten acht Mannschaften trennen gerade einmal vier Punkte. Was sagt das aus über die Liga?

Eberl: Dass so viele Teams so eng beieinanderliegen, ist ein Ausdruck der Ausgeglichenheit. Derzeit ist ja eine Diskussion entfacht, ob es mangelnde Qualität der Bundesliga ist. Diesen negativen Ansatz kann ich nicht ganz nachvollziehen. Wenn man sieht, dass Bayern München 7:2 gegen Tottenham gewinnt, Dortmund 0:0 gegen Barcelona spielt oder Leipzig 2:1 in Lissabon gewinnt, kann es in meinen Augen kein Mangel an Qualität sein. Die Bundesliga bewegt sich auf einem europäischen Top-Niveau, und dass gerade so viele Mannschaften eng zusammen liegen, sorgt für Spannung und tut der Liga gut.

Nach der Länderspielpause stehen für die Fohlen sieben Pflichtspiele in rund drei Wochen an. Was erwartest du von diesem Block?

Eberl: Es wird eine intensive Phase, in der wir auf Herz und Nieren geprüft werden. Das Top-Niveau, das wir gegen Augsburg, aber zuvor auch schon gegen Leipzig, Köln oder Schalke gezeigt haben, werden wir in den kommenden Wochen alle paar Tage abrufen müssen. In der Bundesliga wird es mit Dortmund, Frankfurt, Leverkusen und Bremen sehr ambitioniert, im DFB-Pokal gastieren wir in Dortmund und in der Europa League müssen wir in den beiden Spielen gegen AS Rom, den vermeintlich stärksten Gruppengegner, anfangen zu punkten, wenn wir die Chance, international zu überwintern, wahren wollen.