NEWS: 09.11.2012

Müde, aber glücklich

Müde, aber glücklich
Die Borussen feierten mit den mitgereisten Fans den Punktgewinn.

Noch in der Nacht kehrten die Borussen aus Marseille zurück. Um 1.10 Uhr stiegen sie am Flughafen Köln/Bonn aus der Chartermaschine Air Berlin 1019. Mit im Gepäck hatten sie einen wertvollen Punkt, den sie sich im UEFA Europa League-Auswärtsspiel bei Olympique Marseille in letzter Minute gesichert hatten.

Die vierminütige Nachspielzeit war fast abgelaufen, da setzte Tony Jantschke noch einmal Lukas Rupp auf dem rechten Flügel in Szene. Dieser schlug eine gefühlvolle Flanke in den Strafraum und fand in der Mitte Juan Arango, der mit einem platzierten Schuss ins lange Eck Frankreichs Nationaltorwart Steve Mandanda keine Abwehrchance ließ. „Juan hatte in der zweiten Hälfte einige Fehlpässe gespielt, aber in der entscheidenden Situation war er da und hat das wichtige Tor erzielt. Es war nicht einfach, in dieser Situation zu treffen, aber sein Schuss war sehr präzise. So sind wir nach wie vor im Wettbewerb“, freute sich Trainer Lucien Favre. Durch das gestrige 2:2-Unentschieden haben die Borussen den Einzug ins Sechzehntelfinale nun in eigener Hand. Fenerbahce Istanbul, das gestern Abend 2:0 gegen AEL Limassol gewann, führt die Tabelle der Gruppe C mit zehn Zählern an, dahinter folgen Borussia und Marseille mit jeweils fünf Punkten. Da die Fohlenelf aber den direkten Vergleich mit OM für sich entschieden hat, stünden sie bei Punktgleichheit am Ende vor den Franzosen. „Natürlich ist das ein kleiner Vorteil für uns. Wir müssen jetzt zu Hause Limassol schlagen, dann wird man sehen, was wir zum Abschluss in Istanbul erreichen müssen“, sagte Favre.

Seine Mannschaft bot gestern Abend über weite Strecken eine gute Leistung. Vor allem in der ersten Hälfte ließ sie - mit Ausnahme des Kopfballs von Loic Rémy, den Oscar Wendt von der Linie kratzte - defensiv kaum etwas zu. Sie selbst nutzte einen Abwehrschnitzer der Gastgeber eiskalt aus. Arango luchste Benoit Cheyrou den Ball ab und bediente den in der Mitte postierten Mike Hanke, der in der 20. Minute zum 1:0 traf. „Wir haben in den ersten 45 Minuten richtig gut gefightet, bevor wir es uns dann nach der Pause durch zwei Fehler selbst unnötig schwer gemacht haben“, meinte Sportdirektor Max Eberl. Zunächst zirkelte Joey Barton eine Ecke über VfL-Torwart Marc-André ter Stegen hinweg zum 1:1-Ausgleich ins lange Eck. „Das Tor ist klar mein Fehler“, räumte der Keeper ein. Allerdings wäre dieser Treffer vermutlich trotzdem nicht gefallen, wäre Thorben Marx zu diesem Zeitpunkt nicht verletzt an der Außenlinie behandelt worden. „Er ist bei Ecken für den zweiten Pfosten eingeteilt. Es war sehr ärgerlich, dass der Ball ausgerechnet dort hingelangt ist“, befand Favre und fuhrt fort: „Der Treffer hat Marseille Auftrieb gegeben. Sie haben danach den Druck auf unser Tor erhöht und haben leider auch das zweite Tor nachgelegt.“ Nach einem Ballverlust im Mittelfeld drang Jordan Ayew in den Sechzehner ein und schlenzte die Kugel unhaltbar in den rechten Winkel.

Fantastische Unterstützung

Wer glaubte, die Fohlenelf würde nun auf Grund des Rückstands einbrechen, sah sich aber getäuscht. Die Borussen schüttelten sich einmal und legten dann selbst wieder den Vorwärtsgang ein – angetrieben von mehr als 3.000 VfL-Fans, die ihre Mannschaft nach Südfrankreich begleitet hatten und die Partie im Stade Vélodrome zu einem echten Heimspiel machten. „Dass so viele Anhänger den weiten Weg auf sich genommen haben, ist unglaublich. Sie haben uns fantastisch unterstützt“, befand Favre, dessen Elf ihren Fans in der Schlussphase allen Grund zum Feiern gab. „Die Mannschaft hat sehr positiv auf den Rückstand reagiert und sich den Ausgleich so verdient“, sagte Favre. Nachdem der eingewechselte Peniel Mlapa zuvor noch aus kurzer Distanz gescheitert war, machte es Arango in der 93. Minute besser und sorgte für den viel umjubelten Ausgleich. Nach dem Abpfiff feierten die Borussen den späten Punktgewinn noch minutenlang gemeinsam mit den Fans. „Es war unglaublich, was hier los war. Das halbe Stadion war mit unseren Anhängern gefüllt. Das hat uns extrem motiviert und wir sind sehr froh, dass wir ihnen mit dem Tor noch etwas zurückgeben konnten“, sagte Marx.

Da die meisten der Borussen erst tief in der Nacht nach Hause kamen, wurde das Auslaufen am Freitag kurzerhand von 11 auf 14.30 Uhr verlegt. Viel Zeit zum Regenerieren bleibt den Favre-Schützlingen nicht, denn bereits am Sonntag (17.30 Uhr) wartet mit dem Bundesliga-Auswärtsspiel bei Greuther Fürth bereits die nächste schwere Aufgabe auf Borussia.