NEWS: 14.01.2020

Schippers: „Wir wollen weiter zeigen, dass es auch anders geht“

Schippers: „Wir wollen weiter zeigen, dass es auch anders geht“
Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers

Standpunkt: Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers vor dem Start in die Rückrunde über den Konkurrenzkampf mit unterschiedlichen Mitteln, die Herausforderungen für das neue Jahrzehnt und den Erhalt der Borussia- und der Fan-Kultur.

Herr Schippers, am Freitag startet Borussia mit dem Auswärtsspiel auf Schalke in die Rückrunde. Sie waren selber in der vergangenen Woche für zwei Tage im Trainingslager in Jerez, wie ist die Stimmung vor dem Start in die zweite Saisonhälfte?

Stephan Schippers: Ich habe sie als positiv gespannt und sehr fokussiert wahrgenommen. Nach der sehr starken Hinrunde spürt man, dass Mannschaft und Trainerteam hungrig darauf sind, an die guten Ergebnisse aus den ersten 17 Spielen anzuknüpfen.

Es gehört zur Winterpause in der Bundesliga dazu, dass hochgerechnet und spekuliert wird, wie die Rückrunde wohl laufen wird. Die meist gestellte Frage an Borussia war diesmal sinngemäß: „Unter den ersten vier der Tabelle ist Borussia der kleinste Fisch, kann man im Rennen um die Meisterschaft mit Leipzig, München und Dortmund mithalten?“ Was sagen Sie?

Schippers: In der Hinrunde haben wir gezeigt, dass wir unter bestimmten Voraussetzungen mithalten können. Das wollen wir auch in der Rückrunde versuchen. Sicher gibt es Klubs mit anderen Rahmenbedingungen als wir, für die es selbstverständlicher ist, als Ziel die Meisterschaft auszugeben. Und es gibt dann noch eine ganze Reihe anderer Klubs, die mit uns auf Augenhöhe sind und die versuchen werden, uns zu überholen. Mir gefällt, was Marco Rose, sein Trainerteam und unsere Mannschaft in der Hinrunde ausgestrahlt haben – Hunger, Überzeugung und Leidenschaft. Das hat jeder Fan im Stadion gespürt. Und damit kann man viel erreichen.

Borussia ist es gelungen, im vergangenen Jahrzehnt dauerhaft in den Bereich der international spielenden Klubs vorzudringen. Trotzdem hat man das Gefühl, dass die Konkurrenz eher größer wird. Leipzig hat es dank der Unterstützung des Red-Bull-Konzerns bis an die Tabellenspitze geschafft, nun kündigt auch Hertha BSC an, in der Hauptstadt mit Hilfe eines Investors zu einem „Mega-Klub“ zu werden, der in die Champions League will. Was kann Borussia dem auf Dauer entgegenstellen?

Schippers: Wir sind anders aufgestellt, ganz klar, aber wir müssen uns auch nicht zu klein machen. Wir haben gezeigt, dass es auch anders geht. Mit viel Arbeit, Beharrlichkeit, Kontinuität, mit Geduld, Weitsicht und mit wirtschaftlicher Vernunft. Wir wollen keinen Finanzinvestor und keinen Mäzen, also müssen wir andere Wege finden, wirtschaftlich und sportlich mitzuhalten. Diesem Zweck dienen zum Beispiel die Investitionen in die Infrastruktur im BORUSSIA-PARK.

Gerade im vergangenen Jahr hat sich im BORUSSIA-PARK für jedermann sichtbar mit der Eröffnung des neuen Gebäudes „Borussia-8-Grad“ viel geändert. Wie nehmen Sie das wahr?

