NEWS: 25.03.2020

Kramer: "Wir leben im Moment viel bewusster"

Kramer: "Wir leben im Moment viel bewusster"
Christoph Kramer

Im Interview spricht Christoph Kramer über die aktuelle Lage aufgrund der Ausbreitung des Corona-Virus, erzählt wie er sich zuhause fit hält und sagt, dass er auch etwas Positives aus der aktuellen Situation mitnimmt.

Christoph, die Corona-Pandemie beherrscht aktuell unseren Alltag. Wie verbringst du da momentan deine Zeit?

Kramer: Ich habe das große Glück (lacht), dass ich gerade umgezogen bin. Da hat man einiges zu tun: Kisten einpacken und wieder auspacken, Dinge ein- und aussortieren. Deswegen bin ich aktuell mit einem sinnvollen Hobby zugange. Klar musste ich vieles alleine machen, weil mir keine Freunde helfen konnten. Aber wenn ich in den sozialen Medien sehe, wie den Leuten die Decke auf den Kopf fällt, bin ich um jede Beschäftigung froh. Ansonsten habe mir ein paar alte Fußballspiele und abends auch mal Serien angeguckt. So richtig langweilig ist mir bisher zum Glück noch nicht geworden.

Es findet im Moment kein Trainingsbetrieb statt. Wie hältst du dich zuhause fit?

Kramer: Wir bekommen jeden Tag Pläne, die ich gewissenhaft bearbeite. Dazu gehören Laufen, Stabilitäts- und Krafttraining. Dafür haben wir von Borussia auch extra Indoor-Fahrradräder bekommen. Eigentlich bin ich davon kein so großer Fan, aber aktuell ist es die einzige vernünftige Möglichkeit, sich fit zu halten. Deswegen mache ich das dann natürlich. Ansonsten habe ich keine Geräte zum Trainieren zuhause, aber ich trage im Moment ja auch genug Kisten hin und her (lacht).

Wie sieht der Austausch dann aktuell innerhalb der Mannschaft aus? Die Kabinengespräche fallen im Moment ja weg...

Kramer: Unsere Kommunikation läuft meist über WhatsApp oder Instagram. Oder auch mal gar nicht. Wir sehen uns ja ansonsten jeden Tag. Wenn man dann mal eine Woche frei von den Kollegen hat, ist das auch nicht schlimm (lacht). Wenn das jetzt allerdings so weitergehen sollte, wie es derzeit scheint, wird die Sehnsucht nach der Kabine sicherlich größer. Aber derzeit können wir an der Situation nichts ändern. Es werden aber auch irgendwann wieder andere Zeiten kommen. Bis dahin müssen wir uns mit WhatsApp und Instagram zufriedengeben, aber das ist auch in Ordnung.

Wie schaffst du es in der aktuellen Situation positiv zu bleiben?

Kramer: Man muss an jeder Situation etwas Positives finden und ich denke, im Moment leben wir alle etwas bewusster. Uns wird auf einmal klar, wie schnell sich etwas ändern kann. Niemand hätte gedacht, dass wir einmal in so eine Situation kommen werden. Wenn diese Zeit vorbei ist, sollten wir aber genauso bewusster weiterleben. Dinge zu schätzen wissen, die wir vorher als selbstverständlich erachtet haben. Jeder von uns schätzt gerade seine Gesundheit, jeder würde es schätzen, arbeiten gehen zu können. Das sind alles Dinge, die man im normalen Leben nicht schätzt. Deswegen sollte man auch etwas Positives aus der Situation mitnehmen und zwar, dass wir nun bewusster leben. Wir sind im Moment viel dankbarer und demütiger und ich denke, dass kann auch etwas sein, was uns aktuell guttut.

Gibt es etwas oder jemanden, den du jetzt schon vermisst?

Kramer: Na klar. Die sozialen Kontakte, die wir auch als selbstverständlich angesehen haben, fallen nun größtenteils weg. Der Fußball pausiert aktuell und keiner weiß so recht, wann es weitergehen kann. Das fühlt sich einfach nicht gut an, wenn man nicht weiß, wann und wie es weitergeht. Deswegen ist es auch einfach der Fußball, den ich vermissen, den sozialen Kontakt mit vielen Menschen und auch einfach den echten, persönlichen Kontakt. Aber damit bin ich nicht alleine. Jeder vermisst diese Dinge aktuell.

Die Bundesliga pausiert wohl noch mehrere Wochen. Wie sehr vermisst du die Atmosphäre in einem vollen Stadion zu spielen?

Kramer: Auch das habe ich als selbstverständlich genommen und weiß nun, dass es das nicht ist. Das werde ich definitiv mehr wertschätzen, wenn wir wieder vor vollen Rängen spielen können. Es ist einfach etwas sehr Schönes. Momentan geht es aber erst einmal darum, überhaupt wieder zu spielen, auch ohne Zuschauer. Aber wenn wir alles überstanden haben, ist es schon so, dass ich mich über ein volles Stadion mehr freue als ich es vielleicht zuletzt getan habe. Im ersten Jahr bei Borussia war es toll, hier einzulaufen. Das denke ich zwar heute immer noch, aber nicht mehr so extrem wie damals. Das sind Dinge, die ich mehr wertschätzen werde, weil ich merke, wie sehr sie mir fehlen.

Es gibt kaum noch ein anderes Gesprächsthema als das Corona-Virus. Wie informierst du die dich da über den aktuellen Stand?

Kramer: Das ist etwas, was mich ein wenig verrückt macht. Ich kann es überhaupt nicht einschätzen, weil ich sehr viel darüber lese und höre und es einfach sehr viele verschieden Meinungen dazu gibt. Deswegen finde ich es sehr schwer, mir selber eine Meinung darüber zu bilden. Natürlich versuche ich mich zu informieren und schaue mir abends im Fernsehen Sendungen und Talkshows zu dem Thema an, aber im Endeffekt weiß niemand so wirklich, wie es weitergehen wird und welche Ausmaße das noch annimmt. Das ist es, was mich verunsichert. Ich mag es gar nicht, wenn man im Ungewissen bleibt.

Auch Borussia hat die Folgen des Virus bereits zu spüren bekommen. Wie beurteilst du den Umgang von Borussia mit der Corona-Krise? Ihr Spieler, die Direktoren und Geschäftsführer haben auf Teile ihres Gehalts verzichtet und euch damit sehr solidarisch gezeigt...

Kramer: Borussia geht super mit der Situation um. Auch, wenn ich finde, dass man das nicht an die große Glocke hängen sollte. Denn in meiner Wahrnehmung ist das selbstverständlich, richtig und wichtig. Damit sollten wir uns nicht rühmen. Ich arbeite täglich mit den ganzen Mitarbeitern von Borussia zusammen und sie halten mir jeden Tag den Rücken frei. Für uns Spieler geht es aktuell in erster Linie nicht um Existenzen, bei manchen Mitarbeitern kann das aber der Fall sein. Deswegen ist das eine klare Selbstverständlichkeit und ein klares Zeichen von der Mannschaft, dass wir helfen wollen, damit sich keiner Sorgen machen muss. Das werden wir auch weiterhin tun und das tun wir gerne.

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