NEWS: 09.11.2019

Rose: „Ob Ost oder West sollte kein Thema mehr sein“

Rose: „Ob Ost oder West sollte kein Thema mehr sein“
Cheftrainer Marco Rose

Im Interview, das im neuen FohlenEcho-Mitgliedermagazin zu lesen ist, spricht Borussias Cheftrainer Marco Rose über den Mauerfall, die Probleme 30 Jahre danach und den Fußball im Osten und Westen des geeinten Deutschlands

Leipzig ist seine Heimat, privat wie sportlich. In der größten Stadt Sachsens wurde Marco Rose 1976 geboren. Hier begann seine Karriere als Fußballprofi, die er zehn Jahre nach der Wende in Hannover und später in Mainz fortsetzte. Und hier startete er auch in seine Trainerlaufbahn, bevor sechs Jahre in Salzburg und schließlich der Wechsel nach Mönchengladbach folgten. Marco Rose ist ein Kind der DDR. Den Fall der Mauer im November 1989 und die Wiedervereinigung im Oktober 1990 hat er hautnah miterlebt.

Marco, kannst du dich erinnern, wo du am 9. November 1989 warst, am Tag des Mauerfalls?

Rose: Im Zweifel war ich zu Hause, ich war ja erst 13 Jahre alt. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr daran erinnern. An die spannende Zeit mit den Montags-Demos dagegen schon …

Diese am Ende riesigen Demonstrationen waren der Anstoß für eine große Freiheitsbewegung in der DDR, und sie führten am Ende zur Öffnung der Grenzen. Sie hatten in Leipzig ihren Ursprung. Was hast du davon mitbekommen?

Rose: Diese Demos in meiner Heimatstadt haben uns alle unheimlich bewegt. Meine Mutter hat aktiv daran teilgenommen, war oft auf der Straße. Ich habe das alles sehr intensiv wahrgenommen, weil ich vom Training aus Leipzig-Probstheida, wo Lok Leipzig trainierte, nach Hause fahren musste auf die andere Seite der Stadt nach Leipzig-Mockau. Ich bin dann auch mal auf dem Heimweg ausgestiegen, um mir die Demo anzugucken und zu sehen, was dort passierte, was für eine Wucht das hatte. Ich erinnere mich auch, dass ich nach meiner Mutter gesucht habe, was bei mehr als 100.000 Menschen ein schwieriges Unterfangen war. Handys gab es ja noch nicht. Ich freue mich im Nachhinein sehr, dass Leipzig der Ausgangsort für einen wichtigen Impuls für Gesamtdeutschland war.

Was empfindest du angesichts dieser Verbindung, wenn heute politisch rechts stehende Gruppen sich Sprüche wie „Wir sind das Volk“ aneignen?

Rose: Das zeigt die ganze Komplexität des Themas. Ich glaube sogar, dass es einige gibt, die das damals auf Montagsdemonstrationen gerufen haben und es heute wieder rufen. Sie meinten es im Zusammenhang mit der Wende und dem alten DDR-Regime so, wie sie es riefen. Und heute, 30 Jahre später, werden diese Sprüche in einem anderen Kontext wieder aufgegriffen und - man muss es so sagen – missbraucht. Ich distanziere mich ganz klar davon, dass ein Ruf wie „Wir sind das Volk“ in einem rechtsnationalen Zusammenhang instrumentalisiert wird.

Welche Erinnerungen hast du an deine Kindheit in der DDR?

Rose: Mir ging es gut. Ich hatte Freunde, konnte Fußball spielen, im Urlaub sind wir mit dem Trabi an die Ostsee gefahren, nach Usedom oder Rügen. Ich durfte zwar nicht nach Frankreich, Italien oder Spanien, aber als Kind hat mir das nicht gefehlt. Aber natürlich habe ich damals auch mitbekommen, dass es für die Erwachsenen schwieriger war, mit den Umständen klarzukommen. Die Menschen wurden unterschiedlich behandelt. Wenn man nicht privilegiert war, musste man 13 Jahre auf sein Auto warten. Den Menschen hat die Freiheit gefehlt. Deshalb ist es in der Summe gut, dass es gekommen ist, wie es gekommen ist. Auch wenn es jetzt wieder andere Herausforderungen gibt.

Was glaubst du, ist der Grund, dass auch nach 30 Jahren in einigen Köpfen noch in „Wessi“ und „Ossi“ unterschieden wird?

Rose: Als die Wende kam, war eine riesige Euphorie da. Wir sind frei! Wir können reisen! Es gibt keine Grenzen mehr! Das trägt dich eine ganze Weile, aber da prallten natürlich Welten aufeinander. Es gab im Osten einen anderen Lebensstandard, vielleicht auch andere Werte. Und dann musste man die Leute irgendwo in ihren sehr unterschiedlichen Realitäten abholen. In Teilbereichen ist das sehr gut gelungen – in anderen weniger. Am Ende geht es für die Menschen immer darum, welche Chancen sie bekommen und für sich sehen. Und da gibt es drei Jahrzehnte nach der Wende zu viele, die sich nicht gut abgeholt fühlen. Die irgendwo in Ost und West auf der Strecke geblieben sind. Das ist ein Grund, warum es auf beiden Seiten noch Vorurteile gibt. Das ist schade, weil ich beide Seiten seit 20 Jahren kenne und weiß, dass beide schwer in Ordnung sind und es wunderschöne Orte auf beiden Seiten gibt. Ich finde, wir sollten alle in Deutschland mehr daran arbeiten, dass es kein großes Thema mehr ist, ob jemand aus dem Osten kommt oder aus dem Westen. Das muss das Ziel sein.

Was VfL-Cheftrainer Marco Rose außerdem über Borussias Fans im Osten der Republik, seine ersten Kontakte mit der Bundesliga und Gemeinsamkeiten mit Tony Jantschke und Hans Meyer sagt, lesen Borussia-Mitglieder exklusiv in der aktuellen Ausgabe des FohlenEcho-Das Magazin.

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