Schippers: Wir bekommen sehr, sehr viel positives Feedback und viel Lob, was uns natürlich sehr freut. Gerade Menschen, die lange nicht hier waren, staunen, was sich alles getan hat. Es macht viel Spaß zu sehen, wie viel Leben hier tagtäglich herrscht. Die Leute kommen, um das Training zu besuchen, sich die Ausstellung in der FohlenWelt anzuschauen, sie kommen zum Mittag- und Abendessen oder sie buchen sich im Hotel ein, um mal für ein paar Tage Borussia hautnah vor Ort zu erleben. Das alles hat den BORUSSIA-PARK nochmal aufgewertet und es ist natürlich ein Mosaikstein in unserer Strategie, uns wirtschaftliche Möglichkeiten zu erschließen, die uns in die Lage versetzen, sportlich auf hohem Niveau mit der Konkurrenz mithalten zu können. Neben diesem wirtschaftlichen Aspekt halte ich aber für mindestens genauso wertvoll die Tatsache, dass Borussia Mönchengladbach für seine Anhänger durch die Investitionen in den BORUSSIA-PARK noch greifbarer und erlebbarer geworden ist.

Wird man immer daran festhalten können, dass es öffentliche Trainings gibt? Dass Fans sich auf der Anlage aufhalten und frei bewegen und dabei auch den Spielern begegnen können? Oder wird irgendwann eine Größe erreicht sein, bei der das nicht mehr geht?

Schippers: Wir wollen und müssen diese Offenheit aufrechterhalten, denn das ist eine Sache, die Borussia besonders macht. Natürlich muss es immer so sein, dass die Mannschaft und die Trainer ihre Arbeit so machen können, wie es notwendig ist, dazu gehören auch mal Trainingseinheiten, bei denen nicht jeder zuschauen kann. Aber wir werden uns hier nie komplett vor der Öffentlichkeit verschließen.

Am Anfang eines neuen Jahrzehnts wird gerne die Frage gestellt, was die Aufgaben und Herausforderungen der kommenden Dekade sein werden. Vor welchen Herausforderungen steht Borussia?

Schippers: Wir sind und bleiben ein Fußballverein und diesem Sinn und Zweck werden auch in Zukunft alle unsere Anstrengungen dienen. Um in der Bundesliga und bestenfalls auch im internationalen Fußball mithalten zu können, muss man heutzutage auf vielen Feldern aktiv sein. Wenn ich nach den Herausforderungen gefragt werde, dann sind das für Borussia das Erreichen unserer sportlichen Ziele und insgesamt die Beibehaltung der Strukturen im Fußball, wie wir sie kennen – also den Erhalt der 50+1-Regel, den Erhalt der nationalen und internationalen Wettbewerbe in der Form, wie wir sie kennen, vor allem die Form der Qualifikation für diese Wettbewerbe. Auf unternehmerischem Gebiet der Erhalt der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit unter Berücksichtigung gewisser kaufmännischer Grundsätze, für die Borussia steht, die digitale Transformation, die Internationalisierung. Und was die Wahrnehmung und das Auftreten unseres Vereins angeht: den Erhalt unserer Prinzipien, das oben bereits beschriebene Ziel, transparent und nahbar zu bleiben, ein „einfacher Laden“ zu bleiben, wie wir gerne sagen, und die Nähe und die Kommunikation zu unserer aktiven Fanszene aufrechtzuerhalten.

In der Bundesliga ist es nicht selbstverständlich, dass die Klubs so wie Borussia einen recht guten Draht zu dieser genannten aktiven Fanszene haben. Hält diese Kommunikation auch kritischen Situationen stand? Etwa wenn Dinge vorfallen, die mehr als einen reinen Meinungsaustausch erfordern?

Schippers: Ich sehe das als eine wichtige Errungenschaft an und ich hoffe sehr, dass wir auch in Zukunft auf diesem Weg bleiben werden. Es gibt naturgemäß Dinge, bei denen sich die Auffassung des Vereins und die der Fanszene unterscheiden und über die wir gemeinsam diskutieren. Es gibt aber auch Dinge, die aus unserer Sicht schlichtweg nicht akzeptabel sind. Vorfälle, die Borussia in ein schlechtes Licht rücken und von denen sich die große, große Mehrheit der Fans distanziert. In diesen Punkten beziehen wir eine klare Position, aber es ist wichtig, dass wir auch in solchen Fällen Ansprechpartner haben, die die Linie des Klubs weitergeben.

