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Ende des „Kapitel Inter“

Mit seinem verwandelten Eltmeter macht Harald Nickel den 3:2-Sieg in Mailand perfekt.

Am Abend des 7. November 1979 steht Trainer Jupp Heynckes an der Seitenlinie. Knallrotes Gesicht und glänzende Augen. Dann ertönt der Schlusspfiff. Torwart Wolfgang Kneib rennt wie von der Tarantel gestochen auf Heynckes zu, umarmt ihn wild und versucht ihn auf seine Schultern zu nehmen. Geschafft! Borussia hat soeben in einer an kämpferischen Höhepunkten und Dramatik kaum zu überbietenden Partie Inter Mailand mit 3:2 nach Verlängerung besiegt. „Der Jupp, unser Trainer, sagte schon vorm Spiel - wir gewinnen. Also gewinnen wir auch. Dem Jupp glaube ich nämlich alles“, jubelt Libero Wilfried Hannes.

Wochen zuvor gibt es einen kurzen Schreck. Erinnerung an eine der glänzendsten Stunden der Vereinsgeschichte. So die Reaktionen am Bökelberg nach der Auslosung. Der nächste Gegner heißt Inter Mailand. Natürlich werden Erinnerungen an das sensationelle 7:1 von vor fast genau acht Jahren wach. An das Spiel mit dem legendären Büchsenwurf. An die Annullierung dieser unglaublichen Partie und letztlich an das Ausscheiden des VfL. Von den damaligen Spielern der Borussen sind jetzt nur noch Jupp Heynckes als Trainer und Mittelfeldspieler Christian Kulik dabei.

Auf den Rängen des mit 34.500 Zuschauern ausverkauften Bökelbergs bleibt es im Hinspiel ruhig. Auf dem Rasen überrascht Inter mit Tempofußball und blitzschnellen Kontern. Borussia tut sich schwer, geht aber durch Hannes in Führung (39.). Der Ausgleich zehn Minuten nach Wiederanpfiff wird begünstigt durch einen Fehler von Kneib. Der bis an die Strafraumgrenze hinausgeeilte Torhüter ist sich nach einer Flanke für einige Sekundenbruchteile nicht sicher, ob er den Ball mit der Hand oder doch besser mit dem Fuß klären soll. Dieser Moment genügt Altobelli, um den 1:1-Endstand zu erzielen.

Nickel erzielt Traumtor

Im Rückspiel scheint Borussias Ziel, kein frühes Gegentor zu bekommen, aufzugehen. Bis zur 24. Minute: Da kann Altobelli ungehindert zum 1:0 einköpfen. Das Stadion kocht. Unbändiger Jubel unter den 81.000 Zuschauern auf den Rängen. Das Tor gibt den Mailändern Auftrieb. Kneib verhindert kurze Zeit später mit einer Glanztat gegen Altobelli ein weiteres Gegentor und wird anschließend zum Vorbereiter des Ausgleichs. Der VfL-Schlussmann schlägt das Leder in die gegnerische Hälfte zu Harald Nickel. Der Torjäger nimmt den langen Ball mit der Brust an, schüttelt dabei seinen Gegenspieler ab und nagelt die Kugel aus gut 30 Metern unter die Latte – ein Traumtor.

Im zweiten Durchgang machen die Fohlen mehr fürs eigene Spiel und verteidigen das 1:1 sicher. Es geht in die Verlängerung. In dieser geht Inter abermals durch Altobelli (94.) in Führung. Statt sich dem Schicksal zu ergeben, mobilisieren die Borussen die letzten Kraftreserven. Hinzu kommt das glückliche Händchen von Heynckes. Der Coach bringt Norbert Ringels für Jürgen Fleer. Und nur sieben Minuten nach seiner Einwechslung erzielt Ringels den 2:2-Ausgleich. Das reicht zum Weiterkommen, aber noch ist nicht Schluss. In der 108. Spielminute wird Del´Haye im Strafraum gefoult - Elfmeter für den VfL. Nickel tritt an, schiebt das Leder aus dem Stand in die rechte untere Ecke und bringt sein Team damit in die nächste Runde. Nach acht Jahren hat sich Borussia für die Niederlage von 1971 revanchiert. „Das alte ,Kapitel Inter‘ ist damit für Borussia beendet“, ist später im FohlenEcho zu lesen.

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