NEWS: 30.08.2012

Erhobenen Hauptes in die Europa League

Erhobenen Hauptes in die Europa League
Am Ende hat sich nicht die bessere, sondern die clevere Mannschaft durchgesetzt“, meint Martin Stranzl.

Trotz der verpassten Teilnahme an der Gruppenphase der Champions League kann Borussia stolz auf den gestrigen Auftritt bei Dynamo Kiew sein.

Am Ende der Pressekonferenz nach dem gestrigen Playoff-Rückspiel in Kiew hatte ein ukrainischer Journalist noch eine letzte Frage an VfL-Trainer Lucien Favre. Und bevor der Medienvertreter diese formulierte, wollte er noch unbedingt etwas loswerden: „Es kommt nicht oft vor, dass Dynamo Kiew in diesem Stadion ein Spiel verliert“, sagte er. „Und es kommt auch nicht oft vor, dass ein Gegner hier so ein gutes Spiel macht.“ Es war ein ehrlich gemeintes Kompliment und es tat Borussias Trainer nach dem Spiel sicherlich gut. Genauso wie der nicht alltägliche Applaus für Favre nach der Pressekonferenz – wohlgemerkt von der schreibenden Zunft.

Favre war, daraus machte er kein Geheimnis, „tief enttäuscht“ darüber, dass es mit dem Einzug in die Gruppenphase der Champions League nicht geklappt hat – obwohl der Fußballlehrer seiner Mannschaft ein „gutes Spiel“ bescheinigte. Nein, am couragierten und konzentrierten Auftritt in der Ukraine hat es sicher nicht gelegen, dass Dynamo Kiew am Ende jubeln durfte. „Das erste Spiel war entscheidend, 1:3 zuhause zu verlieren, das war mindestens ein Tor zu viel“, so der Schweizer über das bittere Hinspiel-Ergebnis. „Hier in Kiew haben wir bewiesen, dass wir die Qualität haben, auf diesem Niveau mitzuhalten. Wir wollten von Anfang an sehr hoch spielen, wollten Überzahlsituationen kreieren. Das hat geklappt. Wir hatten im ersten Durchgang 60 Prozent Ballbesitz, wir haben Fußball gespielt, wir haben nach vorne gespielt – und das Ganze mit Geduld und gegen einen guten Gegner.“

An klarer Linie festgehalten

Chancen wären da gewesen, frühzeitig in Führung zu gehen. Bereits nach zwei Minuten verfehlte Patrick Herrmann den Kasten nur um Zentimeter. „Über diese Szene werde ich sicherlich noch öfter nachdenken“, sagte der Mittelfeldspieler. Auch Mike Hanke hätte bereits vor dem Seitenwechsel für das erlösende 1:0 sorgen können. „Wir haben den Ball einfach nicht über die Linie bekommen. Ein früher Treffer hätte noch mehr Zug gebracht“, ärgerte sich Sportdirektor Max Eberl. Doch trotz des lange Zeit fehlenden Erfolgserlebnisses ließ sich die Fohlenelf nicht aus der Bahn werfen und hielt an ihrer klaren Linie fest. „In der zweiten Hälfte war es noch besser, wir haben mehr über die Flügel gespielt, mit Geduld und Tempo“, lobte Favre.

Der Lohn folgte spät: In der 70. Minute traf Khacheridi nach einer Arango-Flanke ins eigene Netz, acht Minuten später war der Venezolaner dann nach einer Ecke von Alexander Ring selbst zur Stelle. Plötzlich waren die Borussen nur noch einen Treffer vom „Wunder von Kiew“ entfernt, doch trotz der Schlussoffensive wollte dieser nicht mehr gelingen. Stattdessen markierte Brown Ideye nach einem Konter den 1:2-Endstand. „Wir haben auch am Ende probiert, intelligent zu spielen, haben aber etwas zu überhastet agiert. Wir hätten weiter geduldig und flach spielen müssen, um klare Torchancen zu kreieren“, bilanzierte Favre.

„Clevereres Team weiter“

So verpasste Borussia nach 180 packenden Minuten gegen den ukrainischen Vizemeister auf äußerst unglückliche Weise die Gruppenphase der Champions League. „Am Ende hat sich nicht die bessere, sondern die cleverere Mannschaft durchgesetzt“, befand Martin Stranzl. Nichtsdestotrotz kann Borussia erhobenen Hauptes in die Heimat zurückkehren. „Natürlich ist es sehr schade, dass wir die Champions League verpasst haben“, sagte Favre. „Aber wir dürfen auch nicht vergessen, wo wir herkommen. Vor 18 Monaten war Gladbach fast tot. In der vergangenen Saison haben wir den vierten Platz erreicht. Im Sommer haben wir unser Rückgrat verloren und müssen jetzt eine neue Mannschaft aufbauen.“

Und dieses neu formierte Team darf sich jetzt auf die Teilnahme an der Europa League freuen. Mindestens sechs Spiele warten auf die Fohlenelf – und wenn man sich die Namen der Vereine anschaut, die sich morgen im Lostopf befinden, kann man sich auf mindestens sechs tolle Europapokalabende freuen. „Auch in der Europa League warten Top-Mannschaften, wie Liverpool, Newcastle, Tottenham, Inter Mailand oder Lazio Rom. Das ist keine schlechte Erfahrung für Borussia“, meint Favre. Doch bevor es am 20. September auf internationaler Bühne weitergeht, warten in der Bundesliga bei Fortuna Düsseldorf und gegen den 1. FC Nürnberg (15. September) die nächsten Herausforderungen auf den VfL. „Es geht sehr schnell, schon am Samstagabend spielen wir in Düsseldorf – und dort wollen wir wieder punkten“, sagt Favre.