Wie ist Borussias Position in solchen Fällen?

Schippers: Wir sind da sehr genau und schauen uns die Faktenlage an, und wenn die Fakten eindeutig sind, dann handeln wir. Es gibt eine rote Linie, die nicht überschritten werden sollte. Wer meint, das tun zu müssen und dies im Umfeld von Borussia oder im Umfeld unserer Spiele tut, der muss mit den entsprechenden Konsequenzen leben. Wir alle sollten wissen, dass wir selber festlegen, wie Fußballspiele in der Zukunft ablaufen werden. Zum Beispiel, ob es weiterhin Gästefans bei Auswärtsspielen geben wird. Wir wollen die Fankultur so erhalten wie sie ist. Aber ich spreche hier von Kultur, da gehören gewalttätige Auseinandersetzungen und andere strafbare Handlungen sicher nicht dazu. Diejenigen, die das anders sehen und anders handeln, sind die, die den Erhalt der Fankultur aufs Spiel setzen.

Dienen diesem Ziel auch die Gespräche, die die NRW-Klubs mit dem Innenminister führen?

Schippers: Ja, da geht es darum, dass die Klubs ihren Beitrag leisten müssen, um dafür zu sorgen, dass Bundesligaspiele unter Rahmenbedingungen stattfinden, die ein Einschreiten der Politik nicht notwendig machen. Innenminister Reul vertritt hier eine klare und gut nachvollziehbare Linie, mit der wir Vereine konform gehen. Die bisherigen Gespräche waren von gegenseitigem Verständnis geleitet und werden hoffentlich zielführend sein.

Ein wichtiges Thema der nächsten Monate wird der Verkauf der Fernsehrechte für die Jahre 2021 bis 2025 durch die DFL sein. Was versprechen Sie sich davon?

Schippers: Die große Herausforderung wird es wieder sein, das Streben der Klubs nach einem möglichst lukrativen Deal zu vereinbaren mit dem Ansinnen, für eine möglichst große Sichtbarkeit und Reichweite unserer Spiele und einer größtmöglichen Beachtung der Interessen der Fans zu sorgen. Durch die Digitalisierung der Medienwelt sind viel mehr Anbieter auf dem Markt als früher, es gibt diverse Verbreitungswege und extrem unterschiedliche Vorlieben der Fußballanhänger. Es gibt Fans, die die Bundesliga im klassischen linearen Fernsehen sehen wollen, aber inzwischen auch viele andere, meist jüngere Fans, die eher der Netflix-, DAZN- und Amazon-Generation angehören und die Bundesliga auf ganz anderen Kanälen verfolgen wollen. Das alles unter einen Hut zu bringen, dabei die Vorgaben des Kartellamts zu beachten und ein Ergebnis zu erzielen, das es den Klubs erlaubt, wirtschaftlich und damit sportlich mit den anderen großen Ligen im Ausland mitzuhalten, ist eine gewaltige Herausforderung. Aber ich weiß, dass diese Aufgabe bei DFL-Chef Christian Seifert und seinem Team in den besten Händen liegt. Auch wenn das so mancher nicht wahrhaben will: Die DFL und wir Vereine haben schon in der Vergangenheit nie allein auf das Geld geschaut, sondern sind immer sehr verantwortungsbewusst mit diesen wichtigen Entscheidungen umgegangen und haben vor allem die Interessen der Fans – zum Beispiel bei den Anstoßzeiten - immer im Auge gehabt. Wir haben großes Vertrauen in die handelnden Personen bei der DFL, dass dies auch diesmal so sein wird.

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