NEWS: 23.12.2013

Ein gutes Signal

Ein gutes Signal
Sie drehten den Spieß mit ihren Toren um: Juan Arango und Raffael.

Nach dem Abpfiff warf Lucien Favre seine Trinkflasche auf den Boden und eilte wütend in die Kabine. Borussias Trainer war der späte 2:2-Ausgleich gegen Wolfsburg aufs Gemüt geschlagen. Doch schon wenige Minuten später war der Ärger verraucht.

„Dass wir nach einem Unentschieden gegen einen solch starken Gegner enttäuscht sind, ist für mich ein gutes Signal“, sagte Favre. Nach zuvor acht Heimsiegen am Stück musste sich die Fohlenelf erstmals mit einem Punkt im heimischen BORUSSIA-PARK begnügen. Alles andere als ein Beinbruch, erst recht, wenn man den Spielverlauf betrachtet. „Man darf ja auch nicht vergessen, dass wir 0:1 in Rückstand lagen und noch einmal zurück gekommen sind“, merkte Angreifer Max Kruse an. Er vergab im ersten Durchgang die größte Chance, Borussia in Führung zu bringen, als er nach einem Querpass von Patrick Herrmann den Ball über den Querbalken drosch. Doch auch die Gäste hatten ihre Gelegenheiten – und eine davon nutzte Diego kurz nach der Pause zur 1:0-Führung. Zum dritten Mal in Folge war der VfL in einem Heimspiel in Rückstand geraten – und wie zuvor auch schon gegen Nürnberg (3:1) und Schalke (2:1) ließ er sich davon überhaupt nicht aus der Ruhe bringen.

Raffael und Arango drehen Spieß um

Zunächst schloss Raffael ein sehenswertes Solo mit einem trockenen Schuss ins lange Eck zum 1:1 (59.) ab. Wenige Minuten später nahm Juan Arango Maß und schlenzte die Kugel per Freistoß aus 27 Metern in unnachahmlicher Weise in den rechten Winkel. „Es waren zwei super Tore“, befand Favre. „Doch leider haben das dritte Tor nicht nachgelegt, obwohl wir ein paar Mal die Möglichkeit dazu hatten.“ Tatsächlich hätten allen voran Raffael, Christoph Kramer oder Kruse die Entscheidung herbeiführen können, scheiterten aber allesamt freistehend. „Nach dem 2:1 hatten wir genug Möglichkeiten, um den Sack zuzumachen“, ärgerte sich Kramer. „Stattdessen haben wir hinten heraus ein blödes Tor bekommen und müssen jetzt mit dem einen Punkt leben.“ Nur ein einziges Mal kamen die „Wölfe“ nach der 2:1-Führung noch einmal zwingend vor das von Marc-André ter Stegen gehütete Tor – und nutzten dies in der 85. Minute zum glücklichen, aber keineswegs unverdienten Ausgleich. „Dieser einfache Ballverlust vor dem Tor ist schwer zu akzeptieren. Wenn du das dritte Tor nicht machst, musst du das 2:1 halten, das haben wir leider nicht geschafft. So war es eine gute Lektion für uns, aus der wir lernen müssen“, bilanzierte Favre.

„Nicht mehr der Underdog“

Doch mit etwas Abstand blickt Borussias Trainer zufrieden auf eine überzeugende Hinrunde zurück. „33 Punkte, dazu eine Tordifferenz von +16 – das heißt schon etwas“, sagte Favre. Mit dem Punktgewinn überholte seine Mannschaft Borussia Dortmund und schob sich in der Tabelle auf Platz drei vor. Eine derart gute Platzierung hatte es nach der ersten Saisonhälfte zuletzt vor 19 Jahren gegeben. „Wir haben uns eine gute Basis erarbeitet und stehen verdient auf Rang drei. Aber es ist noch eine ganze Rückrunde zu spielen, in der wir nicht mehr der Underdog sind. Die Gegner werden uns jetzt anders entgegentreten“, ist Sportdirektor Max Eberl überzeugt. Auch Trainer Favre warnte vor zu hohen Erwartungen: „Wir haben in der Rückrunde ein Auswärtsspiel mehr, dazu kommen Bayern München und Bayer Leverkusen zu uns, das wird nicht leicht.“

Auftakt gegen Bayern

Gleich zum Auftakt in die Rückrunde kommt es am Freitag, 24. Januar (20.30 Uhr), zum „Knaller“ gegen den seit 41 Bundesligaspielen ungeschlagenen Rekordmeister. „Eine größere und schönere Aufgabe als gegen die Bayern zu spielen, kannst du nicht haben“, blickte Eberl voraus. Doch bis dahin ist noch mehr als ein Monat Zeit – und nun steht erst einmal die Winterpause an. Bereits am gestrigen Sonntagabend traten die meisten Borussen ihren wohlverdienten Weihnachtsurlaub an. „Es tut uns allen gut, mal zu unseren Familien zu fahren und abzuschalten“, sagte Granit Xhaka. Exakt 14 Tage haben alle Borussen dazu Zeit, ehe am Montag, 6. Januar (15 Uhr), die Vorbereitung auf die Rückrunde beginnt. Da sich gestern kein Borusse verletzt hat, wird Favre dann – Stand jetzt – alle Schützlinge um sich versammeln können.