Roberto Boninsegna wird vom Spielfeld getragen.

Das Achtelfinal-Hinspiel im Europapokal der Landesmeister 1971/1972 ist das vielleicht beste, mit Sicherheit aber das meistdiskutierte Spiel in der Vereinsgeschichte der Borussia. Am 20. Oktober 1971 erleben 27.500 Zuschauer auf dem Bökelberg, wie ein entfesselter VfL den italienischen Meister und haushohen Favoriten Inter Mailand 7:1 demontiert. Neben der überragenden Spielkunst der von Günter Netzer angeführten Borussen ist ein eher profaner Gegenstand untrennbar mit diesem Spiel verbunden: eine leere Cola-Dose.

Inter kommt mit der halben italienischen Nationalmannschaft an den restlos ausverkauften Bökelberg. Weil sich Manager Helmut Grashoff mit der ARD nicht einigen kann, wird das Spiel nicht im Fernsehen übertragen. Borussia stürmt von der ersten Minute an. Jupp Heynckes trifft schon nach sieben Minuten zum 1:0. Mit der ersten gefährlichen Aktion erzielt Inters Stürmerstar Roberto Boninsegna per Freistoß den Ausgleich. Fast im Gegenzug trifft Ulrik Le Fèvre wieder zur Führung für die Elf von Hennes Weisweiler.

Dann die 28. Spielminute: Ludwig Müller und Boninsegna liefern sich eine Rangelei, als von der Haupttribüne die Cola-Dose geworfen wird und Inters Stürmer angeblich am Kopf trifft. Boninsegna sinkt zu Boden, wird behandelt und schließlich vom Platz getragen. Hinter geschlossener Kabinentür erklärt Inter den Stürmer für spieluntüchtig. Auf dem Platz wird heftig diskutiert. Das Spiel steht vor dem Abbruch. Als die Polizei nach übereinstimmenden Zeugenaussagen einen Tatverdächtigen festnimmt, pfeift Schiedsrichter Jef Dorpmans die Begegnung wieder an.

Inters Abwehrriegel zerlegt

Borussia macht weiter, als wäre nichts passiert. Angetrieben vom überragenden Netzer spielt sich das Team in einen Rausch. Noch vor der Halbzeit erhöhen Le Fèvre, Netzer und Heynckes auf 5:1. Zur Halbzeit wechselt Mailand den Torwart aus – ohne Erfolg. Netzer macht in der 52. Minute das halbe Dutzend voll. Erst dann nimmt Borussia etwas Tempo aus dem Spiel, Sieloff besorgt acht Minuten vor dem Schlusspfiff per Foulelfmeter den 7:1-Endstand. Die Sensation ist perfekt, der gefürchtete Catenaccio, der italienische Abwehrriegel, in seine Einzelteile zerlegt.

Während die deutsche Presse den Triumph feiert, legt Inter wegen des Büchsenwurfs bei der Uefa Protest gegen die Spielwertung ein. Das Urteil der Disziplinarkommission trifft Borussia schwer: Das Spiel wird annulliert und an neutralem Ort wiederholt. Die Berufung des VfL sorgt lediglich dafür, dass das Spiel nicht wie von der Uefa angedacht in Bern sondern in Berlin ausgetragen werden kann. Das reguläre Rückspiel in Mailand hat Borussia in der Zwischenzeit 2:4 verloren. Das Wiederholungsspiel endet trotz großer Chancen von Borussia torlos. Der VfL scheidet damit im Achtelfinale des Europapokals der Landesmeister aus. Das 7:1 am Bökelberg aber, das offiziell für ungültig erklärte Spiel, bleibt wohl für immer unvergessen.